JavaScript: Das digitale Bauchfett deiner Website

23 JavaScript-Dateien pro Seitenaufruf – das ist der Durchschnitt

Dreiundzwanzig. Im Schnitt werden bei jedem Seitenaufruf dreiundzwanzig JavaScript-Dateien geladen. Nicht auf übermäßig aufgeblähten Enterprise-Seiten – sondern als branchenweiter Durchschnitt. Das macht mir Sorgen. Und ich erlebe es in jedem Audit: Wenn es um JavaScript geht, wird es ruhig im Raum.

Für meine aktuelle Kolumne in der Website Boosting habe ich das Thema unter dem Titel „Der CO2Doc fragt: Warum ist JavaScript so problematisch?" beleuchtet. Das Bild dazu trifft es: JavaScript ist wie digitales Bauchfett – es kommt schleichend, sitzt hartnäckig und keiner traut sich wirklich ran.

Warum niemand JavaScript anfasst

Es gibt einen Grund, warum JS in Audits als letztes drankommt: Es wirkt komplex, riskant und zeitintensiv. In meiner Beratung höre ich das regelmäßig. Aber in den meisten Fällen ist das mehr Gewohnheit als Realität.

Die typische Dynamik: Eine neue Funktion braucht ein Plugin → das Plugin bringt eine Abhängigkeit → die Abhängigkeit bringt drei weitere Scripts mit. Nach zwei Jahren hat die Website 23 JS-Dateien, und keiner mehr den Überblick. Und weil niemand genau weiß, was wovon abhängt, rührt auch niemand daran.

Was du durch eine JavaScript-Diät gewinnst

Weniger JavaScript zahlt gleichzeitig auf mehrere Ziele ein:

Performance – Schnellere Ladezeiten, bessere Core Web Vitals, höheres Ranking. Der LCP profitiert direkt, weil der Haupt-Thread nicht mehr blockiert wird.

Sicherheit – Jede externe JS-Datei ist ein potenzielles Einfallstor. Veraltete Bibliotheken und ungepflegte Plugins sind echte Risiken – auch wenn sie scheinbar nur eine Kleinigkeit tun.

Barrierefreiheit – Viele Barrieren entstehen durch fehlerhafte JavaScript-Implementierungen: Modals, die den Fokus nicht zurückgeben; Menüs, die nicht per Tastatur bedienbar sind; dynamische Inhalte, die Screenreadern entgehen.

Kontrolle – Du weißt wieder, was auf deiner Website passiert. JavaScript ist oft der Kanal, über den Tracking und Datenweitergabe stattfinden – ungeplant und unbemerkt.

Tipp
Öffne Chrome DevTools (F12), wechsle in den Tab „Netzwerk" und filtere nach „JS". Zähl die Dateien – alles über 10 ist ein konkreter Startpunkt. PageSpeed Insights zeigt dir unter „JavaScript-Ausführungszeit", welche Skripte am meisten bremsen. Meistens sind es ein oder zwei, die du sofort eliminieren oder ersetzen kannst.

Fang heute noch an

Du brauchst keinen vollständigen Relaunch. Schau dir an, welche JavaScript-Dateien deine Website lädt, und frag dich bei jeder: Brauche ich das wirklich? Gibt es eine schlankere Alternative? Kann das CSS allein lösen?

Die JavaScript-Diät ist kein Einmaleingriff – aber der erste Schritt ist buchstäblich ein Klick in den DevTools.


Dieser Artikel basiert auf meinem LinkedIn-Post vom 8. Dezember 2025.