Digital Veganuary: 42 Tage bewusster Abstand von Social Media

Neujahr. Wieder einmal der Moment, in dem viele beschließen, weniger Zucker zu essen, mehr Sport zu treiben oder seltener auf ihr Smartphone zu schauen – und drei Wochen später ist alles wieder wie vorher.

Ich mache das anders. Zum zweiten Mal verabschiede ich mich hier ab Neujahr bis zu meinem Geburtstag am 11. Februar: 42 Tage Digital Veganuary. Diesmal noch konsequenter als 2025.

Die Regeln

Die Regeln sind klar und nicht verhandelbar:

  • Einloggen maximal einmal täglich, für maximal fünf Minuten
  • Kein Posten
  • Kein Kommentieren
  • Den Feed nicht ansehen
  • Nichts liken – außer wenn ich getaggt wurde
  • Alle Benachrichtigungen abbestellt

Das klingt radikal. Ist es nicht. Es ist das Minimum an Selbstbestimmung gegenüber einem System, das darauf ausgelegt ist, genau das zu verhindern.

Warum

Weil ich es hoffentlich noch kann. Das ist die ehrlichste Antwort.

Die etwas ausführlichere: Ich verachte Social-Media-Algorithmen aus tiefster Überzeugung. Nicht weil ich technikfeindlich bin – das Gegenteil ist der Fall. Sondern weil ich verstehe, wie sie funktionieren. Sie optimieren auf Aufmerksamkeit, nicht auf Qualität. Auf Reaktion, nicht auf Reflexion. Auf Verweildauer, nicht auf Mehrwert.

Wer Fachthemen auf LinkedIn postet, arbeitet für den Algorithmus. Das Fachthema ist der Köder – die eigentliche Währung ist die Zeit und Aufmerksamkeit der Leser, die LinkedIn monetarisiert. Ich will das bewusster gestalten.

Info
Das Konzept „Digital Veganuary" lehnt sich bewusst an den „Veganuary" an – den Januar, in dem viele Menschen vegane Ernährung ausprobieren. Übertragen auf die digitale Welt: bewusster Konsum, bewusste Entscheidungen, bewusster Verzicht auf das, was schadet – ohne Absolutismus.

Die Inspiration: „Digital Vegan" von Andy Farnell

Meine Inspiration für diesen Ansatz ist ein Buch, das 2021 erschienen ist und das kaum jemand kennt: „Digital Vegan" von Andy Farnell, einem IT-Spezialisten, der sich seit Jahren mit den ethischen Dimensionen von Technologie beschäftigt.

Seine Ansichten über Big Tech und Social Media sind radikal – und in vielen Punkten präzise. Die Buchankündigung bringt es auf den Punkt:

„Ein digitaler Veganer achtet auf seine psychische Gesundheit, Privatsphäre und Würde, indem er bessere Technologieentscheidungen trifft. Die Geräte, Apps und Medien, die wir konsumieren, können negative Auswirkungen auf uns und andere haben. Schlecht konzipierte Gadgets und Dienste von Big-Tech-Monopolen schaden unserer Umwelt und Gesellschaft."

Das ist Teil meines eigenen Mindsets geworden – auch wenn es eine absolute Minderheitenmeinung bleibt. So wie meine meistens.

Mehr dazu: digitalvegan.net

Tipp
Wer Social-Media-Algorithmen besser verstehen will, bevor er entscheidet, wie er damit umgehen möchte: Das Buch „Stolen Focus" von Johann Hari und der Dokumentarfilm „The Social Dilemma" (Netflix) sind zugängliche Einstiege. Andy Farnells „Digital Vegan" ist radikaler – aber für technisch Interessierte sehr lesenswert.

Auf allen anderen Plattformen: 365 Tage

Auf Instagram, X, Facebook und allen anderen Plattformen bin ich seit Jahren komplett inaktiv – 365 Tage im Jahr. Nicht deaktiviert. Gelöscht. LinkedIn ist die einzige Ausnahme, weil berufliche Vernetzung dort nach wie vor stattfindet.

Aber auch das kann sich ändern, wenn ich Gefallen am Abstand finde.

Die Frage, die ich mir und dir stelle: Könntest du 42 Tage auf Social Media verzichten? Oder zumindest auf eine Plattform, die du hauptsächlich aus Gewohnheit nutzt?

Dieser Post ist mein letzter hier bis zum 11. Februar: Zum LinkedIn-Post