Impuls 24 von 40: Die meisten Websites übertragen deutlich mehr Daten als nötig. Nicht aus Absicht, sondern weil niemand genau hingeschaut hat. Ein WordPress-Theme bringt 800 KB JavaScript mit, von dem die Hälfte nie ausgeführt wird. Ein Headerbild wurde aus Canva exportiert – in Druckqualität, 4 MB, ungefiltert ins CMS hochgeladen. Eine Schrift lädt alle sechs Schnitte, obwohl zwei verwendet werden.
Jedes dieser Probleme ist lösbar. Aber zuerst muss man es sehen.
Die vier häufigsten Datenfresser
Ungenutzter Code. HTML, CSS und JavaScript enthalten häufig erhebliche Anteile, die für die aktuelle Seite gar nicht benötigt werden. Frameworks wie Bootstrap laden dutzende Komponenten, von denen vielleicht fünf genutzt werden. Der Rest ist Ballast, der trotzdem übertragen und vom Browser geparst wird – auch wenn er nie ausgeführt wird.
Nicht optimierte Bilder. Das größte Einsparpotenzial liegt bei Bildern. Ein Bild, das 300 Pixel breit dargestellt wird, aber in 2.000 Pixel Breite geladen wird, überträgt das 44-fache der nötigen Datenmenge. Dazu kommt das Format: JPEG, wo AVIF 50 % kleiner wäre, ist verschenktes Potenzial bei jedem Seitenaufruf.
Schriftdateien. Eine vollständige Webfont-Datei kann mehrere Hundert Kilobytes groß sein. Wer alle Schnitte lädt und nur Regular und Bold nutzt, transportiert 80 % der Datei umsonst. Subsetting – nur die Zeichen einbinden, die tatsächlich gebraucht werden – kann die Schriftdateigröße halbieren.
Externe Ressourcen. Jeder externe Request – Tracker, Social-Media-Widgets, eingebettete Karten, externe Schriften – erzeugt eine eigene Serververbindung mit eigenem DNS-Lookup, eigenem TLS-Handshake, eigenem Overhead. Zehn externe Ressourcen können mehr Zeit kosten als das vollständige Laden der eigentlichen Seite.
Datenfresser in fünf Minuten sichtbar machen:
- PageSpeed Insights (pagespeed.web.dev) – kostenlos, zeigt sofort die größten Einsparpotenziale mit konkreten Empfehlungen
- Browser DevTools → Netzwerk-Tab → Seite neu laden → nach Größe sortieren → die größten Kandidaten sind sofort sichtbar
- Digitalbeacon (digitalbeacon.co) – zeigt CO₂-Fußabdruck, Seitengröße und Ressourcentypen auf einen Blick
- Website Carbon Calculator (websitecarbon.com) – schnelle CO₂-Einschätzung im Vergleich zum Durchschnitt
Was die Zahlen bedeuten
Der Web Almanac 2024 zeigt: Eine durchschnittliche Website überträgt beim ersten Laden rund 2,4 MB. Davon entfallen etwa 1 MB auf Bilder, 500 KB auf JavaScript und 80 KB auf Schriften. Websites im untersten Quartil kommen mit unter 500 KB aus – gleiche Funktion, fünfmal weniger Daten.
Die Auswirkungen sind messbar: PageSpeed und Core Web Vitals verschlechtern sich mit jedem unnötigen Kilobyte. LCP – der Zeitpunkt, zu dem der wichtigste Inhalt sichtbar wird – steigt direkt mit der Seitengröße. Google wertet das als Rankingsignal.
Und noch ein Aspekt: Wer KI-Crawler gezielt ausschließen will, braucht eine sauber strukturierte, valide Website. Überbordende Skripte und fehlerhafte HTML-Strukturen erschweren das Crawling – oder machen es für bestimmte Systeme schlicht unwirtschaftlich.
Weniger Daten, mehr Wirkung. Der erste Schritt ist immer, die Datenfresser sichtbar zu machen.
Dieser Tipp ist Teil meiner Serie Digitalfasten ohne Verzicht – 40 Impulse zur Fastenzeit 2026: Zum LinkedIn-Post
