Impuls 30 von 40: XING schickt Geburtstagsglückwünsche. Instagram empfiehlt, einem Profil zu folgen. Ein Newsletter läuft weiter, ein Cloud-Abo verlängert sich automatisch. Hinter all dem steht ein Mensch, der seit Jahren tot ist.
Das klingt morbide. Ist aber Realität – und ein unterschätztes digitales Nachhaltigkeitsproblem. Ungenutzte Accounts, die weiter existieren, verursachen Datentransfer, Serverkapazität und Energieverbrauch. Jahrelang. Ohne jeden Nutzen.
Was im digitalen Nachlass hängenbleibt
Die meisten Menschen hinterlassen heute ein erhebliches digitales Erbe – oft ohne es zu wissen:
- E-Mail-Konten mit Jahren von Nachrichten und Anhängen
- Cloud-Speicher bei Google Drive, iCloud, Dropbox mit Fotos, Dokumenten, Backups
- Social-Media-Profile auf LinkedIn, Instagram, Facebook, X
- Domains und Websites, die automatisch verlängert werden
- Abos und Mitgliedschaften mit laufenden Kosten
- Online-Banking und Bezahldienste mit gespeicherten Zahlungsdaten
Angehörige stehen danach vor einem Problem: Sie haben keinen Zugang, wissen oft nicht einmal, welche Accounts existieren, und kämpfen sich durch Plattform-Bürokratien, die für diesen Fall nicht gebaut wurden.
Digitalen Nachlass vorbereiten – konkrete Schritte:
- Account-Liste anlegen: Dienst, E-Mail-Adresse, Hinweis auf Zugangsdaten (kein Klartext-Passwort, aber Verweis auf Passwort-Manager oder sicheres Dokument)
- Inaktivitäts-Manager aktivieren:
- Google: Kontoeinstellungen → Daten & Datenschutz → Inaktivitäts-Manager – legt fest, was nach X Monaten Inaktivität passiert und wer Zugriff bekommt
- Apple: Einstellungen → Apple-ID → Passwort & Sicherheit → Kontakt für den Todesfall hinzufügen
- Facebook: Einstellungen → Besondere Nutzung → Kontakt für den Gedenkzustand
- Klären, wer handeln darf: Im Ernstfall benötigen Angehörige eine Vollmacht oder letztwillige Verfügung, die digitale Accounts explizit einschließt
Die digitale Nachhaltigkeit endet nicht mit dem Leben
Das ist der Punkt, der in keiner Diskussion über digitalen Nachlass auftaucht: Jeder ungelöschte Account verbraucht weiter Energie. Server speichern Daten, Backup-Systeme sichern sie täglich, Benachrichtigungssysteme senden automatisch E-Mails. Das läuft jahrelang weiter – bis jemand aktiv eingreift.
Wer heute unnötige Accounts löscht, alte Daten bereinigt und klare Zuständigkeiten festlegt, reduziert nicht nur den Aufwand für Angehörige. Er verhindert auch, dass digitaler Datenmüll noch Jahre nach dem eigenen Tod Energie verbraucht.
Digitale Vorsorge ist kein düsteres Thema. Es ist Klarheit – für einen selbst, für Angehörige und für die Daten, die man hinterlässt.
Dieser Tipp ist Teil meiner Serie Digitalfasten ohne Verzicht – 40 Impulse zur Fastenzeit 2026: Zum LinkedIn-Post
