Nachhaltigere Software nutzen: Ressourceneffizienz als Auswahlkriterium

Impuls 36 von 40: Wer seine Website auf einem grün betriebenen Server hostet, tut etwas Gutes. Wer dann täglich fünf SaaS-Tools nutzt, deren Rechenzentren fossil betrieben werden, konterkariert diesen Effekt oft vielfach.

SaaS ist bequem. Die Infrastruktur läuft irgendwo, jemand anderes kümmert sich darum, Updates kommen automatisch. Gleichzeitig bedeutet das: Man sieht den Ressourcenverbrauch nicht. Server laufen, Datenbanken werden repliziert, Backups wachsen, KI-Funktionen werden im Hintergrund ausgeführt – auch für die Funktionen, die niemand nutzt.

Sechs Fragen, die bei der Software-Auswahl helfen

Gibt es eine schlankere Alternative? Für viele Aufgaben existieren mehrere Tools – ein schwergewichtiges mit hundert Funktionen und ein fokussiertes mit zwanzig. Wer von hundert Funktionen fünf nutzt, finanziert mit seinem Abo den Betrieb von 95 Funktionen, die er nie braucht.

Arbeitet die Software datensparsam? Telemetrie, automatische Nutzungsanalyse, eingebettete Tracker – viele Tools sammeln im Hintergrund Daten, die für den Nutzer keinen Mehrwert haben, aber Server belasten. Open-Source-Alternativen sind hier oft transparenter.

Ist Green Hosting erkennbar ein Thema? Manche Anbieter kommunizieren aktiv, wo ihre Server stehen und wie sie betrieben werden. Wer das nicht tut, ist kein Ausschlussgrund – aber wer es tut, signalisiert, dass das Thema intern ernst genommen wird.

Brauche ich wirklich alle Funktionen? KI-gestützte Zusammenfassungen, automatische Vorschläge, Echtzeit-Synchronisation – viele Tools aktivieren das standardmäßig. Wer diese Funktionen nicht braucht, sollte sie abschalten. Weniger Serveranfragen, weniger Datenverarbeitung, weniger Energieverbrauch.

Wie lange ist die Software nutzbar? Ein Tool, das alle zwei Jahre ein komplettes Redesign mit Pflicht-Migration erzwingt, erzeugt erheblichen Overhead – für alle Nutzer gleichzeitig. Langlebige, stabile Software ist nachhaltiger als schnelllebige mit hoher Fluktuation.

Wann wurde ein Tool zuletzt genutzt? Die ehrlichste Frage. In vielen Unternehmen existieren Abos für Tools, die seit Monaten niemand mehr öffnet.

Tipp

Tool-Audit im Unternehmen – so geht es:

  1. Alle SaaS-Abos auflisten (Kreditkartenabrechnung, IT-Inventar, App-Store-Abos)
  2. Für jedes Tool: Wann zuletzt genutzt? Von wem? Für was?
  3. Doppelte Funktionen identifizieren – wie viele Tools können dasselbe?
  4. Konsolidieren: Ein gutes Tool ersetzt drei mittelmäßige und spart Lizenzkosten, Einarbeitungsaufwand und Serverressourcen gleichzeitig

Typisches Ergebnis: 20–30 % der gebuchten Tools werden kaum genutzt.

Für eigene Entwicklungen gilt dasselbe

Wer Software selbst entwickelt oder entwickeln lässt, trägt die Verantwortung direkt. Schlanker Code, weniger Abhängigkeiten, effiziente Datenbankabfragen, kurze Ladezeiten – das sind keine rein technischen Entscheidungen, sondern Nachhaltigkeitsentscheidungen.

Green Software Engineering – der Ansatz, Energieverbrauch und Ressourceneffizienz als Designkriterien in die Entwicklung einzubeziehen – gewinnt in der Branche an Bedeutung. Die Green Software Foundation stellt dafür Prinzipien und Messmethoden bereit.

Info
Die Green Software Foundation (greensoftware.foundation) veröffentlicht Prinzipien und Patterns für ressourceneffiziente Software-Entwicklung. Ihr Software Carbon Intensity-Standard (SCI) ist ein offener Ansatz, den CO₂-Fußabdruck von Software messbar zu machen – ähnlich wie der Website Carbon Calculator für Websites.

Wenn mehrere gleichwertige Lösungen existieren, sollten Nachhaltigkeit, Datensparsamkeit und Ressourceneffizienz in die Entscheidung einfließen. Das ist kein Idealismus – es ist konsequente Anwendung der Kriterien, die wir auch bei anderen Beschaffungsentscheidungen anlegen.

Dieser Tipp ist Teil meiner Serie Digitalfasten ohne Verzicht – 40 Impulse zur Fastenzeit 2026: Zum LinkedIn-Post