Am 2. März 2026 traf ein iranischer Drohnenangriff zwei AWS-Rechenzentren in den Vereinigten Arabischen Emiraten direkt. Ein weiteres in Bahrain wurde durch einen Einschlag in unmittelbarer Nähe beschädigt. Strukturschäden, Stromausfall, Brände, Wasserschäden durch Löschanlagen. Für die betroffenen Kunden bedeutete das: Totalausfall. AWS erklärte mehrere Verfügbarkeitszonen offiziell zu „hard down".
Was AWS selbst mitteilt
AWS bestätigte, dass zwei seiner Einrichtungen in den Emiraten direkt getroffen wurden und in Bahrain ein Drohnenangriff in der Nähe einer Einrichtung physische Schäden an der Infrastruktur verursachte. Das Unternehmen empfahl Kunden, Workloads aus der Region zu migrieren und Daten aus Backups in anderen Regionen wiederherzustellen.
AWS erklärte in einem internen Memo, dass diese beiden Regionen weiterhin beeinträchtigt sind und Dienste nicht mit normalen Redundanz- und Resilienzwerten rechnen sollten. Laut Reuters wird die Wiederherstellung mehrere Monate dauern.
Multi-AZ schützt nicht vor Krieg
Das ist der entscheidende Punkt für alle, die Cloud-Architekturen verantworten: Zwei von drei Verfügbarkeitszonen in der UAE-Region waren betroffen und eine weitere in Bahrain, wodurch klassische Multi-AZ-Resilienz nicht mehr ausreichte.
Multi-AZ ist gegen Hardware-Ausfall, Stromstörungen oder lokale Brände konzipiert. Gegen koordinierte Angriffe auf eine gesamte Region hilft nur eine Multi-Region-Strategie mit Backups außerhalb der Konfliktzone.
Der Nahe Osten war schon vorher kein idealer Standort
Das ist kein Argument, das erst durch den Krieg entsteht. Auch ohne Drohnen ist die Region strukturell problematisch für Rechenzentren:
Klimatische Extrembedingungen. Temperaturen von 45 bis 50 Grad Celsius im Sommer bedeuten enorm hohen Kühlaufwand. Rechenzentren in Abu Dhabi oder Dubai verbrauchen pro Megawatt IT-Leistung ein Vielfaches des Wassers und Stroms, das ein vergleichbares Zentrum in Nordeuropa benötigt.
Fossile Energie. Der günstige Strom in der Region kommt aus Gas und Öl. Wer dort Rechenzentren betreibt, kauft billige Energie – aber auf Kosten des Klimas und auf Basis einer Infrastruktur, deren Rohstoffe selbst ein geopolitisches Risiko darstellen.
Wasserknappheit. Kühlung braucht Wasser. In einer der wasserärmsten Regionen der Welt ist das keine Nebenbemerkung.
Politische Instabilität. Über das vergangene Jahrzehnt hat sich der Nahe Osten als Standort für große Technologieunternehmen etabliert, da viele wohlhabendere Länder der Region ihre Wirtschaft von der Abhängigkeit vom Erdöl diversifizieren wollen. Das war eine wirtschaftliche Entscheidung – keine auf Basis von Resilienz.
Was das für digitale Nachhaltigkeit bedeutet
Viele betroffene Unternehmen hatten gar keine bewusste Präsenz im Nahen Osten. Ihre Cloud-Workloads liefen einfach über die Region, ohne dass sie es wussten. Das ist das eigentliche Problem: Cloud ist nicht immateriell. Sie hängt an konkreten Gebäuden, Stromversorgung, Kühlung, Netzwegen und politischer Stabilität.
Für mich als Berater für nachhaltige Webinfrastruktur ist das ein klares Signal: Standortwahl ist eine Nachhaltigkeitsentscheidung. Nicht nur wegen CO₂-Intensität des Stroms, sondern auch wegen Wasserverbrauch, Klimaresilienz und – jetzt sichtbar – geopolitischer Stabilität.
Das gilt übrigens nicht nur für große Konzerne. Wer als kleines Unternehmen einen Managed Service, ein SaaS-Tool oder eine Datenbank nutzt, sollte wissen, wo diese Dienste physisch laufen. Und ob das der richtige Ort ist.
Den Vorfall dokumentiert CNBC ausführlich: AWS confirms drone strikes damaged three facilities in UAE and Bahrain
