carbon.txt: die robots.txt für Klimadaten – kaum jemand kennt sie

robots.txt kennt jeder, der sich mit Websites befasst. Sie liegt im Wurzelverzeichnis, ist öffentlich erreichbar unter domain.de/robots.txt und teilt Crawlern mit, was sie indexieren dürfen und was nicht. Seit Jahrzehnten bewährter Standard, von allen Suchmaschinen respektiert.

carbon.txt folgt demselben Prinzip – aber für Nachhaltigkeitsinformationen. Und die meisten haben noch nie davon gehört.

Was carbon.txt ist und was es löst

Die Idee ist einfach: Wer Nachhaltigkeitsdaten einer Website sucht – Hosting-Anbieter, CO₂-Fußabdruck, Nachhaltigkeitsbericht, grüne Infrastruktur – weiß nicht, wo er suchen soll. Auf der Startseite? Im Footer? Unter „Über uns"? In einer PDF-Datei, die vor drei Jahren hochgeladen wurde?

carbon.txt schafft einen einzigen, vorhersehbaren Ort auf jeder Domain – /carbon.txt – für öffentliche, maschinenlesbare Nachhaltigkeitsdaten. Wer die Datei kennt, weiß sofort, wo er suchen muss. Und wer eine Datei anlegt, signalisiert aktiv: Hier gibt es etwas zu sehen.

Dahinter steckt ein web-nativer „connect not collect"-Ansatz: Die Datei verweist auf bestehende Informationen, statt sie zu duplizieren. Die Green Web Foundation entwickelt carbon.txt als offene Dateninfrastruktur, die Klimaschutzmaßnahmen besser unterstützen soll.

Was in einer carbon.txt steht

Das Format ist flexibel und wächst mit dem eigenen Reifegrad. Eine minimale carbon.txt enthält Verweise auf:

  • den Hosting-Anbieter und dessen Nachhaltigkeitsnachweise
  • die eigene Nachhaltigkeitserklärung oder -seite
  • optional: Nachhaltigkeitsberichte, CO₂-Bilanzen, Zertifizierungen

Der Builder unter carbontxt.org/tools/builder hilft beim Erstellen einer korrekten Datei – mit allen relevanten Feldern und Validierung.

Tipp
Eine carbon.txt lässt sich in wenigen Minuten anlegen: Builder aufrufen, Felder ausfüllen, Datei als carbon.txt ins Wurzelverzeichnis der Website legen. Fertig ist sie unter deinedomain.de/carbon.txt erreichbar. Für Hugo-Websites einfach als statische Datei in den /static/-Ordner legen.

datensm.art hat jetzt eine carbon.txt

Ich habe für datensm.art eine carbon.txt angelegt. Sie verweist auf zwei Informationsquellen:

Hetzner als Hosting-Anbieter. datensm.art läuft auf einem Hetzner-Server in Nürnberg. Hetzner ist bei der Green Web Foundation als grüner Hoster gelistet und betreibt seine Rechenzentren zu 100 % mit erneuerbaren Energien – belegt durch entsprechende Zertifikate.

Unsere Nachhaltigkeitserklärung. Unter /nachhaltigkeit/ habe ich dokumentiert, welche Entscheidungen hinter datensm.art stecken: statisches Hosting, WebP/AVIF-Bilder, Systemschriften, selbst gehostetes Matomo ohne Cookie-Banner, kein externes Tracking, kein CDN von Drittanbietern. Die carbon.txt verlinkt direkt auf diese Seite.

Info
Die Green Web Foundation beschreibt carbon.txt als wachsenden Standard – die Datei kann kontinuierlich aktualisiert werden, wenn sich Reporting-Prozesse oder Datenstandards weiterentwickeln. Das ist der Vorteil gegenüber statischen Dokumenten: Eine carbon.txt ist immer die aktuelle Version.

Warum das mehr als Symbolik ist

Nachhaltigkeitskommunikation leidet unter einem strukturellen Problem: Sie ist dezentral, uneinheitlich und schwer vergleichbar. PDF-Berichte, Unterseiten, Zertifikate an verschiedenen Stellen – wer vergleichen oder prüfen will, muss suchen.

carbon.txt ermöglicht es ambitionierteren Akteuren, neue Normen rund um Transparenz zu setzen. Wer eine carbon.txt anlegt, macht seine Nachhaltigkeitsinformationen nicht nur sichtbar, sondern maschinenlesbar – für Crawler, Audits, Vergleichstools und künftige Standards wie die CSRD-Berichterstattung.

Für Websites, die Nachhaltigkeit ernst nehmen, ist das ein kleiner Schritt mit klarer Wirkung: transparent, auffindbar, aktuell.

Mehr zu carbon.txt gibt es bei der Green Web Foundation: thegreenwebfoundation.org/tools/carbon-txt