Nichts ist geschenkt: Googles 15 GB kosten jetzt deine Telefonnummer

Seit März 2026 steht auf der Google-Support-Seite nicht mehr „Your Google Account comes with 15 GB of cloud storage at no charge." Sondern: „up to 15 GB." Zwei kleine Wörter, große Bedeutung. Wer ein neues Google-Konto anlegt und keine Telefonnummer hinterlegt, bekommt nur noch 5 GB – die restlichen 10 GB gibt es erst nach Verifizierung.

Google nennt das einen Test in ausgewählten Regionen. Bestandskonten sind nicht betroffen. Aber die Richtung ist klar.

Die offizielle Begründung – und die ehrliche

Google sagt, die Telefonnummer stelle sicher, dass die 15 GB nur einmal pro Person vergeben werden – als Schutz gegen automatisierte Kontoerstellung und Missbrauch des Gratisspeicherkontingents. Das stimmt. Wer mehrere Konten anlegt, konnte den Gratisspeicher bisher beliebig vervielfachen.

Aber da ist noch etwas anderes. Google steht unter dem Druck gestiegener Speicher- und Hardwarekosten, die durch die wachsende Nachfrage nach KI-Anwendungen getrieben werden – DRAM- und NAND-Preise sind zuletzt erheblich gestiegen. Freier Speicher für Milliarden Konten kostet echtes Geld. Und echte Energie.

Was eine Telefonnummer für Google bedeutet

Eine Telefonnummer ist kein neutraler Sicherheitsfaktor. Sie ist ein starker Identifikator – verknüpfbar mit SIM-Karte, Mobilfunkanbieter, Standortdaten und anderen Diensten. Wer Google seine Nummer gibt, gibt Google einen weiteren Datenpunkt, der sich mit dem bestehenden Profil verknüpfen lässt.

Kritisch ist dabei: Man teilt eine Telefonnummer, um 15 GB Speicher zu bekommen, den Millionen als selbstverständlich betrachten. Das ist die eigentliche Verschiebung – nicht von kostenlos zu bezahlt, sondern von einer impliziten Datenüberlassung zu einer expliziten.

Info
Kostenlose Google-Dienste waren nie kostenlos. Gmail liest seit jeher Mailinhalte für Werbezwecke aus. Google Drive analysiert Inhalte für Kontext und Targeting. Google Photos erkennt Gesichter, Orte und Objekte. Der Preis war immer da – er stand nur nie auf der Rechnung.

Und die Natur zahlt mit

Das ist der Teil der Debatte, der fast immer fehlt: Kostenloser Cloud-Speicher verursacht reale CO₂-Emissionen. Google steht vor erheblichen Kostensteigerungen und Engpässen bei Speicher-Hardware, bedingt durch die wachsende KI-Infrastruktur. Rechenzentren, die Milliarden von Gmail-Postfächern, Drive-Ordnern und Photos-Bibliotheken vorhalten – viele davon mit Daten, die seit Jahren niemand mehr angeschaut hat – verbrauchen Strom, Wasser und Hardware. Tag für Tag.

Wer 15 GB Gratisspeicher vollpackt und nie aufräumt, subventioniert diesen Verbrauch. Nicht mit Geld, aber mit Daten – und die Natur mit Emissionen.

Tipp

Drei Alternativen, die ehrlicher sind:

Bezahlen statt bezahlt-werden. Google One kostet 20 Euro pro Jahr für 100 GB – eine transparente Transaktion ohne versteckte Datenwährung.

Weniger speichern. Wer seinen Cloud-Speicher regelmäßig aufräumt, braucht oft gar keine 15 GB. Impuls 37 meiner Digitalfasten-Serie beschreibt, wie das konkret geht: Cloud-Speicher aufräumen.

Selbst hosten. Nextcloud auf einem eigenen Server gibt volle Kontrolle – ohne Datenweitergabe, ohne Abhängigkeit von US-Konzernen. Der Aufwand ist höher, die Kontrolle vollständig.

Was diese Nachricht eigentlich bedeutet

Google tut nichts Illegales. Aber die Änderung macht sichtbar, was immer schon galt: Wer einen kostenlosen Dienst nutzt, ist nicht der Kunde – er ist das Produkt. Und der Preis steigt gerade.

Die Frage, die sich jetzt stellt, ist nicht: Gebe ich Google meine Telefonnummer? Die Frage ist: Welche Daten will ich überhaupt wo speichern – und was bin ich bereit, dafür zu bezahlen?

Quelle: 9to5Google hat die Änderung am 14. Mai 2026 dokumentiert und dabei per Wayback Machine nachgewiesen, dass Google den Supporttext bereits im März 2026 still geändert hatte: 9to5google.com