1&1 bietet seinen Einstiegstarif „Glasfaser 50" für die ersten zehn Monate zum Aktionspreis von 9,99 Euro monatlich an – danach 44,99 Euro regulär. Die Kritik ließ nicht lange auf sich warten: 50 Mbit/s sei zu wenig, das Angebot nicht zeitgemäß, bei Familien kaum ausreichend.
Ich sehe das anders.
Was 50 Mbit/s in der Praxis bedeutet
Netflix empfiehlt für HD-Streaming 5 Mbit/s, für 4K 25 Mbit/s. Ein Videokonferenz-Stream in 1080p verbraucht rund 3 bis 4 Mbit/s. Eine große Datei aus der Cloud laden, gleichzeitig ein Meeting führen, nebenbei Musik streamen – das läuft mit 50 Mbit/s problemlos, solange nicht gleichzeitig drei Familienmitglieder in 4K streamen.
Für einen Einpersonenhaushalt oder ein Paar ohne täglichen 4K-Konsum sind 50 Mbit/s nicht „zu wenig". Sie sind genau das, was gebraucht wird.
Die Kritik an dem Tarif folgt einer Logik, die ich grundsätzlich hinterfrage: Mehr Bandbreite ist immer besser. Aber ist sie das?
Suffizienz als Prinzip – auch beim Internet
Suffizienz bedeutet nicht Verzicht. Es bedeutet, bewusst genau das zu kaufen, was tatsächlich gebraucht wird – nicht das Maximum, weil es gerade günstig angeboten wird.
Wer einen 1.000-Mbit/s-Anschluss bucht und täglich 50 Mbit/s davon nutzt, hat 950 Mbit/s Kapazität dauerhaft bereitgestellt – inklusive der Infrastruktur und Energie, die dafür nötig ist. Der günstigste 1&1-Glasfaser-Tarif mit 50 Mbit/s bietet unbegrenztes Surfen ohne Volumenbegrenzung – also kein künstliches Limit, das stört, sondern eine faire Begrenzung, die zum tatsächlichen Bedarf passt.
Glasfaser ist die nachhaltigste Übertragungstechnik
Das ist der Aspekt, der in der gesamten Debatte zu kurz kommt. Glasfaser-Tarife bieten gegenüber DSL oder Kabel-Internet klare Vorteile: stabile Verbindung, die nicht von anderen Anschlüssen der Umgebung beeinträchtigt wird.
Aber der entscheidende Vorteil liegt woanders: Glasfaser ist die energieeffizienteste Übertragungstechnik, die wir haben. Pro übertragenem Gigabyte verbraucht ein Glasfasernetz einen Bruchteil der Energie, die ein Mobilfunknetz – selbst 5G – benötigt. In meinem Digitalfasten-Impuls zum Thema LAN versus Mobilfunk hatte ich das bereits beschrieben: Der Faktor zwischen Glasfaser und Mobilfunk kann bei fünf oder mehr liegen.
Wer also von DSL oder Mobilfunk auf Glasfaser wechselt und dabei einen bedarfsgerechten Tarif wählt, schützt die Natur gleich doppelt: durch die effizientere Technologie und durch den geringeren Anreiz zur Datenverschwendung.
Familien: ehrliche Einschränkung
Ich räume ein: Bei Familien mit mehreren Kindern, die gleichzeitig streamen, videospielen oder in Videokonferenzen sitzen, kann 50 Mbit/s an Grenzen stoßen. Hier ist ein höherer Tarif berechtigt – nicht weil mehr immer besser ist, sondern weil der tatsächliche Bedarf es erfordert.
Aber auch hier gilt das Suffizienz-Prinzip: Wer 150 Mbit/s wirklich braucht, soll 150 Mbit/s buchen. Wer 50 braucht, soll nicht 1.000 buchen, weil es sich „sicherer anfühlt".
Die Kritik an 1&1 sollte nicht sein, dass 50 Mbit/s als Option angeboten wird. Sie sollte sein, dass der Dauerpreis nach den ersten zehn Monaten für viele Haushalte trotzdem noch zu hoch ist – und dass der Glasfaserausbau insgesamt schneller vorankommen muss.
1&1 Glasfaser ist derzeit für rund 13 Millionen Haushalte im Bundesgebiet erhältlich, also überall dort, wo eine FTTH-Anbindung besteht. Das ist gut – und sollte ausgebaut werden. Mit bedarfsgerechten Tarifen für jeden Geldbeutel.
Den Golem-Artikel zur Kritik am Tarif gibt es hier: golem.de
