Unlimitiert – aber nicht umsonst

Zur Fußball-WM schenkt die Telekom Neukunden unlimitiertes Datenvolumen – 24 Monate lang, bis zu 300 Mbit/s im 5G-Netz. Das klingt großzügig. Aber irgendwo zahlt jemand. Nur nicht auf deiner Rechnung.

Das ist kein neues Phänomen. Zur EM, zur WM, zu Olympia – Mobilfunkanbieter nutzen Großereignisse seit Jahren, um mit Datenflatrates Neukunden zu gewinnen. Das Signal ist jedes Mal dasselbe: Daten sind im Grunde kostenlos. Je mehr du verbrauchst, desto besser für alle.

Das Umweltbundesamt nennt das einen Fehlanreiz

2020 hat das Umweltbundesamt im Rahmen des Forschungsprojekts „Green Cloud-Computing" klare politische Handlungsempfehlungen veröffentlicht. Eine davon lautet wörtlich: Mobilfunkverträge sollen Anreize zur Einsparung von Daten enthalten. „Fehlanreize, die zur Erhöhung des Datenvolumens führen, sollen vermieden werden, wie beispielsweise Flatrates für große Datenmengen."

Das Umweltbundesamt spricht damit nicht über ein Randthema. Es beschreibt genau das Geschäftsmodell, das gerade millionenfach beworben wird.

Warum Mobilfunk eine besondere Rolle spielt

Mobile Datenübertragung ist nicht gleich Datenübertragung. Glasfaser und Festnetz sind aus Energiesicht deutlich effizienter – das UBA empfiehlt beim Breitbandausbau deshalb ausdrücklich, Glasfaser klar den Vorzug zu geben. Mobilfunkmasten müssen rund um die Uhr senden, unabhängig davon, wie viele Nutzer gerade aktiv sind. Der Energieverbrauch pro übertragenem Gigabyte ist bei mobilen Netzen entsprechend höher als bei leitungsgebundenen Verbindungen.

Was du mit dem Datenvolumen machst, macht es nicht besser: Ein WM-Spiel in HD über 5G zu streamen verursacht Energie beim Endgerät, im Mobilfunknetz und in den Rechenzentren der Streaming-Anbieter – gleichzeitig, rund um die Uhr, millionenfach.

Die Kosten verschwinden nicht – sie wandern nur

In meiner Beratung erlebe ich immer wieder, dass „unlimitiert" als Signal für „kostenlos" gelesen wird – auch intern in Unternehmen. Keine Begrenzung bedeutet keine Disziplin. Dabei sind Daten wie Strom: Nur weil du keinen Zähler siehst, bedeutet das nicht, dass nichts verbraucht wird.

Das UBA empfiehlt konsequenterweise, dass Mobilfunkanbieter ihr Angebot mit einem CO₂-Fußabdruck pro Übertragungseinheit kennzeichnen sollen. Heute, sechs Jahre später, macht das immer noch niemand. Stattdessen gibt es Flatrate-Aktionen zur WM.

Tipp
WM-Spiele lieber über WLAN schauen als über 5G – das spart Energie im Mobilfunknetz. Wer unterwegs streamt, kann in den Streaming-Einstellungen die Auflösung auf 720p begrenzen: Das Spiel ist genauso gut zu sehen, der Datenverbrauch sinkt deutlich.

Quellen: Politische Handlungsempfehlungen: Green Cloud-Computing – Umweltbundesamt, September 2020 · Telekom: Unlimitiertes Datenvolumen zur Fußball-WM – Golem.de