57,5 Prozent – das ist der Anteil der Bots an allen HTML-Anfragen im Internet, gemessen von Cloudflare. Zum ersten Mal in der Geschichte des Webs übersteigen automatisierte Anfragen den menschlichen HTML-Traffic. Cloudflare-CEO Matthew Prince hatte diesen Wendepunkt für Ende 2027 prognostiziert. Eingetroffen ist er etwa eineinhalb Jahre früher, getrieben von einer Welle an KI-Agenten.
Das klingt zunächst wie ein technisches Kuriosum. Es ist mehr als das.
Alle CO₂-Bilanzen von Websites sind falsch
Wenn du die CO₂-Bilanz deiner Website mit dem Website Carbon Calculator oder einem ähnlichen Tool ermittelst, rechnet das Tool mit einem einfachen Modell: Seitenaufrufe × Datenvolumen × Energiefaktor. Das Ergebnis wird hochgerechnet auf Jahresbesucher.
Was das Tool nicht kennt: Wie viele dieser Aufrufe kommen von echten Menschen – und wie viele von Bots? Suchmaschinen-Crawler, KI-Scraper, Monitoring-Tools, Security-Scanner, Spam-Bots: Sie alle rufen deine Seiten ab, laden Ressourcen, verursachen Serveranfragen. Und sie alle tauchen in keiner Standard-CO₂-Bilanzierung auf. Auch nicht in Deinem Google oder Matomo-Analytics To.
In Analysen, die ich für Kunden durchführe, liegt Bot-Traffic selten unter 30 Prozent aller Seitenaufrufe – oft deutlich höher, bei manchen Websites über 80 Prozent. Die echte CO₂-Bilanz dieser Websites liegt damit um den Faktor 1,4 bis 5 höher als die gemessene. → Meine Webanalyse-Leistungen
Botkontrolle ist aktiver Klimaschutz
Daraus folgt etwas Unerwartetes: Wer Bots kontrolliert und reduziert, verbessert nicht nur seine Performance und schützt sich vor Scraping. Er reduziert den tatsächlichen Energieverbrauch seiner Website – ohne eine einzige Zeile Code zu ändern.
Das ist keine abstrakte These. Jede Bot-Anfrage verursacht dieselben Serverprozesse wie eine menschliche: HTML wird gerendert, Datenbankabfragen werden ausgeführt, Ressourcen werden übertragen. Energie wird verbraucht – unabhängig davon, ob ein Mensch oder ein Algorithmus am Ende der Leitung sitzt.
Konkret lohnt sich der Blick auf drei Kategorien: Suchmaschinen-Bots lassen sich über die robots.txt steuern und auf relevante Bereiche begrenzen. KI-Scraper wie GPTBot, ClaudeBot oder CCBot kann man explizit sperren. Und unbekannte Bots ohne validen User-Agent sollten grundsätzlich auf den Prüfstand.
Wann hast du zuletzt in deine Logs geschaut?
Ich schaue bei jedem Website-Audit zuerst in die Rohdaten der Serveranfragen – nicht in Google Analytics, das Bot-Traffic standardmäßig herausfiltert. Was ich dort sehe, überrascht regelmäßig auch erfahrene Website-Betreiber.
Die gute Nachricht: Bot-Traffic ist messbar, steuerbar und zum Teil eliminierbar. Wer das tut, bekommt eine ehrlichere CO₂-Bilanz – und eine schnellere, günstigere Website dazu.
GPTBot, ClaudeBot, CCBot, AhrefsBot oder SemrushBot. Was du nicht brauchst, lässt sich in der .htaccess oder im Hosting-Panel sperren – oft in wenigen Minuten.Quelle: Bots übernehmen Internet früher als gedacht – heise online, 6. Juni 2026
