Glasfaser allein reicht nicht: Der Rebound-Effekt im Netz

376 Gigabyte – so viel Daten überträgt ein durchschnittlicher Breitbandanschluss in Deutschland jeden Monat. Das sind 54 Gigabyte mehr als noch im Vorjahr. In einem Jahr. Wer denkt, das sei ein Zeichen von Fortschritt, hat nicht Unrecht. Wer denkt, das sei kein Problem, unterschätzt den Rebound-Effekt.

Die Bundesnetzagentur hat ihren Jahresbericht Telekommunikation 2025 vorgelegt. Er enthält beeindruckende Zahlen über Glasfaserausbau und Bandbreitenwachstum. Was er nicht liefert – und auch nicht liefern soll – ist eine Einordnung aus Sicht der digitalen Nachhaltigkeit. Die mache ich hier.

Glasfaser wächst – der Datenhunger wächst schneller

Der Ausbau läuft: 6,4 Millionen aktive Glasfaseranschlüsse Ende 2025, eine Million mehr als im Jahr zuvor. Glasfaser ist pro übertragenem Gigabyte effizienter als Kupfer-DSL. Das ist gut. Das Problem: Das Datenvolumen in den Festnetzen stieg 2025 auf 175 Milliarden Gigabyte – und im Mobilfunk kletterte es um 13 Prozent auf 10,9 Milliarden Gigabyte.

Das ist der Rebound-Effekt in Reinform. Schnellere, effizientere Netze führen nicht zu weniger Verbrauch, sondern zu mehr Nachfrage. Wie beim Auto: sparsamere Motoren bedeuten nicht weniger Fahren, sondern mehr Fahren mit besserem Gewissen. Das Internet dreht das gleiche Rad.

Video statt Telefon: Komfort mit Preis

Ein konkretes Beispiel liefert der Bericht gleich mit. Die klassische Telefonie verliert massiv: Im Festnetz sank das Gesprächsvolumen von 57 auf 47 Milliarden Minuten, im Mobilfunk von 148 auf 132 Milliarden Minuten. Das klingt nach Entlastung – ist es aber nicht.

Denn gleichzeitig stiegen die Videoanrufe über Messenger- und Konferenzdienste auf 9,5 Milliarden Anrufe mit zusammen 188,5 Milliarden Minuten. Ein Videoanruf überträgt je nach Qualität ein Vielfaches der Datenmenge eines Sprachanrufs. Wer also von „ich rufe kurz an" auf „ich stelle mal kurz die Kamera an" umgestellt hat, hat aus digitaler Sicht einen erheblichen Mehrverbrauch erzeugt – ohne es zu merken. Wie ein Licht, das nicht ausgeschaltet, sondern gegen einen Scheinwerfer ausgetauscht wird.

Tipp
Schalte die Kamera in Meetings aus, wenn Bildkontakt nicht nötig ist. Audio-only spart bis zu 90 Prozent der Bandbreite eines Videoanrufs – und reduziert damit Serverauslastung und Energieverbrauch auf beiden Seiten der Leitung. Bei großen Runden, Webinaren oder längeren Calls besonders wirksam.

Was der Bericht nicht sagt

3 Millionen Anschlüsse verfügen inzwischen über Bandbreiten von mindestens 1 Gbit/s – 400.000 mehr als im Vorjahr. Für Streaming, Videokonferenzen und Homeoffice braucht man 50 Mbit/s. Den Rest zahlt die Infrastruktur: gebaut, betrieben, gekühlt, rund um die Uhr.

Ich sage damit nicht, dass Glasfaserausbau falsch ist. Ganz im Gegenteil: Langfristig ist Glasfaser die nachhaltigere Technologie. Aber die Rechnung geht nur auf, wenn der Datenhunger nicht proportional mitwächst. Und genau das tut er – in Deutschland, in Europa, weltweit.

Effizienz ohne Suffizienz ist kein Klimaschutz. Das gilt für Autos, für Heizungen – und für Internetanschlüsse.

Quelle: Bundesnetzagentur – Jahresbericht Telekommunikation 2025