Gestern habe ich geschrieben, dass fast ein Drittel des Haushaltsstroms in Informations- und Kommunikationselektronik fließt. Heute liefert ein Benchmark-Test einen konkreten Hinweis, warum das so ist – und wer dabei eine zentrale Rolle spielt.
Was der Test zeigt
Das Edge-Team von Microsoft hat einen Prototyp des Chromium-Browsers mit der Blink-Engine auf einem iPhone 17 Pro Max zum Laufen gebracht und ihn direkt mit Safari verglichen. Das Ergebnis im Speedometer-3.1-Test – einem Benchmark für Seitenreaktivität, der ursprünglich von Apple selbst entwickelt wurde: Blink erreicht 49,27 Punkte, Safari 38,3 Punkte. Das sind 28,6 Prozent mehr Leistung. Und das, obwohl der Prototyp nach Angaben der Entwickler noch gar nicht für iOS optimiert wurde.
Weitere Tests zeigen: Bei JavaScript-Durchsatz liegt Blink 13 Prozent vorne, bei Grafikrendering etwa 2 Prozent.
Zur Einordnung der Quelle: Diese Zahlen stammen von einem Microsoft- Edge-Ingenieur und wurden von Open Web Advocacy veröffentlicht – einer Interessengruppe, die sich aktiv gegen Apples Browser-Einschränkungen einsetzt. Unabhängig geprüft wurden die Messungen nicht. Die Werte sind jedoch methodisch nachvollziehbar und decken sich mit dem, was Entwickler seit Jahren über die Performance-Lücke zwischen WebKit und anderen Engines berichten. Ich halte die Größenordnung für plausibel.
17 Jahre Monopol – auch in der EU
Apple verbietet seit 17 Jahren, dass andere Browser-Engines auf dem iPhone laufen. Chrome, Firefox, Edge – sie alle müssen auf iOS Apples WebKit verwenden. Was in der App als „Chrome" erscheint, ist unter der Haube Safari. Wettbewerb bei Browser-Engines findet auf dem iPhone schlicht nicht statt.
Das Ergebnis ist das, was Ökonomen als fehlenden Innovationsanreiz bezeichnen: Wer keine Konkurrenz hat, muss nicht besser werden.
Eigentlich sollte der Digital Markets Act der EU das ändern. Tatsächlich hat Apple zwar formal Zugang für alternative Engines gewährt – aber mit so vielen technischen und regulatorischen Auflagen, dass kein Browser- Hersteller diesen Weg bislang in der Praxis gegangen ist. Das Verbot besteht de facto weiter.
Die Nachhaltigkeitsdimension, die niemand berechnet
In der Debatte geht es fast ausschließlich um Wettbewerb und Verbraucherrechte. Den Energieaspekt sehe ich nirgends – dabei liegt er auf der Hand.
Ein um 28 Prozent langsamerer Browser bedeutet: Der Prozessor im Smartphone arbeitet pro Seitenaufruf länger auf hoher Last. Mehr Rechenoperationen, mehr Wärmeentwicklung, mehr Akkuverbrauch. Dieser Akku wird anschließend mit Haushaltsstrom geladen.
Hochgerechnet auf Hunderte Millionen iPhones weltweit, auf Milliarden von Seitenaufrufen täglich, ist das kein vernachlässigbarer Effekt. Es ist eine stille Energiesteuer – nicht durch einen Tarif erhoben, sondern durch eine Designentscheidung eines einzelnen Unternehmens, die niemand gewählt hat und gegen die sich Nutzende nicht entscheiden können.
Was jetzt passieren müsste
Die Europäische Kommission müsste nach Einschätzung von Open Web Advocacy ein Spezifikationsverfahren einleiten – also Apple präzise vorschreiben, welche Barrieren konkret abzubauen sind. Das ist bislang nicht geschehen.
Bis dahin gilt: Jedes iPhone lädt Websites langsamer als nötig. Nicht weil das die beste Technologie ist, die möglich wäre – sondern weil ein Unternehmen entschieden hat, dass kein anderes mit ihr konkurrieren darf.
