Zehn Jahre hat es gedauert. 2015 wurde bei FFmpeg das Ticket eröffnet, warum das Werkzeug bei animierten WebP-Dateien nur das erste Einzelbild liest. Am 4. August 2026 ist die Frage beantwortet: Version 9.0 mit dem Codenamen „Lei“ bringt einen eigenen Decoder und einen passenden Demuxer für animiertes WebP mit, ohne Umweg über externe Bibliotheken.
Falls Du FFmpeg nicht kennst: Es ist der Maschinenraum praktisch jeder Medienverarbeitung im Netz. Videoplayer, Streamingdienste, Redaktionssysteme, das Skript, das Deine hochgeladene Handyaufnahme in ein webtaugliches MP4 rechnet. Fast immer läuft darunter FFmpeg. Version 9.0 sammelt über 2.200 Änderungen von mehr als 160 Beteiligten: Hardwarebeschleunigung für ProRes RAW auf Apple-Systemen, GPU-Filter für 360-Grad-Videos, dynamische HDR-Metadaten nach SMPTE 2094-50, KI-Filter über ONNX Runtime. Und eben animiertes WebP.
Als Anwendungsbeispiel taucht in der Berichterstattung auf: Man kann aus animierten WebP-Dateien jetzt GIFs machen. Technisch stimmt das. Praktisch ist es die Fahrtrichtung, vor der es mir graut.
GIF war nie als Animationsformat gedacht
Das Format stammt von 1987, aus einer Zeit vor dem World Wide Web. 256 Farben pro Einzelbild, LZW-Kompression, Transparenz nur ganz oder gar nicht. In der Spezifikation selbst steht sinngemäß, dass GIF nicht als Plattform für Animation gedacht sei, auch wenn es sich eingeschränkt machen lasse. Diese Einschränkung ist heute noch da, sie kostet nur inzwischen echtes Geld und echte Energie.
Google hat rund 7.000 animierte GIFs in WebP umgerechnet: verlustbehaftet im Mittel 64 Prozent kleiner, verlustfrei immerhin 19 Prozent. Die Zahl kommt vom Erfinder des Formats, ist also nicht neutral. Die Größenordnung deckt sich aber mit dem, was ich in Audits sehe. Ein Drei-Megabyte-Loop schrumpft auf gut ein Megabyte. Bei 100.000 Aufrufen im Monat sind das rund 200 Gigabyte weniger Übertragung, nach meiner Audit-Faustzahl grob im Bereich von 800 Kilogramm CO₂ pro Jahr.
Die Formatfrage ist längst entschieden, nur merkt es niemand
Der interessanteste Fall ist APNG. Firefox zeigt animierte PNG seit 2008, Safari seit 2014, Chrome seit 2017, Edge seit dem Wechsel auf Chromium. Im Juni 2025 wurde APNG offiziell Teil der PNG-Spezifikation und damit W3C-Standard. Volle Farbtiefe, echte Alphatransparenz, und in Decodern ohne Animationsunterstützung fällt die Datei einfach auf das erste Einzelbild zurück. Kein kaputtes Bild, kein Fallback-Aufwand.
Trotzdem begegnet mir APNG im Web praktisch nie. Nicht weil Browser fehlen, sondern weil kein Redaktionssystem, kein Bildwerkzeug und keine Chat-Plattform es im Standardpfad erzeugt. Formate setzen sich nicht durch, weil sie technisch besser sind. Sie setzen sich durch, wenn ein Werkzeug sie erzeugt, ohne dass jemand nachdenken muss. Der Web Almanac 2024 hat für GIF sogar einen leichten Anstieg gemessen. Nach fast vierzig Jahren.
Wo ich weiter gehe
Die ganze Debatte GIF gegen WebP gegen AVIF ist eine Effizienzdebatte. Jeder Schritt bringt Faktor zwei bis drei. Die Frage davor stellt aber kaum jemand: Braucht diese Seite die Animation überhaupt? Der zappelnde Pfeil unter dem Hero-Bild, der Ladeindikator, der sechs Sekunden lange Produktloop, den nach zwei Sekunden niemand mehr ansieht.
Muss es doch Bewegung sein, gehört sie in ein Videoformat: WebM oder MP4 im video-Element mit muted, loop und playsinline. Dazu prefers-reduced-motion respektieren. Und für einfache Bewegungen reicht oft eine CSS-Animation mit ein paar hundert Byte statt ein Bitmap-Stapel mit einigen Megabyte.
Dein erster Schritt heute
img und sortiere nach Größe. Jede GIF-Datei über 100 Kilobyte ist ein Kandidat. Erste Frage: Kann sie weg? Zweite Frage: Wenn nein, warum ist sie kein Video?FFmpeg 9.0 hat eine Lücke geschlossen, die zehn Jahre offen war. Was wir damit anfangen, entscheidet sich nicht im Werkzeug, sondern im Kopf: Wer WebP zurück nach GIF rechnet, hat die Richtung verwechselt.
Quellen: heise online zu FFmpeg 9.0 · Release-Notizen von Jean-Baptiste Kempf · PNG Specification Third Edition (W3C) · WebP-FAQ von Google · Web Almanac 2024, Kapitel Media
