Aufnehmen statt Mediathek: Einmal übertragen genügt

Der Film läuft heute Abend um 20:15 Uhr, und Du hast keine Zeit. Zwei Möglichkeiten: Du holst ihn Dir nächste Woche aus der Mediathek. Oder Du nimmst ihn heute Abend auf. Aus Sicht der Übertragung sind das zwei völlig verschiedene Vorgänge.

Denn das Signal ist heute Abend ohnehin unterwegs. Der Satellit strahlt, der Sendemast sendet, ob Du zuschaust oder nicht. Eine Aufnahme klinkt sich in diesen laufenden Strom ein und kostet keine einzige zusätzliche Übertragung. Der Abruf aus der Mediathek dagegen ist eine vollständige Einzelübertragung: aus dem Rechenzentrum, über das CDN, durch Dein Zugangsnetz, nur für Dich.

Das funktioniert nur mit Rundfunk

Und damit ist auch klar, für wen der Ansatz überhaupt taugt. Er ist an Satellit, DVB-T2 oder Kabel gebunden, also an Verbreitungswege, bei denen das Programm ohnehin ausgestrahlt wird.

Bei IPTV oder einem Streamingdienst gibt es dieses „ist sowieso schon da“ nicht. Dort wird nichts ausgestrahlt, was Du mitschneiden könntest. Jede Wiedergabe ist eine individuelle Übertragung, und eine Cloud-Aufnahme macht es eher schlechter: Der Inhalt wird zusätzlich auf fremden Servern vorgehalten und beim Abspielen trotzdem noch einmal zu Dir übertragen. Wer eine Schüssel oder eine Antenne hat, besitzt hier also einen strukturellen Vorteil, den kein Streamingabo nachbilden kann.

Der zweite Vorteil hat mit Energie nichts zu tun, ist aber real: Aufnahmen kennen keine Verweildauer. Angekaufte Spielfilme und Serien stehen in den Mediatheken oft nur befristet bereit, manche Inhalte wegen fehlender Onlinerechte gar nicht.

Achtung
Bevor Du jetzt einen Rekorder kaufst: Genau daran scheitert die Rechnung meistens. Ein zusätzliches Gerät mit 15 Watt Dauerlast verbraucht rund 130 Kilowattstunden im Jahr, und das rund um die Uhr, auch wenn es nichts aufnimmt. Um das wieder hereinzuholen, müsstest Du je nach zugrunde gelegter Studie zwischen etwa 1.200 und 9.000 Streamingstunden pro Jahr ersetzen. Selbst der günstigste Wert entspricht über drei Stunden täglich. Sinnvoll ist der Ansatz deshalb fast nur mit der Aufnahmefunktion, die in Deinem Fernseher ohnehin steckt, meist über eine USB-Festplatte.

Und es gibt eine zweite Bedingung, die genauso wichtig ist: Die Aufnahme muss auch angesehen und danach gelöscht werden. Eine Festplatte voller Sendungen, die niemand je anschaut, ist kein Suffizienzgewinn. Sie ist Datenmüll mit Vorsatz, und damit genau das Problem, über das ich hier schon geschrieben habe. Aufnehmen auf Verdacht ist keine Sparmaßnahme.

Dasselbe Prinzip, aber für alle: Podcasts

Wer keinen Satellitenempfang hat, kann das Prinzip trotzdem anwenden, und zwar täglich. Lade Podcasts zu Hause über WLAN herunter, statt sie unterwegs zu streamen.

Der Unterschied liegt im Zugangsnetz. Das Umweltbundesamt hat für eine Stunde HD-Video gemessen, wie stark sich die Übertragungstechnik auswirkt: über Glasfaser rund 2 Gramm CO₂, über VDSL 4, über 5G 5 und über das gängige 4G-Netz 13 Gramm. Mobilfunk kostet also ein Vielfaches der Festnetzverbindung. Für Audio sind die absoluten Zahlen naturgemäß viel kleiner, das Verhältnis zwischen den Zugangswegen bleibt aber bestehen.

Dazu kommt ein Effekt, den man selten bedenkt: Bei schwachem Empfang, also im Zug, im Keller, am Stadtrand, steigt die Sendeleistung Deines Geräts, und verlorene Pakete werden erneut übertragen. Genau dort, wo Du unterwegs streamst, ist die Übertragung am teuersten. Wer dieselbe Folge zweimal hört, überträgt sie beim Streamen auch zweimal. Heruntergeladen wird sie einmal übertragen und beliebig oft abgespielt.

Tipp
Zwei Einstellungen, fünf Minuten Aufwand: Schalte in Deiner Podcast-App den automatischen Download nur für die Sendungen ein, die Du wirklich regelmäßig hörst, und lass ihn ausschließlich über WLAN laufen. Aktiviere dort, wo es sie gibt, die Option zum automatischen Löschen nach dem Abspielen. Und wenn Dein Fernseher eine USB-Aufnahme beherrscht: Nimm die Sendung auf, statt sie später in der Mediathek zu suchen.

Ein Wort zur Ehrlichkeit gehört dazu: Ein nicht gestarteter Stream schaltet kein Netzgerät ab. Der Löwenanteil des Energiebedarfs eines Netzes fällt im Leerlauf an, unabhängig davon, was gerade fließt. Die Einsparung entsteht deshalb nicht in der Sekunde, sondern in der Summe: weniger Verkehr bedeutet niedrigere Lastspitzen, und Netze werden nach Spitzenlast ausgebaut. Wer Übertragungen vermeidet, senkt nicht den Momentanverbrauch, sondern den künftigen Ausbaubedarf.

Für uns, die wir Websites betreiben, ist das Prinzip alter Bekannter unter neuem Namen. Einmal übertragen, mehrfach nutzen, genau das leistet ein sauber konfigurierter Browser-Cache. Wer Schriften, Stylesheets und Bilder mit vernünftigen Cache-Headern ausliefert, sorgt dafür, dass ein wiederkehrender Besucher sie nicht bei jedem Aufruf erneut lädt. Der automatische Podcast-Download ist im Grunde nichts anderes als ein Prefetch, nur eben für Ohren.

Und die Grenze ist auch dieselbe. Ein Cache, dessen Inhalte nie wieder abgerufen werden, spart nichts, er kostet nur Speicher. Eine Aufnahme, die niemand ansieht, ebenso. Sparsam ist nicht, wer möglichst viel vorhält, sondern wer möglichst wenig zweimal überträgt.

Quellen: Umweltbundesamt: Klimawirkung von Videostreaming · Fraunhofer FOKUS: Green Streaming Whitepaper 2024