Welche Treibhausgase bei der Internet-Nutzung freigesetzt werden

CO₂ ist nicht das einzige Treibhausgas, das das Internet produziert. Manche Kühlmittel in Rechenzentren haben ein Treibhausgaspotenzial von über 20.000 – verglichen mit 1 bei CO₂. Eine Chemie-Stunde, die mehr erklärt als jede ESG-Kennzahl.

Der Klimawandel wird überwiegend durch die übermäßige Freisetzung schädlicher Gase in die Atmosphäre ausgelöst. Welche Treibhausgase sind bei der Internet-Nutzung in welchem Umfang daran beteiligt? Was versteht man unter CO₂-Äquivalenten (CO₂e)? Wie lassen sich die Emissionen reduzieren?

Warum wir nicht von CO₂ reden sollten

Streng genommen ist “CO₂-Emissionen des Internets” eine Vereinfachung. Richtig ist: “Treibhausgasemissionen gemessen in CO₂-Äquivalenten”. Denn das Internet produziert nicht nur CO₂.

Das Global Warming Potential (GWP) setzt alle Treibhausgase in Relation zu CO₂ (GWP = 1). Methan hat einen GWP-Wert von 28, Lachgas von 265. Dann wird es interessant: Fluorkohlenwasserstoffe, die in Klimaanlagen von Rechenzentren eingesetzt werden, kommen auf GWP-Werte von bis zu 14.800.

Info
Schwefelhexafluorid (SF6), das als Isolator in Hochspannungsanlagen und manche Windrädern verwendet wird, hat einen GWP-Wert von 23.500. Ein Kilogramm SF6 hat denselben Treibhauseffekt wie 23,5 Tonnen CO₂.

Was das für Rechenzentren bedeutet

Wenn ein Rechenzentrum seine Klimaanlage wartet und dabei Kältemittel entweicht, entstehen CO₂-Äquivalente in einer Größenordnung, die jeden Ökostrom-Bonus schnell zunichtemacht. Das sind die unsichtbaren Emissionen, die in keiner Webseiten-Kalkulation auftauchen – und die trotzdem real sind.

Die EU reguliert F-Gase zunehmend streng. Das ist ein wichtiger Schritt. Beim nächsten Mal, wenn ein Hoster “100% Ökostrom” verspricht, frag ruhig auch nach: Welche Kältemittel werden eingesetzt? Wie oft werden die Anlagen gewartet?

Die praktische Konsequenz

Du kannst das als Website-Betreiber kaum direkt beeinflussen. Was du kannst: Hostingentscheidungen bewusst treffen, Rechenzentren bevorzugen, die Transparenz über ihre Betriebsmittel bieten. Und: Datenvolumen reduzieren, weil weniger Daten weniger Server-Auslastung bedeuten.