Web, But Greener! Mein nachhaltiger Monatsrückblick für April 2024

Auf der Analytica München hat mein KI-Vortrag 150 Leute angezogen – mein Vortrag zu nachhaltigen Websites gerade mal 10. Das sagt mehr über den Stand der Dinge als jede Studie. Im ersten Monatsrückblick teile ich diese Erfahrung, spannende Veröffentlichungen zu Recht auf Reparatur und Elektronik-Ökobilanzen sowie fünf Jubiläen der Internetgeschichte – vom ersten RFC über den Commodore 64 bis zu Googles Gmail.

Es passiert jeden Monat eine Menge im Bereich der digitalen Nachhaltigkeit. Ab sofort gibt es daher meinen persönlichen Rückblick auf alles Wichtige, was in diesem Monat passiert ist, garniert mit ein paar persönlichen Gedanken und Jubiläen.

Shownotes: Interessante Veröffentlichungen:

Jubiläen:

Warum ein Monatsrückblick – und warum hier?

Ich habe bei LinkedIn festgestellt, dass Posts zum Thema digitale Nachhaltigkeit selten mehr als 500 Views bekommen. Mein erfolgreichster Post war einer über eine Bank, die USB-Sticks an Kunden verschickt hat – 12.000 bis 13.000 Views. Für etwas Negatives, Provokantes. Das ist nicht der Weg, den ich gehen will.

Deswegen verlagere ich interessante Entwicklungen, Veröffentlichungen und persönliche Erfahrungen hierher. Kein Algorithmus, kein Reichweitenspiel – sondern ein monatlicher Überblick für alle, die das Thema wirklich beschäftigt.

Was ich im April erlebt habe

Vom 9. bis 12. April war ich mit analytik.news auf der Analytica in München – damals die weltgrößte Messe für Labor- und Analysentechnik. Wir hatten eine Ecke am Stand für digitale Nachhaltigkeit reserviert, ich habe mein Buch vorgestellt und Schnellaudits angeboten. Die Resonanz war mäßig. Mein Vortrag zum Thema nachhaltige Website zog 10 bis 15 eher gelangweilte Besucher an.

Mein zweiter Vortrag auf derselben Messe – KI im Bewerbungsprozess – hatte zwischen 100 und 150 Teilnehmer, engagiert und mit echten Fragen. Das sagt alles über den aktuellen Stand: KI interessiert, Nachhaltigkeit gilt als „schön, aber nicht jetzt". Daran arbeite ich weiter.

Interessante Veröffentlichungen im April

Drei Dinge haben mich besonders beschäftigt:

Der Digitale Datenputz 2024 der CDR-Initiative ruft einmal im Jahr zum Aufräumen auf – alte Dateien, tote E-Mail-Accounts, vergessene Cloud-Ordner. Klein klingend, aber in der Summe eine messbare Entlastung.

Refurbed hat zusammen mit dem Fraunhofer-Institut konkrete Produktfußabdrücke für Smartphones, Tablets und Laptops veröffentlicht – als Excel-Tabelle, frei verfügbar. Genau die Datengrundlage, die ich für Nachhaltigkeitsberichte in der Beratung immer wieder brauche.

Das EU-Parlament hat das Recht auf Reparatur verabschiedet. Hersteller müssen Ersatzteile liefern, Reparaturen dürfen nicht mehr künstlich erschwert werden. Ein echter Fortschritt – auch wenn die Umsetzung noch dauern wird.

Tipp
Trag dir den Digitalen Datenputz als jährlichen Termin ein. Einmal im Jahr alle ungenutzten Accounts, Newsletter und Cloud-Ordner durchgehen – das dauert eine Stunde und spart echte Ressourcen.

Jubiläen: Internetgeschichte im April

Vier Daten haben mich in diesem Monat begleitet:

Vor 55 Jahren wurde der erste Request for Comments (RFC) veröffentlicht – die offene Dokumentationsform, auf der bis heute alle Internetstandards beruhen. Von HTTP bis HTTPS, von Mail-Protokollen bis DNS: alles RFC. Kleines Insider-Detail: Im April erscheinen traditionell auch Scherz-RFCs als offizielle Dokumente.

Vor 42 Jahren wurde der Commodore 64 auf der Hannover Messe vorgestellt. 64 Kilobyte Arbeitsspeicher – und Entwickler haben damit beeindruckende Software geschrieben, weil sie mussten. Dieser erzwungene Minimalismus wäre heute eine interessante Übung. Das komplette 64er-Magazin gibt es übrigens als Revival im Netz.

Vor 35 Jahren stellte Tim Berners-Lee sein Konzept des World Wide Web vor. Was als Dokumentenverlinkungssystem für das CERN gedacht war, ist heute globale Infrastruktur. Das Grundprinzip – Texte, die über Links verbunden sind – hat sich nicht geändert.

Vor 20 Jahren launchte Google Gmail mit einem Gigabyte Speicherplatz, damals sensationell. Inzwischen löscht Google inaktive Konten – weil ungenutzte Datenmengen schlicht zu viel Strom kosten. Ein Zeichen, dass selbst Google irgendwann Datenhygiene ernst nimmt.

Achtung
Hast du noch E-Mail-Konten, Cloud-Accounts oder Abonnements, die du seit über einem Jahr nicht mehr genutzt hast? Lösch sie – nicht nur bei Gmail. Ruhende Daten verbrauchen Strom, auch wenn du sie nie anfasst.

Was du heute tun kannst

Öffne deinen Passwort-Manager oder dein E-Mail-Postfach und suche nach Bestätigungsmails von Diensten, die du vergessen hast. Kündige oder lösche fünf davon heute – das dauert 15 Minuten und ist der einfachste nachhaltige Schritt, den du sofort machen kannst.