Warum belastbare Zahlen und Prognosen so schwierig sind

Wäre das Internet ein Land, so stände es aktuell an Platz 6, was den CO₂-Footprint angeht. Mein Gast wagt die Prognose, dass es durch KI schon sehr bald auf Platz 3 stehen könnte. Wir sprechen über Zahlen, Statistiken und warum Prognosen oft durch aktuelle Entwicklungen nach oben korrigiert werden müssen, so wie durch die Freigabe von ChatGPT und zahllosen weiteren KI-Anwendungen.
Shownotes:
Prognosen sind schwer, besonders über die Zukunft
Dieses Bonmot hat mein Gast Dr. Ralph Hintemann gleich mitgebracht, und es passt perfekt. Er ist Senior Researcher am Borderstep-Institut und einer der wenigen Menschen, die seit rund 20 Jahren seriös ausrechnen, wie viel Strom das Internet wirklich verbraucht. Sein Befund: Wäre das Netz ein Land, läge es beim CO₂-Ausstoß schon heute auf Platz sechs. Durch KI hält er Platz drei für bald erreichbar.
Warum die Zahlen so wackeln
Mich fragen Leute immer wieder, ob man solche Werte überhaupt seriös ermitteln kann. Ralph erklärt das Grundproblem: Es gibt kaum belastbare Marktdaten, und schon die Frage, was eigentlich ein Rechenzentrum ist, hat keine klare Antwort. Sie reicht vom Serverraum im Keller bis zur fabrikgroßen Anlage mit mehreren hundert Megawatt. Der Borderstep-Ansatz: aus Verkaufszahlen für Server, Speicher und Netzwerktechnik hochrechnen, Kühlung und Verluste draufschlagen. Die Gesamtsumme sitzt dadurch einigermaßen, auch wenn einzelne Studien um 20 bis 30 Prozent auseinanderliegen.
Der Boost, der alle Prognosen kippt
Ein Rechenzentrum der neuen Generation zieht 100 bis 300 Megawatt, das ist der Strombedarf einer Großstadt. In Irland hat sich der Verbrauch der Rechenzentren in fünf Jahren verdreifacht, das Netz kommt an seine Grenzen, und Meta darf dort teils keine neuen mehr bauen. Ralph rechnet damit, dass Rechenzentren bis 2030 über 50 Prozent des CO₂-Fußabdrucks des Internets ausmachen könnten. Vor ein paar Jahren waren es noch 20 Prozent. Der Treiber ist KI, ein selbstverstärkender Trend: KI optimiert Chips, trainiert Software und beschleunigt damit sich selbst.
Und trotzdem: Deine Geräte zählen am meisten
Was in der Debatte gern untergeht: Heute stecken mehr als die Hälfte der Emissionen nicht in den Rechenzentren, sondern in den Milliarden Endgeräten weltweit. Beim Smartphone entstehen rund 80 Prozent der Emissionen schon bei der Herstellung. Allein in deutschen Schubladen liegen geschätzt 200 Millionen alte Geräte, jedes mit ein bis zwei Gramm Gold.
Genau hier liegt der Hebel, den Du sofort in der Hand hast. Bei aller Unsicherheit der großen Zahlen ist eine Sache sicher: Je länger Du Deine Geräte nutzt, desto besser die Bilanz.
Wie zuverlässig die weltweiten Zahlen trotz aller Lücken sind und warum Ralph den sechsten Rang für gut abgesichert hält, erfährst Du in der vollen Folge.