Web, But Greener! Mein nachhaltiger Monatsrückblick für August 2024

Am 2. August 1984 wurde in Deutschland die erste E-Mail empfangen. 40 Jahre später schicken wir täglich 300 Milliarden davon – und eine Initiative will Newslettern endlich ein Verfallsdatum geben. Außerdem: ein Telekom-Datengeschenk als vergiftetes Geschenk, Bundesliga-Websites im Effizienzranking und die berechtigte Frage aus Nature, warum KI-Chatbots keine Energieetiketten haben.

Es passiert jeden Monat eine Menge im Bereich der digitalen Nachhaltigkeit. Das ist mein persönlicher Rückblick auf alles Wichtige, was im August 2024 passiert ist, garniert mit ein paar persönlichen Gedanken und Jubiläen. In diesem Monat mit mehreren Artikeln von mir, die erschienen sind, einer Initiative für ein Verfallsdatum ungelesener Newsletter und einem Mail-Jubiläum in Deutschland.

Shownotes: Persönlich:

Interessante Veröffentlichungen:

Kurznachrichten:

Jubiläum:

300 Milliarden E-Mails täglich – und keiner räumt auf

Am 2. August 1984 wurde in Deutschland die erste E-Mail empfangen – über ein Gateway in Karlsruhe, knapp 13 Jahre nachdem in den USA die allererste verschickt worden war. Heute landen täglich 300 Milliarden E-Mails im Netz. Spam, ungelesene Newsletter, vergessene Postfächer. Die allermeisten davon liegen irgendwo auf Servern und verbrauchen still Strom und Speicherplatz. Und es gibt bisher kaum eine Idee, wie man das strukturell ändert.

Was ich im August gemacht habe

Im Podcast gab es vier Folgen: das Sustainable Web Manifesto, ein Interview mit Jens Oliver Meyert über validen Code als Klimafaktor, die Jubiläumsfolge 42 – und den Start der neuen Rubrik „Der CO₂-Doc prüft", bei der ich diesmal die Google-Startseite unter die Lupe genommen habe. Fazit: Es gibt dort einige sehr einfach umsetzbare Optimierungen, die Google aber offensichtlich nicht interessieren.

Dazu kamen drei Artikel: zwei in der Website Boosting hinter Bezahlschranke (Kühlschrank-Analogie für Website-Effizienzklassen, nachhaltiges Crawling) und ein kostenlos zugänglicher Beitrag bei How Green Works zum Thema CO₂-Fußabdruck von Webseiten – direkt für Nachhaltigkeitsmanager geschrieben.

Im Saarland hatte ich einen Workshop zu nachhaltigen Websites – Vortrag, Praxisbeispiele, direkte Optimierung an echten Seiten. Genau das, was ich öfter machen möchte. Wer mich dafür einladen will, darf sich gerne melden.

LinkedIn war im August lehrreich. Mein erfolgreichster Post ever? Kein sorgfältig recherchierter Fachbeitrag, sondern eine spontane Reaktion auf die Telekom, die mir ungefragt 10 Gigabyte Datenvolumen geschenkt hat. Ich habe das als vergiftetes Geschenk bezeichnet: Mehr mobiles Datenvolumen bedeutet mehr mobilen Datenverbrauch – und mobil ist die CO₂-intensivste Art, im Netz unterwegs zu sein. Der Post lief. Mein persönlicher Lieblingspost des Monats – ein Bundesliga-Effizienzranking mit Energieklassen à la Kühlschrank – wurde dagegen kaum beachtet. Mainz auf Platz 1, 14 von 18 Vereinen mit Klasse F, Union Berlin mit 40 Megabyte auf der Startseite als klares Schlusslicht. Vielleicht lag es am Thema, vielleicht am Timing.

Der LinkedIn-Newsletter läuft gut: Ausgabe 2 ist erschienen, über 110 Abonnenten aus dem Stand, das Profil jetzt bei über 230 Followern.

Interessante Veröffentlichungen im August

Email Expiration Date ist die Initiative des Monats: Versender von Newslettern sollen im E-Mail-Header ein Verfallsdatum mitgeben können. Wer eine E-Mail bis dahin nicht geöffnet hat, braucht sie nicht – und das System kann sie automatisch löschen. Nicht jede Mail ist Spam, aber fast jede ungelesene Mail ist überflüssiger Datenmüll.

Tipp
Unterstütze die Initiative Email Expiration Date – als Absender, Partner oder einfach durch Weiterempfehlung. Je mehr Hoster und Mail-Anbieter mitmachen, desto schneller kann ein solches Verfallsdatum zum Standard werden.

Das Green Coding Booklet vom BMUV – 47 Seiten, kostenlos – fasst Workshopergebnisse zur nachhaltigen Softwareentwicklung zusammen. Für alle, die Code schreiben oder in Auftrag geben.

SustainableIT.org wächst gerade in Europa: eine internationale Initiative für alle, die in Unternehmen für nachhaltige IT verantwortlich sind. Erfahrungsaustausch, Weiterbildung, Community. Nachhaltige IT spart Geld – das belegt Niklas Sundbergs Buch sehr klar. Aber der Weg dorthin braucht Menschen, die das intern vorantreiben.

Und das Web Accessibility Cookbook von Manuel Matuzovic (O’Reilly) ist für alle Entwickler, die sich endlich ernsthaft mit Barrierefreiheit befassen wollen – und das besser heute als nach den ersten Bußgeldern 2025.

Kurznachrichten: Lobbying, Irland und Energieetiketten

Große Tech-Konzerne versuchen laut einem Financial-Times-Bericht gerade, die EU-Regeln zu CO₂-Kompensation aufzuweichen – damit Zertifikate gleichwertig zu echten Einsparungen gelten. Das klingt nach Tabak-Lobby, ist es im Grunde auch.

In Irland könnten Rechenzentren bald mehr Strom verbrauchen als alle Bewohner zusammen. Meta, Google und andere haben dort gebaut, weil die DSGVO-Durchsetzung lasch ist und die Steuervorteile attraktiv. Das Stromnetz kommt nicht mehr mit.

Meta hat angekündigt, dass Llama 4 zehnmal mehr Rechenleistung braucht als sein Vorgänger. Rechenleistung heißt Hardware, Hardware heißt Strom. Und wenn Nvidia die Nachfrage nach Chips kaum noch bedienen kann, zeigt das, wie schnell das alles an physische Grenzen stößt.

Achtung
KI-Modelle wachsen rasant – und mit ihnen der Strombedarf. Solange keine Transparenzpflicht existiert, bleibt der CO₂-Fußabdruck einzelner KI-Anfragen im Dunkeln. Nutze KI-Tools bewusst: Bildgenerierung und Videoerstellung sind um ein Vielfaches teurer als eine einfache Textanfrage.

Die gute Nachricht kommt vom Fraunhofer ISE: Photovoltaik mit Batteriespeicher ist heute schon günstiger als konventionelle Kraftwerke. Das Argument, erneuerbare Energie sei zu teuer, zieht nicht mehr.

Und in Nature erschien eine Frage, die mich nicht mehr loslässt: Glühbirnen haben Energieetiketten – warum KI-Chatbots nicht? Wenn Nutzer wüssten, dass ein Anbieter dreimal so viel Strom verbraucht wie der andere, würde das den Markt verändern.

40 Jahre E-Mail in Deutschland

Der erste Empfang einer E-Mail in Deutschland über das Karlsruher Gateway am 2. August 1984 war eine technische Kuriosität. Dass daraus 300 Milliarden Nachrichten pro Tag werden würden, hat damals niemand geahnt. Und vermutlich auch nicht, dass wir irgendwann über Verfallsdaten für ungelesene Newsletter diskutieren.

Was du heute tun kannst

Melde dich bei zerocarbon.email an und trag dich als Unterstützer ein. Und wenn du selbst Newsletter verschickst: Überlege, welche Ausgaben nach vier Wochen keine Relevanz mehr haben – das ist der erste Schritt zu sauberem E-Mail-Versand.