Web, But Greener! Mein nachhaltiger Monatsrückblick für Oktober 2024

Es passiert jeden Monat eine Menge im Bereich der digitalen Nachhaltigkeit. Das ist mein persönlicher Rückblick auf alles Wichtige, was im Oktober 2024 passiert ist, garniert mit ein paar persönlichen Gedanken und Jubiläen. In diesem Monat unter anderem mit einem Gastartikel auf der Seite stadionwelt.de, einem Firefox-Add-on zum Blocken großer Mediendateien und dem Geburtstag des Internets.
Shownotes: Persönlich:
- 4. LinkedIn-Newsletter von Web, But Green!
- SEOPRESSO Podcast Ep.175: Wie SEO das Klima schützt
- Charta Klimajournalismus unterzeichnet
- Nachhaltige Websites: Bundesliga mit Verbesserungspotenzial (stadionwelt.de)
Interessante Links:
- Was machen KI, Cloud und Co. mit dem Datacenter?
- W3C Sustainable Web Interest Group
- Eigene Server statt AWS: Deutlich niedrigere Kosten, keine versteckten Gebühren
- Firefox Media Type Blocker Addon von Thorsten Willert
Kurznachrichten:
- OpenAI plant gigantische Rechenzentren: Wie viel Strom braucht KI?
- Amazon steckt halbe Milliarde Dollar in Entwicklung von Atomenergie
- Neue Reaktoren: Google setzt für KI auf Atomstrom
- Technik-Optimismus führt zu lascher Klimapolitik
- GMX und Web.de filtern wöchentlich 1,9 Milliarden Spam-Mails – auch dank KI
Jubiläen:
KI braucht Strom – und Big Tech entdeckt die Atomkraft neu
Im Oktober 2024 überschlugen sich die Meldungen: OpenAI plant Rechenzentren, für die der Strombedarf von fünf Kernkraftwerken veranschlagt wird. Amazon investiert eine halbe Milliarde Dollar in die Entwicklung neuer Reaktoren. Google hat Verträge für Atomstrom aus kleinen modularen Reaktoren angekündigt. Und Deutschlands Digitalminister ruft beim Digitalgipfel in Frankfurt, Deutschland solle führender KI-Standort werden – ohne zu sagen, woher der Strom dafür kommen soll.
Ich halte nichts davon, Kohlekraftwerke aus der Reserve zu holen, damit wir KI-Anfragen beantworten können. Und ich halte auch wenig davon, das Problem durch neuen Atomkraft-Hype zu lösen, statt beim Verbrauch anzusetzen.
Was ich im Oktober gemacht habe
Im Podcast gab es drei Folgen: den Bericht über meinen Besuch im Hetzner-Rechenzentrum in Falkenstein, die Jubiläumsfolge 50 mit Fragen von ChatGPT an mich und den CO2-Doc-Seitentest – diesmal Amazon.de. Auch amazon.de hätte mit wenigen Maßnahmen erhebliches Einsparpotenzial. Große Plattformen, großer Hebel.
Ich war außerdem zu Gast im SEOpresso-Podcast mit dem schönen Titel „Wie SEO das Klima schützt" und habe die Charta für Klimajournalismus unterzeichnet – ein Bekenntnis zu faktenbasierter Berichterstattung, die zum Erhalt der Lebensgrundlagen beiträgt. Özden Terli hat sie auch unterschrieben, das sei als Qualitätsmerkmal erwähnt.
Und mein Bundesliga-Effizienzranking hat es endlich in ein Fachmagazin geschafft: Stadionwelt hat den Artikel veröffentlicht. Bisher hat sich noch kein einziger Verein gerührt. Aber vielleicht dauert es einfach etwas.
Interessante Links im Oktober
Eine Podiumsdiskussion vom Data Center Strategy Summit 2024 – mit Ralf Hintemann als Gast – bringt eine beunruhigende Prognose: Das Internet, aktuell auf Platz 6 unter den größten CO₂-Verursachern weltweit, könnte bis 2030 auf Platz 2 vorrücken.
Beim W3C gibt es jetzt eine Sustainable Web Interest Group – mit Tim Frick (Ecograder) als treibender Kraft. Das Ziel: mehr Einfluss auf Regulierung und bessere Spezifikationen für alle, die Webseiten bauen oder beauftragen.
Ein Erfahrungsbericht zeigt, dass das Verlassen der AWS-Cloud für einen eigenen Server nicht nur ökologisch sinnvoller sein kann – auch finanziell rechnet es sich oft mehr als erwartet. AWS ist überwiegend Kompensation, kein echter Ökostrom.
Kurznachrichten: Atom, Spam und Technik-Optimismus
Die KI-Strommeldungen des Monats habe ich oben schon zusammengefasst. Dazu kommt eine Studie der Uni Marburg: Technik-Optimismus führt nachweislich zu laxerer Klimapolitik – wer glaubt, die Technologie wird das Problem schon lösen, ist weniger bereit, heute konkret zu handeln.
Drei Jubiläen im Oktober
Vor 55 Jahren, am 29. Oktober 1969, wurde die erste Nachricht über das ARPANet gesendet – der Startschuss für das Internet. Ich behaupte: Das war das wichtigste Ereignis des Jahres 1969. Nicht die Mondlandung. Die Medien sehen das nach wie vor anders.
Vor 30 Jahren schlug Håkon Wium Lie erstmals CSS vor – Cascading Style Sheets. Ohne CSS sähe das Web heute aus wie ein Texteditor. Zu feiern gibt es das Format allerdings nur, wenn man es sparsam einsetzt: Riesige CSS-Frameworks, von denen 90 Prozent ungenutzt bleiben, sind kein Fortschritt.
Ebenfalls vor 30 Jahren startete Spiegel Online – das erste Nachrichtenmagazin im World Wide Web, einen Tag vor Time Magazine. Die allerersten Screenshots zeigen Seiten, die wohl kaum mehr als ein paar Kilobyte gewogen haben. Der Vergleich mit heute sagt alles.
Was du heute tun kannst
Installiere den Firefox Media Type Blocker und aktiviere das automatische Ausblenden von Dateien über einer selbst gewählten Größengrenze. Starte mit 500 KB – du wirst überrascht sein, wie viel trotzdem noch sichtbar und lesbar bleibt.