Web, But Greener! Mein nachhaltiger Monatsrückblick für November 2024

Es passiert jeden Monat eine Menge im Bereich der digitalen Nachhaltigkeit. Das ist mein persönlicher Rückblick auf alles Wichtige, was im November 2024 passiert ist, garniert mit ein paar persönlichen Gedanken und Jubiläen. In diesem Monat unter anderem mit der neuen Version des Web Almanac Sustainability und dem Geburtstag von Hedy Lamarr. Und warum dies der letzte Monatsrückblick ist.
Shownotes: Persönlich:
Interessante Links:
Kurznachrichten:
- Verbot von Tracking und personalisierter Werbung
- KI ist keine Abnehmspritze für zuviel Bürokratie
- Ecosia und Qwant bauen europäischen Suchmaschinen-Index
- Virginia environmental regulators make info on data center operations more publicly accessible
- Bundesumweltministerium fördert erstmals Repair-Cafés und Selbsthilfewerkstätten
Jubiläen:
Der letzte Monatsrückblick – und warum
Folge 56. Zufällig auch mein 56. Geburtstag. Das schien der richtige Moment für eine Entscheidung, die länger gereift ist: Dies ist der letzte Monatsrückblick von Web, But Green!. Den Podcast stelle ich zum Jahresende ein – aber nicht ohne Abschluss. Im Dezember gibt es zunächst einen Adventskalender mit 25 kurzen Nachhaltigkeitstipps, jeden Tag eine kleine Folge. Danach eine allerletzte Folge, in der ich ausführlicher begründe, warum es das Ende ist. Bis dahin: noch einmal alles, was der November zu bieten hatte.
Was ich im November gemacht habe
Die erste Monatshälfte war ich krank, was Podcast-Aufnahmen erschwert hat. Was trotzdem erschienen ist: ein Interview mit Lisa Lan Anja Hutterer zum Thema Digital Detox als Nachhaltigkeitsbeitrag, der CO₂-Doc-Seitentest für LinkedIn.de und eine Folge über den digitalen Nachlass – ein Thema, das gut in den November passt.
Einen Vortrag hatte ich im Sustainability Circle der Serviceplan Gruppe – 15 Minuten, um einem Agenturpublikum zu erklären, was nachhaltige Websites bedeuten. Genau das, was ich auch in Zukunft weiter machen werde: Sprechen, schreiben, beraten. Den Podcast gibt es dann nicht mehr, aber die Website Boosting Kolumne läuft weiter, der LinkedIn Newsletter auch.
Interessante Links im November
Die Web Sustainability Guidelines sind jetzt eine offizielle W3C-Empfehlung. Das ist ein wichtiger Schritt: Wenn das World Wide Web Consortium einen Standard empfiehlt, hat das Gewicht bei Entwicklern, Auftraggebern und Regulatoren. Tim Frick und dem Team gebührt dafür großes Lob.
Der Web Almanac 2024, Kapitel Sustainability, bringt eine erste wirklich positive Nachricht: Die durchschnittliche Seitengröße ist von 2,4 MB auf 2,0 MB gesunken – über zehn Prozent weniger. Warum das so ist, lässt sich nicht eindeutig sagen. Aber bei fünf Millionen gecrawlten Seiten ist das ein belastbares Signal. Interessant auch die Selbstreflexion der Autoren: Das monatliche Crawling für den Almanac selbst erzeugt 200 Terabyte Datenvolumen und damit rund 27,7 Tonnen CO₂. Gut, dass die sich diese Frage gestellt haben.
Solar Hosting mit Raspberry Pi und Batterie – ein Bastlerprojekt im Stil des Low-Tech Magazines, diesmal sehr detailliert dokumentiert. Wer selbst experimentieren möchte: hier sind alle Schritte beschrieben.
Third-Party Web zeigt, wie lange externe Skripte die Ladezeit einer Seite verlängern. Google DoubleClick Ads beispielsweise: 2,6 Sekunden Verzögerung im Schnitt. YouTube-Einbettungen schlagen mit ähnlichen Werten zu Buche, Vimeo mit einem Drittel davon. Wer externe Dienste einbindet, sollte diese Tabelle kennen.
Kurznachrichten: Tracking, Bürokratie und Repair-Cafés
Der Chaos Computer Club fordert ein Verbot von Tracking und personalisierter Werbung – mit einem Klimaargument, das ich so noch nicht kannte: Der jährliche Stromverbrauch durch Online-Werbung lag bereits 2016 bei 107 Terawattstunden. Das ist der doppelte Stromverbrauch Portugals. Die Frage, wer dann Inhalte finanziert, ist berechtigt – aber die Zahl zeigt, welche Ressourcen das aktuelle System verbraucht.
KI löst kein Bürokratieproblem, wenn der Prozess dahinter kaputt ist. Ein Heise-Kommentar bringt es auf den Punkt: Wenn die Bundesagentur für Arbeit KI einsetzt, um beim Bescheidwesen 30 Prozent Zeit zu sparen, verbraucht die KI dabei Strom – für einen Prozess, den man eigentlich vereinfachen müsste. Einen schlechten Prozess zu digitalisieren ergibt einen schlechten digitalisierten Prozess.
Ecosia und Qwant wollen gemeinsam einen europäischen Suchindex aufbauen. Ob sie damit über den Nischenstatus hinauskommen, bleibt abzuwarten – aber die Idee, unabhängiger von Google und Bing zu werden, ist richtig.
In Virginia – einem der Rechenzentren-Hotspots der USA – haben Umweltbehörden eine öffentliche Datenbank für Vorfälle und Beschwerden rund um Datencenter eingerichtet. Diesel-Generatoren, Lüftungslärm, Wasserverbrauch: was dort dokumentiert wird, könnte bald auch im Rhein-Main-Gebiet relevant werden.
Und eine gute Nachricht zum Abschluss: Das Bundesumweltministerium fördert ab Dezember 2024 erstmals Repair-Cafés und Selbsthilfewerkstätten. Wer ehrenamtlich Reparaturinitiativen betreibt, kann jetzt Förderung beantragen.
Drei Jubiläen im November
Vor 110 Jahren wurde Hedy Lamarr geboren – Schauspielerin und Erfinderin, deren Arbeiten zu den Grundlagen von Wi-Fi und Bluetooth beigetragen haben. Interessanterweise am 9. November, dem Tag, an dem ich vor einem Jahr die erste Podcast-Folge veröffentlicht habe. Ein schöner Zufall.
Vor 40 Jahren führte der CCC den berühmten BTX-Hack durch: In einer Nacht wurden 134.000 DM auf ein Hamburger Konto umgeleitet – durch eine Sicherheitslücke in der BTX-Software der Bundespost. Das Geld wurde zurückgegeben, der Schaden für das BTX-System war trotzdem irreparabel. Der Hack machte den CCC über Nacht bekannt und das Vertrauen in BTX brach weg.
Vor 20 Jahren erschien Firefox 1.0 – der Browser, der Internet Explorer ernsthaft herausgefordert hat. Heute ist Firefox bedroht: Durch den laufenden Google-Kartellprozess könnte die Haupteinnahmequelle von Mozilla wegfallen. Google zahlt jährlich hunderte Millionen Dollar dafür, als Standard-Suchmaschine in Firefox zu erscheinen. Fällt das weg, gerät Mozilla in echte Schwierigkeiten – ein unbeabsichtigter Kollateralschaden der richtigen Entscheidung, Google zu regulieren.
Was du heute tun kannst
Schau dir das Sustainability-Kapitel des Web Almanac 2024 an – auch wenn du keine Website betreibst. Es zeigt, wo das Web steht und wohin es geht. Und wenn du eine Website hast: Prüfe mit Third-Party Web, welche externen Skripte du wirklich brauchst. Alles andere: raus.