Andere für das Thema gewinnen (Impuls 23/24)

Diese 24-teilige Serie bietet zahlreiche Tipps für eine nachhaltige Internetnutzung im privaten wie im beruflichen Bereich. Menschen reagieren oft sehr sensibel, wenn wir ihnen kluge Ratschläge geben wollen, die in ihren persönlichen Bereich eingreifen. Daher ist es in der Regel besser, mit einfachen Beispielen und Zahlen aufzuklären, als Dinge anzuprangern. In Unternehmen helfen klare und transparente Regeln.
Belehren funktioniert nicht
Seit ich diesen Podcast mache, und schon lange davor, versuche ich vor allem eines: andere für digitale Nachhaltigkeit zu gewinnen. Das ist schwieriger, als es klingt. Wer anderen Ratschläge für ihren Alltag gibt, greift in ihr persönliches Leben ein. Darauf reagieren viele gereizt, und das kann ich verstehen.
Mein erster Impuls lautet deshalb: Belehre nicht und verbiete nichts. Auch bei Kindern bringt eine starre Regel wie „nur so und so lange ins Internet“ wenig, sie finden andere Wege. Was funktioniert, sind konkrete Beispiele und Alternativen. Wenn Dir jemand eine große Datei per Mail schickt, frag freundlich, ob ein Link nicht genauso gut wäre. Erklär, warum. Oft höre ich dann: „Stimmt, darüber habe ich noch nie nachgedacht.“
Anknüpfen an den Alltag
Der zweite Impuls: Stell eine Verbindung zum normalen Leben her. Kaum jemand lässt Wasser sinnlos laufen oder wirft Lebensmittel weg. Mein Lieblingsbild: Wir sollten Daten so wertschätzen wie Lebensmittel oder Leitungswasser. Muss das jetzt wirklich fließen?
Noch besser wirken oft Kosten. Dass ein großer Fernseher im Jahr mehrere hundert Euro Strom kosten kann, wissen die meisten nicht. Und ein neues Smartphone ist ohnehin teuer. Auch Stress ist ein Argument. Viele fühlen sich von Social Media gehetzt. Wer weniger Zeit dort verbringt, tut sich selbst etwas Gutes und der Umwelt gleich mit.
Zahlen statt Bauchgefühl
Der dritte Impuls ist der des Naturwissenschaftlers in mir: Messt nach. Vergleicht, wie viele Daten Ihr im letzten Monat auf dem Smartphone verbraucht habt. Wenn die Werte in der Familie deutlich auseinanderliegen, lohnt sich die Frage, woran das liegt.
Dann kannst Du umrechnen. Als Faustwerte nutze ich etwa 360 Gramm CO₂ pro übertragenem Gigabyte und etwa 100 Gramm CO₂ pro Gigabyte, das ein Jahr lang in einer Cloud liegt. Mit solchen Zahlen wird aus einem diffusen Gefühl eine greifbare Größe.
Niemand ändert sein Verhalten, weil er belehrt wird, aber viele, weil sie neugierig geworden sind.