Web, But Green! Letzte Folge

Heute möchte ich nochmal meine Learnings und Erkenntnisse - auch die schmerzhaften - als Host eines eigenen Podcasts mit Dir teilen. Was bleibt, was war gut und was brauche ich nicht in der Zukunft. Zum Abschluss eine persönliche Folge mit einer Drohung: Auch wenn dieser Podcast endet, bleibe ich dem Thema auf anderen Ebenen und Bühnen sicher erhalten. Dafür ist es zu wichtig!
Shownotes:
82 Folgen – und was ich wirklich gelernt habe
Wenn eine Folge des Adventskalenders das Ziel von 100 Downloads nicht einmal halb erreicht, ist das eine klare Aussage. Ich habe mir das als letzte Chance gesetzt, mich vielleicht noch mal umstimmen zu lassen. Es hat nicht gereicht. Damit ist der Podcast beendet – und ich sage das ohne Bitterkeit, sondern mit einem klaren Blick darauf, was diese 14 Monate wirklich gebracht haben.
Was gut war
Den Podcast überhaupt gestartet zu haben war richtig. Ohne Gordon Schönwälder, den ich auf der CampX kennengelernt habe, hätte es ihn nie gegeben. Er hat mich ermuntert, das Experiment zu wagen – und ich habe es durchgezogen.
Technisch lernt man schnell: Audacity, eine einfache Mindmap-Software, und vor allem das Sprechen vor der Wand. Das klingt banal, ist aber für jeden, der aus der Wissenschaft kommt, eine echte Übung. Unperfekt zu sprechen zu akzeptieren und die Nachbearbeitung damit drastisch zu vereinfachen – das war eine der wichtigsten Entwicklungen.
Fast anderthalb Tage Sendezeit sind entstanden. Das ist ein Archiv, das bleibt. Der Podcast wird nicht gelöscht. Wer in zwei Jahren über nachhaltige Websites recherchiert, wird ihn noch finden – und ich bin überzeugt, dass das meiste davon nicht veraltet. Im Gegensatz zu einem Buch ist er kostenlos zugänglich und lässt sich nebenher hören, was bei der inhaltlichen Dichte dieses Formats allerdings eine Herausforderung für sich war.
Die Interviewgäste waren fast durchweg ein Highlight. Inspirierende Gespräche, niemand musste je etwas rausgeschnitten werden außer dem gelegentlichen Huster. Und ein schöner Nebeneffekt: Manche Gäste haben erstmals erfahren, was in ihrem Geburtsjahr in der Technikwelt passiert ist – dank der Jubiläumsrubrik.
Was nicht funktioniert hat – ehrlich
Die Hörerzahl blieb fast durchgehend unter 50 pro Folge. Die erste Folge steht bei über 150 – das ist der Benchmark, den ich in 14 Monaten nie wieder erreicht habe. Bei Apple Music und Spotify: fast null. Das heißt, die Zielgruppe hört keine Podcasts – was im Rückblick logisch ist, denn ich selbst höre auch kaum welche.
Der Podcast hat keine Kunden generiert. Vielleicht fünf virtuelle Kaffeegespräche in 14 Monaten, null Aufträge. Die Kunden, die ich zum Thema hatte, kannten den Podcast gar nicht. Das ist das schmerzhafteste Learning: Ein wöchentlicher Podcast ist kein Akquiseinstrument, zumindest nicht für dieses Thema und diese Zielgruppe.
Kein direktes Feedback ist ein strukturelles Problem des Formats. Bei einem Vortrag sehe ich Gesichter, höre Applaus, bekomme Fragen. Bei einem Podcast erschallt Stille – oder eine Zahl in der Statistik, die sich kaum bewegt.
Dazu kommt das Verhältnis von Aufwand zu Reichweite. Selbst eine 15-Minuten-Folge kostet realistisch zwei bis drei Stunden – Vorbereitung, Aufnahme, Nachbearbeitung, Veröffentlichung, Social Media. Wer daneben noch einen Hauptjob hat, der Planung und Konzentration verlangt, spürt das. Und Interviewgäste zu finden war mühsamer als erwartet: In 14 Monaten haben sich exakt zwei Gäste selbst gemeldet. Alle anderen mussten aktiv angefragt werden – und Hoster, die Nachhaltigkeit anbieten, wollen erstaunlich ungern darüber reden.
Das größte strukturelle Problem aber liegt am Thema selbst: Digitale Nachhaltigkeit löst keinen offensichtlichen Painpoint. Greenwashing ist billiger als echte Optimierung. Und solange das legal bleibt, wird es gemacht. Der Podcast hat daran nichts geändert.
Zwei unvergessliche Momente
Das Peinlichste: Ich hatte Jörg Schieb – meinem zweiten Interviewgast – den falschen Einwahllink geschickt. Fünf Minuten verwirrte Stille, bis ich es gemerkt habe. Er hat es mir nicht übel genommen, weil er absoluter Fernsehprofi ist. Ich habe es mir bis heute nicht verziehen.
Das Konsequenteste: Ich hatte jemanden eingeladen, der nachhaltige Hardware herstellt. Bevor das Interview stattfand, fiel mir auf, dass die Startseite des Unternehmens 40 Megabyte hatte. Ich habe die Einladung zurückgezogen. Die Person war not amused. Aber Konsequenz gehört dazu.
Was als nächstes kommt
Der Podcast endet. Das Thema nicht. Die Website-Boosting-Kolumne läuft weiter. Gastauftritte in anderen Podcasts werde ich wieder forcieren – vor dem eigenen Podcast war ich in über 20 Formaten zu Gast. Keynote-Speaking macht mir mehr Spaß als Podcastproduktion, weil ich direktes Feedback bekomme. Und ich will wieder gezielter versuchen, in die Mainstream-Presse zu kommen: Ein Interview im Regionalnetzwerk Deutschland – potenziell 25 Zeitungen – hat mehr Reichweite als vierzig Podcast-Folgen zusammen.
LinkedIn werde ich stark reduzieren. Kein Instagram, kein TikTok. Die gewonnene Zeit geht in Weiterbildung – besonders in KI-Themen, die ich bisher kaum verfolgen konnte.
Also sprach Zarathustra
Die Titelmusik stammt von Richard Strauss, Uraufführung 1896, weltberühmt durch Stanley Kubricks Film 2001: Odyssee im Weltraum von 1968 – meinem Geburtsjahr. Meine Frau hat das Stück damals gefunden, als ich nach einer Titelmusik gesucht habe, die wirklich etwas sagt. Sie wurde fündig.
Der Film war seiner Zeit so weit voraus, dass die Zuschauer 1968 damit nichts anfangen konnten. Erst nach der Mondlandung 1969 wurde er zum Klassiker. Im Film erklingt das Stück in dem Moment, als der Mensch lernt, Werkzeuge zu benutzen.
Vielleicht war auch dieser Podcast seiner Zeit etwas voraus. Er steht jedenfalls im Netz, wie der Film auf Disc. Wer weiß, was kommt.
Danke fürs Zuhören.