Mehr als 25 Jahre im Internet, ein Chemie-Doktor, der früher erklären musste was das Internet überhaupt ist – und heute erklärt, warum es dringend nachhaltiger werden muss. In dieser ersten Folge erzähle ich dir, was mich antreibt und was du aus diesem Podcast mitnehmen kannst.
Du hörst diesen Podcast – und verbrauchst dabei Strom. Dein Server liefert die Seite aus – verbraucht Strom. Die Leitung dazwischen – verbraucht Strom. Wo genau entstehen diese Emissionen und wo kannst du als Website-Betreiber ansetzen?
Als ich Ende der 1990er angefangen habe, Webseiten zu bauen, tickte die Uhr bei jedem Datentransfer mit – auf der Telefonrechnung. Heute hat jeder eine Flatrate und niemand schaut mehr auf die übertragenen Megabytes. Ich schon. Was dahinter steckt.
Du testest deine Website mit einem CO₂-Kalkulator und bekommst eine Zahl. Diese Zahl kann um den Faktor 10 oder mehr falsch sein – und du weißt es nicht. Warum das Datenvolumen einer Website kein fester Wert ist, sondern von vielen Faktoren abhängt.
0,3 Gramm CO₂ pro Seitenaufruf – diese Zahl begegnet dir überall. Woher kommt sie? Wie verlässlich ist sie? Und warum ist eine Abschätzung nie eine exakte Messung?
CO₂ ist nicht das einzige Treibhausgas, das das Internet produziert. Manche Kühlmittel in Rechenzentren haben ein Treibhausgaspotenzial von über 20.000 – verglichen mit 1 bei CO₂. Eine Chemie-Stunde, die mehr erklärt als jede ESG-Kennzahl.
Drei Tools, mit denen du in wenigen Minuten weißt, wo deine Website steht: Website Carbon Calculator, Digital Beacon und Ecograder. Was jedes kann – und wo die Grenzen liegen.
Fünf Einwände, die ich immer wieder höre, wenn ich über nachhaltige Webseiten rede. Und fünf Antworten darauf – ohne erhobenen Zeigefinger, aber auch ohne Nachsicht.
80 Prozent des gesamten Internetverkehrs sind Videos – und wer eine Stunde in Full HD streamt, verbraucht so viel Energie, wie er auf einem Ergometer in drei Stunden erzeugen könnte. Digitalexperte Jörg Schieb hat all das in seinem Buch „Energiefresser Internet" zusammengetragen: von den Anfängen im Militärnetz bis zu Bitcoin, KI und dem Rebound-Effekt. Warum das Thema trotzdem kaum jemanden interessiert – und was das mit unserer Pauschalflat zu tun hat.
Jede programmatische Werbeauktion erzeugt Verlierer – Dutzende Biddings, die Energie verbrauchen, aber keine einzige Impression liefern. Agnes Ley von der MediaPlus-Gruppe kennt diesen digitalen Müll aus dem Innern der Branche. Im Gespräch erklärt sie, warum Nachhaltigkeit als zusätzliches KPI in der Mediaplanung funktioniert – und warum das Mediabudget wie eine Gießkanne wirkt: Wo du gießt, da wächst etwas.
Stell dir vor, die Hälfte aller Anfragen auf deiner Website kämen gar nicht von Menschen. Welche Folgen das für die CO₂-Bilanz hat, warum die gängigen Berechnungstools hier komplett blind sind und mit welchen Mitteln Du gute von bösen Crawlern trennst, erkläre ich in dieser Folge.
Was hat eine Brustkrebs-Diagnose mit Softwarearchitektur zu tun? Anita Schüttler, Head of Sustainability bei neuland – Büro für Informatik, erzählt mir, wie eine Erkrankung ihren beruflichen Weg komplett verändert hat. Wir sprechen über Scope-3-Emissionen, die Grenzen der reinen CO₂-Fixierung und warum ein Tech-Historiker der Softwareindustrie vorwirft, jeden Hardware-Fortschritt sofort wieder aufzufressen.
Wäre das Internet ein Land, läge es beim CO₂-Ausstoß auf Platz sechs weltweit. Mein Gast Dr. Ralph Hintemann vom Borderstep-Institut hält Platz drei durch KI für bald erreichbar. Wir sprechen darüber, warum belastbare Zahlen zum Stromverbrauch des Netzes so schwer zu bekommen sind und warum jede Prognose gerade nach oben korrigiert werden muss.
Wäre das Internet ein Land, läge es bei den CO₂-Emissionen auf Platz sechs weltweit, zwei Plätze vor Deutschland. In dieser besonderen Folge teile ich als Audioversion meine Keynote über das Strom- und Ressourcenproblem des Netzes: woher es kommt, warum kaum jemand darüber spricht und was Du selbst tun kannst.
Ein Euro Projektkosten für einen Euro jährliche Einsparung: Philipp Kersting rechnet vor, warum sich Green IT nach spätestens einem Jahr selbst trägt. Trotzdem passiert in den meisten Unternehmen wenig. Woran das liegt und welche zwei Hebel sofort wirken.
175 Terabyte in 15 Minuten – weil Deutschland bei der EM einen Elfmeter nicht wahrhaben wollte. Das ist digitaler Ressourcenverbrauch in Echtzeit. Im Juli-Rückblick gibt es außerdem die carbon.txt-Datei als neuen Standard für nachhaltiges Hosting, eine Goldman-Sachs-Studie zur KI-Hype-Ernüchterung und den Erdüberlastungstag – diesmal mit einem passenden Begleittag.
Meta hat in seinem Nachhaltigkeitsbericht 273 Tonnen CO₂ ausgewiesen – tatsächlich waren es 3,8 Millionen. Ein Faktor 19.000. Das ist kein Rechenfehler, das ist Greenwashing mit Zertifikaten. Im September-Rückblick: OMT-Auftritt vor dem größten Publikum bisher, Besuch im Hetzner-Rechenzentrum und warum ChatGPT für eine 100-Wort-Mail so viel Strom braucht wie 14 LED-Lampen eine Stunde lang.
OpenAI plant Rechenzentren, für die es fünf Kernkraftwerke bräuchte. Amazon investiert eine halbe Milliarde in Atomenergie. Google setzt auf neue Reaktoren. Und Deutschland will führend in KI werden – ohne zu wissen, woher der Strom kommen soll. Im Oktober-Rückblick außerdem: 55 Jahre Internet, 30 Jahre CSS und ein Firefox-Add-on, das überflüssige Mediendateien einfach wegblendet.