Drittanbieter wie eigene Inhalte behandeln

Jeder eingebettete YouTube-Player, jedes Google-Fonts-Snippet, jedes Analytics-Skript lädt Daten von fremden Servern – oft ein bis zwei Megabyte, noch bevor der Besucher irgendetwas angeklickt hat. Das Tückische daran: Diese Bytes tauchen in keiner Deiner eigenen Statistiken auf, weil sie gar nicht von Deinem Server kommen. Du verantwortest sie trotzdem.

Genau hier setzt Guideline 3.5 an. Sie verlangt, Drittanbieter mit derselben Sorgfalt zu behandeln wie den eigenen Code – und nicht als harmlose Zutat, die man eben schnell einbindet.

Info

Die vier Erfolgskriterien von Guideline 3.5 (meine Übersetzung des Originals):

Prüfen und reduzieren: Prüfe Inhalte und Dienste von Drittanbietern früh im Entwurfs- oder Ideenprozess, darunter Plugins, Widgets, Feeds, Karten, Karussells, Tracking-Skripte und ähnliche Komponenten. Nutze so wenige wie möglich und bevorzuge leichtgewichtige Optionen, um die gesamte Umweltwirkung zu senken, einschließlich der Scope-3-Emissionen nach dem GHG-Protokoll. Stelle sicher, dass Drittanbieter dieselben Standards für Compliance, Sicherheit, Datenschutz, Aufbewahrungsfristen, Löschregeln und verpflichtende Sicherheitsupdates einhalten wie die erste Partei.

Einbindung von Drittanbietern: Lade Inhalte von Drittanbietern erst, wenn der Nutzer mit ihnen interagiert. Biete einfache Alternativen an, etwa einen Link auf ein Formular statt eines eingebetteten Widgets.

Selbsthosten: Liefere Ressourcen wie Inhalte, Icons, Schriften, Skripte und Widgets von einer Infrastruktur aus, die Du selbst kontrollierst, statt sie von Drittanbietern einbetten oder ausliefern zu lassen. Das verringert die Abhängigkeit von fremden Systemen, erhöht die Zuverlässigkeit und kann unnötige Netzwerkanfragen vermeiden.

Präferenzen bei Drittanbietern: Respektiere die Vorlieben der Nutzer im Umgang mit Inhalten und Diensten von Drittanbietern. Biete klare Möglichkeiten, nicht notwendige Drittanbieter-Funktionen abzuschalten oder abzulehnen.

Meine Einordnung

Das W3C bewertet diese Guideline über alle Kategorien hinweg als hoch wirksam – und das zu Recht. Denn Drittanbieter sind der Teil Deiner Website, den Du am wenigsten im Griff hast. Das erste Kriterium nennt den entscheidenden Begriff: Scope-3-Emissionen. Das sind die Emissionen, die nicht auf Deinem Server entstehen, sondern in der Lieferkette – bei einem Analytics-Dienst, bei einem Kartenanbieter, bei einem Videoportal. Du kannst sie weder direkt messen noch abschalten, solange der fremde Code läuft.

Rechnen wir ein typisches Beispiel. Ein eingebetteter Videoplayer lädt schnell 1,5 Megabyte an Skripten und Vorschaubildern – und vier von fünf Besuchern klicken nie auf Play. Bei einer Million Aufrufen sind das rund 1,2 Terabyte, die niemand gebraucht hat, nach der Faustregel etwa 480 Kilogramm CO₂. Das zweite Kriterium löst genau das: Lade den Player erst beim Klick. Bis dahin zeigst Du ein leichtes Vorschaubild. Diese Fassaden-Technik kostet ein paar Zeilen Code und spart den Großteil der Last.

Das dritte Kriterium, Selbsthosten, geht mir besonders nah, weil es zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt: Eine selbst gehostete Schrift lädt schneller, und sie schickt keine Daten Deiner Besucher an einen fremden Server. Performance und Datenschutz zeigen hier in dieselbe Richtung.

Wo ich weiter gehe

Ich predige das nicht nur, ich lebe es. Auf datensm.art läuft kein einziger Fremd-Dienst. Kein Google Analytics, sondern ein selbst gehostetes Matomo. Kein eingebetteter Podcast-Player von einer fremden Plattform, sondern ein eigener. Keine externen Schriften, keine Karussell-Skripte, keine Tracking-Pixel. Das Ergebnis: Jedes Byte, das ein Besucher lädt, kommt von meinem Server – und taucht damit auch in meiner Messung auf.

Achtung
Ein Drittanbieter, der mit grünem Hosting wirbt, klingt beruhigend. Aber solange sein Code auf einem fremden Server läuft, kannst Du seinen Verbrauch weder messen noch steuern. Die einzige Emission, für die Du wirklich geradestehst, ist die, die von Deinem eigenen Server kommt.

Für mich ist Selbsthosten deshalb keine Fleißaufgabe, sondern die einzige ehrliche Grundlage für jede CO₂-Bilanz. Was ich nicht einbinde, muss ich weder rechtfertigen noch schönrechnen.

Dein erster Schritt heute

Bevor Du etwas änderst, solltest Du wissen, wie viele fremde Server Deine Seite überhaupt kontaktiert. Diese Liste erstellt Dir Dein Browser in einer Minute.

Tipp
Öffne Deine Seite, drücke F12, geh auf den Reiter “Netzwerk” und lade neu. Sortiere die Anfragen nach Domain: Alles, was nicht von Deiner eigenen Adresse kommt, ist ein Drittanbieter. Bei den meisten Seiten ist die Liste überraschend lang – und jeder Eintrag ist ein Kandidat zum Selbsthosten oder Weglassen.

Geh die Liste einmal ehrlich durch und sortiere in drei Stapel: selbst hosten, erst beim Klick laden, ganz weglassen. Du wirst überrascht sein, wie viel in den dritten Stapel wandert.

Die nachhaltigste Anfrage an einen fremden Server ist die, die nie gestellt wird – weil alles, was zählt, von Deinem eigenen kommt.

Quellen: W3C-Fassung von Guideline 3.5 · Interpretation bei Sustainable Web Design