Ein Adblocker für Geräte, die nie einen hatten
AVM lässt in FRITZ!OS 8.50 erstmals einen Werbeblocker im Router selbst laufen – nicht als Extension in einem einzelnen Browser, sondern als DNS-Filter für das gesamte Heimnetz. Das trifft einen wunden Punkt aus meiner Beratungspraxis: Wer schützt eigentlich die Geräte, für die es gar keinen Adblocker gibt? Smart-TV, smarte Lautsprecher, die Konsole im Kinderzimmer – bislang blieben sie außen vor. Laut der offiziellen AVM-Pressemitteilung vom 11. August 2026 soll die Funktion genau das ändern und schützt „Smartphones, Smart-TVs, Laptops und sogar smarte Glühbirnen oder Kühlschränke“. Technisch passiert das auf DNS-Ebene: Ruft ein Gerät im Heimnetz eine Adresse auf, die auf einer hinterlegten Sperrliste steht, unterbricht die FritzBox die Anfrage automatisch, bevor Daten fließen. Konfiguriert wird das unter Heimnetz > Netzwerk > Netzwerkeinstellungen > DNS-Filter, mit Ausnahmen pro Gerät, als Listenquelle dienen frei verfügbare Community-Sperrlisten wie das Projekt Hagezi. Wichtig für die Einordnung: Aktuell läuft das Feature im FRITZ! Labor als Beta, ein festes Rollout-Datum für alle Geräte nennt AVM bislang nicht.
Was das konkret bringt
Der Effekt auf das Datenvolumen ist real und geräteübergreifend: Jede blockierte Anfrage an einen Werbe- oder Trackingserver lädt gar nicht erst Skripte, Bilder oder Videowerbung nach – auf jedem Gerät im Netz, ohne dass ich dafür einzeln etwas installieren muss. Das ist der eigentliche Fortschritt gegenüber Browser-Adblockern: eine zentrale Einstellung am Router statt einer Extension pro Gerät und Browser. Für mich ist das echte Suffizienz: Weniger Anfragen werden überhaupt erst gestellt, statt nur effizienter beantwortet, und sie erreicht erstmals auch Geräte, für die es technisch nie eine Adblocker-Ebene gab. Zusätzlich blockiert der Filter laut AVM auch bekannte Phishing-Seiten und Botnet-Infrastruktur, was gerade bei IoT-Geräten zählt, die selten Sicherheitsupdates bekommen.
Die Fernseher-Frage
Blockt das auch Werbung und Überwachung auf dem Fernseher? Teilweise ja, teilweise nein, und der Unterschied ist lehrreich. Samsungs erzwungene, laut Hersteller nicht abschaltbare Werbung im Smart Hub läuft nachweislich über die Domain samsungads.com. Nutzerberichte bestätigen: Wer diese Domain per DNS-Blockliste sperrt, ist die Banner los, ein echter, überprüfbarer Erfolg für den neuen Filter. Bei der eigentlichen Überwachungsfrage, die den Kuketz-Blog beschäftigt, sieht es anders aus. Automatic Content Recognition, also die Bild- und Audio-Fingerprints, mit denen Smart-TVs erkennen, was gerade läuft, läuft über dieselbe Kerninfrastruktur des Herstellers, die auch für Firmware-Updates und den App Store gebraucht wird. Die zu blockieren würde den Fernseher funktionsunfähig machen, ein DNS-Filter kann hier gar nicht trennen, was Überwachung ist und was Grundfunktion. Kuketz’ eigener Rat lautet entsprechend nicht „DNS-Filter nutzen“, sondern den Fernseher möglichst offline zu halten und Streaming über ein separates, kontrollierbares Gerät laufen zu lassen.
Die Grenzen, die für alle Geräte gelten
Auch jenseits des Fernsehers stößt der Ansatz an eine technische Grenze, die Computerbase und Netzwelt unabhängig voneinander beschreiben: Kommen Werbung und eigentlicher Inhalt vom selben Server, kann ein DNS-Filter beides nicht unterscheiden, das „YouTube-Problem“. Der Filter sperrt nur ganze Domains, keine einzelnen Elemente auf einer Seite. Und Geräte oder Apps mit eigenem DNS-Dienst, etwa über verschlüsseltes DNS-over-HTTPS, umgehen den Filter komplett.
Mein Fazit: Aktivier den DNS-Filter, sobald er bei Dir aus dem Labor kommt, er ist ein echter Fortschritt für Geräte, die sonst nie Schutz bekommen hätten. Aber verwechsle weniger Werbung im Heimnetz nicht mit einem Fernseher, der Dich nicht mehr überwacht. Ein Router kann filtern, was er sieht, er kann kein Gerät schützen, das gebaut wurde, um über genau die Kanäle zu funktionieren, über die es auch spioniert.
Quellen: AVM-Pressemitteilung, 11.08.2026 · FRITZ! Labor 8.40 Zusatzinformationen · digitec.ch: FritzHole · Kuketz-Blog: Smart-TVs als Überwachungsgerät · Computerbase: DNS-Filter sperrt Werbung · ifun.de: Samsung-Zwangswerbung
