KI-Agenten: Was ein Prompt kostet, weiß niemand genau

Ein Prompt ist nur der Anfang

Der Klimaforscher Zeke Hausfather hat acht Wochen lang protokolliert, wie er bei seiner Arbeit den KI-Agenten Claude Code nutzt. Aus 1.138 eingetippten Prompts wurden über 14.000 Anfragen an das Modell und 3,2 Milliarden verarbeitete Token. Seine Schätzung: rund 170 Kilowattstunden Strom im Rechenzentrum, mit einer Spanne von 70 bis 330. Pro Prompt sind das etwa 150 Wattstunden. Eine einfache Chat-Anfrage liegt nach Angaben von OpenAI-Chef Sam Altman bei 0,34 Wattstunden.

Der Grund für den Unterschied steckt in der Arbeitsweise. Ein Agent beantwortet nicht eine Frage, er arbeitet eine Aufgabe ab. Er liest Dateien, ruft Werkzeuge auf, prüft Ergebnisse und liest dabei immer wieder seinen gesamten bisherigen Kontext. Bei Hausfather entfielen 96 Prozent aller Token auf dieses erneute Einlesen. Nur 0,4 Prozent waren tatsächlich erzeugter Text.

Eine ehrliche Rechnung voller Annahmen

Ich schätze an Hausfathers Analyse, dass er seine Unsicherheiten offenlegt. Genau diese Unsicherheiten sind für mich aber die eigentliche Nachricht. Denn wer wissen will, wie viel CO₂ ein Prompt verursacht, müsste mindestens drei Dinge kennen, die kein Anbieter offenlegt.

Wo steht das Rechenzentrum? Anthropic veröffentlicht die Standorte nicht. Hausfather rechnet deshalb mit dem US-Durchschnitt von 341 Gramm CO₂ pro Kilowattstunde. Das Emissions-Framework von Watershed zeigt, dass allein die Stromnetze verschiedener Regionen um mehr als das Fünffache auseinanderliegen.

Welche Energie wird genutzt? Ob Ökostrom-Zertifikate oder tatsächlicher Strommix zur Stunde der Anfrage zählen, verändert das Ergebnis erheblich. Google hat 2025 für einen typischen Gemini-Prompt 0,03 Gramm CO₂ angegeben, allerdings marktbasiert, also mit eingekauften Zertifikaten verrechnet.

Was kostet die Hardware? Herstellung und Lebensdauer der Grafikprozessoren sowie das Training der Modelle fehlen in Hausfathers Rechnung vollständig. Watershed bezieht sie ein und kommt allein beim Training auf 32 bis 56 Prozent des gesamten Fußabdrucks eines Modells.

Wie weit die Ergebnisse je nach Methode auseinanderliegen, zeigt Watershed an einem Beispielunternehmen. Mit Standard-Benchmarks berechnet, verursachte dessen KI-Nutzung 54 Tonnen CO₂. Mit genaueren Nutzungsdaten waren es nur drei bis vier Tonnen. Eine Abweichung um mehr als das Zehnfache, allein durch die Wahl der Rechenmethode.

Achtung
Ein Teil der Rechnung stützt sich auf API-Preise. So wird der Energiebedarf für das erneute Einlesen von Kontext daraus abgeleitet, dass die Anbieter dafür etwa zehn Prozent des normalen Preises verlangen. Preise sind aber kein verlässlicher Maßstab für Verbrauch. Die großen KI-Anbieter haben enorme Summen eingesammelt und kämpfen um Marktanteile. Ihre Preise sind Strategie, nicht Stromrechnung.

Effizienz löst das Problem nicht

Hausfather verweist selbst auf den Rebound-Effekt: Wird Rechenleistung pro Token billiger, steigt die Nutzung. Effizienz hat den Gesamtverbrauch von KI bisher nicht begrenzt. Sein eigener Verbrauch hochgerechnet: etwa 1,1 Megawattstunden und 370 Kilogramm CO₂ pro Jahr, nur für die Agenten-Nutzung eines einzelnen Menschen.

Die entscheidende Stellschraube liegt deshalb nicht beim Anbieter, sondern bei Dir. Hausfather bringt es auf den Punkt: Es macht einen großen Unterschied, ob fünf Agenten parallel aufwendige Forschung betreiben oder ob Du damit eine Kneipenwette klärst. Kleine Modelle brauchen nach seiner Schätzung pro Token fünf- bis siebenmal weniger Energie als die großen Spitzenmodelle.

Tipp
Bevor Du einen Agenten beauftragst, frag Dich: Brauche ich dafür überhaupt einen Agenten? Einfache Fragen gehören in einen Chat oder eine Suchmaschine, einfache Aufgaben an ein kleines Modell. Formuliere Aufträge klar und abgegrenzt, damit der Agent nicht sucht, sondern arbeitet. Und beginne für neue Aufgaben eine neue Sitzung, statt einen immer längeren Kontext mitzuschleppen.

Nicht die Zahl zählt, sondern die Größenordnung

Ob es 60 oder 290 Wattstunden pro Prompt sind, wird sich ohne Offenlegung durch die Anbieter nicht klären lassen. Die Größenordnung ist trotzdem eindeutig: Ein Agent verbraucht ein Vielfaches dessen, was wir von Chatbots kennen. Wer Agenten einsetzt, sollte sie deshalb behandeln wie jede andere Ressource: gezielt, bewusst und nur dort, wo sie wirklich gebraucht werden.

Quellen: