Bad Bot Report: Durchgefallen ist, wer nie hingeschaut hat

Zwei Drittel fallen durch

Der Bot-Schutz-Anbieter DataDome hat für seinen aktuellen Report die Startseiten von 21.491 populären Websites mit zehn simulierten Bots angesteuert: einfache Skripte, Bots mit dem User-Agent bekannter KI-Dienste, gefälschte Browser-Fingerabdrücke und ferngesteuerte echte Browser. 65,3 Prozent der Seiten haben keinen einzigen davon erkannt. Nur 2,4 Prozent haben alle zehn gestoppt oder zumindest geprüft.

Das klingt nach Totalversagen. Ich halte die Zahl trotzdem für die falsche Antwort auf die richtige Frage. Denn der Test misst nur, ob eine Seite reagiert. Warum sie es nicht tut, misst er nicht.

Nicht blockieren kann eine Entscheidung sein

analytik.news würde in diesem Test vermutlich ebenfalls durchfallen, zumindest teilweise. Wir lassen die Crawler von Google, OpenAI und Anthropic bewusst zu, weil wir in KI-Antworten und Suchergebnissen auftauchen wollen. 2025 hielten sich menschliche und automatisierte Zugriffe bei uns ungefähr die Waage. Für 2026 rechnen wir wegen der KI-Crawler mit einer deutlichen Zunahme des Bot-Anteils. Das ist ein Preis, den wir kennen und bewusst in Kauf nehmen.

Für den Test sieht unsere Seite trotzdem genauso aus wie die eines Betreibers, der noch nie in sein Logfile geschaut hat. Der Unterschied liegt nicht in der Konfiguration, sondern darin, ob jemand entschieden hat. Und genau das beantwortet kein Report der Welt für Dich.

Achtung
Der DataDome-Report stammt von einem Unternehmen, das Bot-Schutz verkauft. Das gilt auch für den Bad Bot Report von Imperva (Thales). Die Daten sind nicht wertlos, aber wer vom Problem lebt, beschreibt es selten kleiner, als es ist. Außerdem hat DataDome nur Startseiten getestet. Schutz auf Login- oder Bezahlseiten war nicht Teil des Tests.

Die Zahlen passen nicht zusammen, und das ist die Pointe

Wie groß ist der Bot-Anteil im Web? Je nach Quelle bekommst Du eine andere Antwort. Imperva kommt für 2025 auf 53 Prozent automatisierten Traffic. Cloudflare Radar meldete im Juni 2026 rund 57 Prozent Bots beim HTML-Traffic, über den gesamten Web-Traffic gerechnet aber nur rund 35 Prozent. DataDome selbst zählt im eigenen Kundennetz etwa 26,5 Prozent Bots und KI-Agenten, also bei Kunden, die bereits Bot-Schutz einsetzen.

Keine dieser Zahlen ist falsch. Sie messen unterschiedliche Grundgesamtheiten, und keine davon ist Deine Website. Ein Fachportal hat ein völlig anderes Bot-Profil als ein Onlineshop oder ein Ticketverkäufer. Wer seinen eigenen Anteil wissen will, kommt an den eigenen Server-Logfiles nicht vorbei.

Einen Trend zeigen die Reports trotzdem übereinstimmend. Bei Imperva stieg der Anteil bösartiger Bots am gesamten Traffic von 37 auf 40 Prozent. Laut DataDome wuchs bösartiger Bot-Traffic zwischen Juli 2025 und Juni 2026 um 124 Prozent, menschlicher Traffic nur um 13,2 Prozent. Den größten Teil des bösartigen Bot-Traffics macht mit 70,9 Prozent das Scraping aus, also das massenhafte Absaugen von Inhalten.

Jede ungewollte Anfrage ist vermeidbare Last

Aus Nachhaltigkeitssicht ist das der entscheidende Punkt. Jede Anfrage eines Scrapers, den Du nicht willst, erzeugt Serverlast, Datenübertragung und damit Emissionen, ohne dass irgendjemand davon profitiert. Die nachhaltigste Anfrage ist die, die gar nicht erst beantwortet wird. Und Bots, die Deine Statistik nicht erfasst, fehlen auch in jeder CO₂-Bilanz Deiner Website.

Pauschal alles zu sperren, ist aber genauso wenig eine Lösung. Wer KI-Agenten aussperrt, verschwindet aus ihren Antworten. Die richtige Reihenfolge lautet deshalb: erst analysieren, dann gezielt blockieren.

Tipp
So startest Du: Schau in Deine Server-Logfiles, welche User-Agents wie viele Anfragen und wie viel Datenvolumen erzeugen. Werkzeuge wie der Screaming Frog Log File Analyzer oder AWStats helfen dabei. Entscheide dann Bot für Bot, wer bleiben darf. Gut erzogene Crawler steuerst Du über die robots.txt. Bots, die sie ignorieren, sperrst Du per Serverregel oder über Dein CDN. Und wenn Du ein CDN nutzt: Prüf, was dort bereits voreingestellt ist.

Durchgefallen ist, wer nicht entschieden hat

Die 65 Prozent aus dem DataDome-Test sind für mich kein Beleg für Nachlässigkeit, sondern eine offene Frage. Manche dieser Seiten lassen Bots bewusst herein, viele wissen schlicht nicht, was auf ihrem Server passiert. Zu welcher Gruppe Du gehörst, erfährst Du nur aus Deinen eigenen Daten. Nimm Dir diese Woche eine Stunde für Dein Logfile. Es lohnt sich fast immer.

Quellen: