Ein Bildformat kehrt zurück
Google liefert mit Chrome 155 die Unterstützung für JPEG XL regulär aus. Damit schließt sich ein bemerkenswerter Kreis: Mit Chrome 110 hatte Google den experimentellen Code noch entfernt. Jetzt kommt das Format zurück, und zwar mit einem neuen Decoder namens jxl-rs, geschrieben in Rust.
Die Begründung des Chrome-Teams überzeugt mich. Bilddecoder verarbeiten Dateien aus dem Netz und sind damit ein beliebtes Angriffsziel. Ein speichersicherer Decoder verhindert typische Fehler wie Zugriffe außerhalb des vorgesehenen Speichers von vornherein, statt sich allein auf die Sandbox des Browsers zu verlassen.
Das verdient Lob. Und Firefox zieht nach: Mozilla hatte die Freischaltung zunächst für Firefox 157 angekündigt und dann auf Version 158 verschoben. Die erscheint laut Plan heute, am 13. Oktober. Safari zeigt JPEG XL schon seit Version 17 aus dem Jahr 2023 an, allerdings nur teilweise.
Die Browser sind schneller als Deine Werkzeuge
Bei der Verbreitung bin ich optimistischer, als man vermuten könnte. Chrome und Firefox aktualisieren sich automatisch. Meine Einschätzung: Mit Chrome, Firefox und Safari kann ein Großteil der Menschen JPEG XL in wenigen Monaten anzeigen. Für Edge gibt es bisher keine Freischaltung.
Der eigentliche Engpass liegt woanders. Dein CMS, Dein Bildbearbeitungsprogramm, Dein Static Site Generator oder Dein Bild-CDN müssen das Format auch erzeugen können. Und selbst wenn: Mit dem picture-Element und einem Fallback brauchst Du keine Mehrheit. Wer das neue Format nicht kennt, bekommt einfach das alte.
Auf der Webseite: kein Grund zum Umbauen
Auf Webseiten nutzt Du fast immer verlustbehaftete Kompression. Und genau dort empfiehlt nicht einmal Google, pauschal auf JPEG XL umzusteigen. Das Chrome-Team rät, AVIF und JPEG XL mit dem eigenen Bildmaterial zu vergleichen. Die Stärken von JPEG XL sieht Google bei sehr hochwertigen oder verlustfrei gespeicherten Fotos und dort, wo ein Bild schrittweise scharf werden soll, während es noch lädt.
Mozilla hat dazu ein Beispiel veröffentlicht: Ein Foto in mittlerer bis hoher Qualität war als AVIF 116 Kilobyte groß, als JPEG XL 134 Kilobyte. Ein einzelnes Bild ist nicht repräsentativ. Es passt aber zu Mozillas Einschätzung, dass AVIF in Webqualität meist die kleineren Dateien liefert.
Meine Empfehlung für Deine Webseite bleibt deshalb: WebP ist der robuste Standard, den jedes Werkzeug beherrscht. AVIF ist meist noch etwas kleiner und kann genauso eingesetzt werden, wenn Deine Software es erzeugt. JPEG XL lohnt einen Test bei sehr großen Bildern, bei denen die schrittweise Darstellung zählt.
Im Fotoarchiv: echte Einsparung ohne Risiko
Die eigentliche Stärke von JPEG XL liegt für mich nicht im Browser, sondern auf Deiner Festplatte. Das Format kann vorhandene JPEG-Dateien verlustfrei umwandeln. Die neue Datei ist laut den Entwicklern des Formats im Schnitt rund 20 Prozent kleiner und lässt sich bitgenau in das ursprüngliche JPEG zurückverwandeln. Die Zahl stammt von den Machern selbst, wurde aber an einem öffentlichen Testdatensatz gemessen.
Für ein Fotoarchiv mit 500 Gigabyte wären das grob gerechnet 100 Gigabyte weniger. Das spart Speicherplatz, Backup-Volumen und vielleicht auch eine Festplatte oder ein Cloud-Abo. Auch bei echter verlustfreier Kompression schneidet JPEG XL gut ab: In Mozillas Beispiel war das Foto als JPEG XL 1,45 Megabyte groß, als WebP 1,55 und als AVIF 1,76 Megabyte.
Prüfe vorher, ob Deine Bildverwaltung JPEG XL öffnen kann. Die Rückwandlung in JPEG ist Dein Sicherheitsnetz, falls ein Programm streikt.
Erst aussortieren, dann komprimieren
Bei aller Begeisterung: 20 Prozent weniger von einem Archiv voller Doppelungen, verwackelter Serienbilder und vergessener Screenshots ist immer noch zu viel. Der größte Hebel ist das Bild, das Du gar nicht erst aufbewahrst.
Auf Webseiten gilt dasselbe. Bessere Kompression verführt dazu, Bilder größer und zahlreicher einzubauen. Dann frisst der Rebound-Effekt die Einsparung wieder auf. Das effizienteste Bild ist das, das in passender Größe ausgeliefert wird, oder gar nicht.
