Das kleinste Modell, das reicht
SAP tauscht in seiner Software einige besonders teure KI-Modelle gegen günstigere aus. Das hat Finanzvorstand Dominik Asam der Nachrichtenagentur Reuters gesagt. Das Prinzip: Für jede Aufgabe kommt das günstigste Modell zum Einsatz, das sie in der geforderten Qualität erledigt. Bei der Leistung will SAP dabei keine Abstriche machen. Der Wechsel soll mit dazu beitragen, dass der Konzern in den kommenden zwei Jahren rund 2 Milliarden Euro einspart.
Für mich ist das im Kern eine Suffizienzfrage, angewandt auf die Mittel: Brauchen wir für diese Aufgabe wirklich das größte Modell? Bei SAP lautet die Antwort offenbar oft: nein.
Warum es diesmal funktioniert
Suffizienz scheitert in Unternehmen meist am Verdacht, sie koste Qualität oder Umsatz. Hier ist es umgekehrt. SAP rechnet bei seinen Kunden nicht nach Tokens ab, sondern pro erledigter Aufgabe, etwa pro bearbeiteter Rechnung oder pro Klärungsfall, oder über Paketabonnements. Ersetzt SAP ein Modell wie GPT-4 oder Claude Opus durch ein günstigeres, sinken die eigenen Rechenkosten pro Aufgabe. Der Preis für den Kunden bleibt gleich. Die Ersparnis landet direkt in der Marge. Einen stärkeren Anreiz gibt es kaum.
Die Auswahl dafür hat SAP: Über den Generative AI Hub seiner Business Technology Platform greift der Konzern auf rund 70 KI-Modelle zu.
Der Haken: Die Gesamtrechnung wächst
So weit die gute Nachricht. Die weniger gute liefert SAP gleich mit. Auf Nachfrage von Reuters stellte das Unternehmen klar, das Ziel seien gesunde Margen bei wachsendem Umfang, keine absolute Senkung der KI-Ausgaben. Asam erwartet, dass die Ausgaben für KI insgesamt steigen, je stärker sie sich verbreitet.
Das ist der Rebound-Effekt in Reinform. Jede eingesparte Rechenoperation pro Aufgabe macht die nächste Aufgabe billiger und damit wahrscheinlicher. Für Klima und Stromnetz zählt aber nicht die Effizienz pro Rechnung, sondern der Gesamtverbrauch.
Was Du daraus mitnimmst
SAP zeigt: Suffizienz funktioniert, sobald sie Geld spart und die Qualität hält. Das ist ein Argument, das in jeder Geschäftsführung zieht. Ehrlich wird die Rechnung aber erst mit der zweiten Frage: Brauchen wir diese KI-Aufgabe überhaupt?
Das kleinste Modell, das reicht, ist ein guter Anfang. Die sparsamste KI-Anfrage bleibt die, die gar nicht erst gestellt wird.
Quellen: SAP ersetzt hochpreisige KI-Modelle (Golem) · SAP swaps costly AI models for cheaper alternatives (Reuters)
