Der CO₂-Doc prüft www.linkedin.de

Website-Audit

Ein einziges Bild auf der LinkedIn-Startseite hätte über 500 Kilobyte einsparen können. Wenn eine Plattform schon von unserer Aufmerksamkeit lebt, sollte sie wenigstens sparsam mit unseren Daten umgehen. Was LinkedIn verschenkt und was Du selbst einstellen kannst, zeigt dieses Audit.

Social Media Plattformen sind per se nicht nachhaltig, weil die Algorithmen uns zu immer längeren Verweilzeiten animieren und möglichst aufwändige Video-Posts die beste Reichweite erhalten. Umso mehr wären Plattformen wie LinkedIn dazu verpflichtet, alle technischen Optimierungen umzusetzen, um den Stromverbrauch zu minimieren. Tun sie aber leider nicht, wie meine aktuelle Analyse zeigt.

Shownotes:

Wenn schon nicht nachhaltig, dann wenigstens sparsam

Ich bin überzeugt, dass eine Social-Media-Plattform per se nicht nachhaltig sein kann. Ihr Geschäftsmodell besteht darin, uns möglichst lange zu halten und zu immer aufwendigeren Posts zu bewegen. Ein reiner Textpost hat kaum Reichweite, ein Karussell oder Video dafür viel mehr Datenvolumen. Daraus folgt aber auch eine Pflicht: Wenn eine Plattform schon auf Masse ausgelegt ist, sollte sie technisch wenigstens alles tun, um das Datenvolumen klein zu halten. Bei LinkedIn war das zum Zeitpunkt meiner Prüfung leider kaum der Fall.

Ein Bild, 500 Kilobyte

Die Startseite für nicht eingeloggte Besucher bekam im Website Carbon Calculator zunächst ein B. Mit Cookie-Banner und dem vollständig nachgeladenen JavaScript waren es aber rund drei Megabyte, und damit Klasse F.

Ein einziges Bild zeigt das Problem. Ganz oben auf der Startseite stand ein Smartphone-Motiv als PNG mit 573 Kilobyte. Als optimiertes PNG wären es rund 180 Kilobyte gewesen, als WebP sogar nur 36. Ein einziges Bild hätte die Startseite also um über 500 Kilobyte entlastet. Dazu kamen Schriften im veralteten TrueType-Format, eine CSS-Datei mit über 10.000 Zeilen ohne Komprimierung, nur gzip statt Brotli, 140 Fehler im HTML-Validator und eine Leistungsbewertung von 53 Punkten bei PageSpeed Insights.

Auch bei Videos hätte LinkedIn Potenzial. Die Plattform liefert Videos in einem Streaming-Format, das nach meiner Einschätzung deutlich größer ist als effizientere Alternativen. Und hochgeladene WebP-Bilder wurden nach meiner Beobachtung wieder in JPEG umgewandelt.

Info
Die Prüfung stammt vom November 2024 und betrachtet die Desktop-Ansicht. Seitdem hat sich zumindest beim Teilen von Links etwas bewegt: LinkedIn unterstützt dort inzwischen WebP-Vorschaubilder, wie ich in der Folge 5 Datenformate für den digitalen Friedhof berichtet habe.

Was ein Kilobyte bei 300 Millionen Nutzern bedeutet

LinkedIn nennt rund 300 Millionen täglich aktive Nutzer. Was „aktiv“ genau bedeutet, bleibt offen. Rechnet man trotzdem mit 360 Gramm CO₂ pro übertragenem Gigabyte, spart jedes Kilobyte weniger pro Aufruf rund 108 Kilogramm CO₂, als grobe Überschlagsrechnung. Bei den Einsparpotenzialen, die ich gefunden habe, reden wir also schnell über Tonnen.

Was Du selbst tun kannst

Auf die Technik von LinkedIn haben wir keinen Einfluss, auf unser eigenes Verhalten schon. Der wirksamste Hebel ist versteckt in den Einstellungen: das automatische Abspielen von Videos abschalten. Die meisten Videos, an denen Du vorbeiscrollst, willst Du gar nicht sehen. Dazu kommen Dark Mode auf dem Smartphone, abgeschaltete Benachrichtigungen und feste Zeiten statt ständiger Präsenz. Ich nutze LinkedIn nur am Desktop und ohne App auf dem Smartphone.

Und dann die eigenen Posts. Ich verzichte bewusst auf Videoposts, auch wenn sie mehr Reichweite bringen würden. Über Nachhaltigkeit zu reden und gleichzeitig Videos zu posten, fände ich unglaubwürdig.

Tipp
Öffne die Entwicklertools Deines Browsers, wechsle in den Reiter Netzwerk und scrolle zwei Minuten durch Deinen LinkedIn-Feed. Schalte danach das automatische Abspielen von Videos ab und wiederhole den Test.

Eine Plattform, die von unserer Aufmerksamkeit lebt, schuldet uns wenigstens eine sparsame Technik.