Impuls 17 von 40: Wer über digitale Nachhaltigkeit nachdenkt, schaut zuerst auf Bilder, Videos, JavaScript und Server. Das ist richtig – dort liegen die größten Hebel. Aber auch Sprache besteht aus Daten. Und Texte können unnötig aufgebläht sein.
Das klingt nach einem kleinen Punkt. Er führt aber zu einem größeren Prinzip, das ich für wichtig halte.
Mehr Zeichen, mehr Daten
Jedes Zeichen in einem Text ist ein Byte. Mehr Zeichen bedeuten mehr Speicherbedarf, mehr Übertragung, mehr Aufwand bei Anzeige, Indexierung und Archivierung. Der Effekt pro Wort ist winzig. Multipliziert über Millionen Websites, Tausende Mails täglich und Jahre der Archivierung ist er messbar.
Das Prinzip ist dasselbe wie bei Bildern: Weniger Daten sind besser als mehr Daten – wenn der Inhalt gleich bleibt.
Lesbarkeit als Nachhaltigkeitsthema
Der stärkere Effekt liegt woanders: Kurze, klare Sprache ist für mehr Menschen zugänglich. Wer Deutsch nicht als Muttersprache spricht, wer schnell am Smartphone liest, wer auf einen Screenreader angewiesen ist – all diese Menschen profitieren von Texten, die auf unnötigen Ballast verzichten.
Im Deutschen entstehen durch verdoppelte Formulierungen oder Sonderzeichen im Wortinnern längere, sperrigere Konstruktionen. Das betrifft die Verständlichkeit, die Barrierefreiheit und teilweise auch die Auffindbarkeit in Suchmaschinen.
Neutrale Formulierungen, die kürzer und klarer sind:
- „Fachkräfte" statt „Facharbeiter und Facharbeiterinnen"
- „Team" oder „Beschäftigte" statt „Mitarbeiter:innen"
- „Lehrkräfte" statt „Lehrer und Lehrerinnen"
- „Nutzende" oder einfach der beschreibende Begriff: „wer unsere Software nutzt"
Nicht jede neutrale Formulierung klingt elegant – aber oft gibt es eine, die es tut.
Das größere Prinzip: Texteffizienz
Gendern ist hier nur ein Beispiel. Das Prinzip gilt breiter: Wer digital nachhaltig kommunizieren will, sollte auch bei Texten auf Effizienz und Verständlichkeit achten.
Lange Schachtelsätze, Nominalstil, unnötige Wiederholungen – all das ist digitaler Ballast. Nicht wegen der Bytes, die es kostet, sondern wegen der Aufmerksamkeit, die es verschwendet. Jedes Wort, das gestrichen werden kann, ohne den Inhalt zu verändern, sollte gestrichen werden.
Wer digitale Nachhaltigkeit ernst nimmt, hört nicht bei der Bildkomprimierung auf. Klare, kurze Sprache ist kein ideologischer Standpunkt – es ist handwerkliche Sorgfalt.
Dieser Tipp ist Teil meiner Serie Digitalfasten ohne Verzicht – 40 Impulse zur Fastenzeit 2026: Zum LinkedIn-Post
