96 % aller Websites scheitern 2026 an Barrierefreiheit – Tendenz steigend

WebAIM Report 2026: Prozentualer Anteil der Seiten mit den 6 häufigsten Fehlern

56 Fehler. So viele automatisch erkennbare Barrieren hat eine durchschnittliche Website im Jahr 2026 – und es werden mehr, nicht weniger. WebAIM hat zum achten Mal in Folge die Startseiten der eine Million meistbesuchten Websites analysiert. Das Ergebnis ist ernüchternd.

Der Trend dreht sich – zum Schlechten

Sechs Jahre lang gab es zumindest kleine Fortschritte. 2026 ist dieser Trend gebrochen: 95,9 % aller analysierten Startseiten haben automatisch erkennbare WCAG-2-Verstöße – mehr als im Vorjahr (94,8 %). Die Zahl der Fehler pro Seite stieg um 10 % auf durchschnittlich 56,1. Jedes 26. Seitenelement enthält eine Barriere.

Was mich besonders beschäftigt: Dieselben sechs Fehlertypen dominieren die Statistik – seit sieben Jahren unverändert.

Die immer gleichen sechs Fehler

96 % aller erkannten Fehler fallen in diese Kategorien:

  • Zu geringer Kontrast – auf 83,9 % aller Seiten, durchschnittlich 34 Stellen pro Seite
  • Fehlende Alternativtexte – über 10 Bilder pro Seite ohne Alt-Text
  • Nicht beschriftete Formularfelder – ein Drittel aller Eingabefelder ohne Label
  • Leere Links – auf 46 % aller Seiten
  • Leere Buttons – auf 30 % aller Seiten
  • Fehlende Sprachauszeichnung – immerhin rückläufig, aber noch auf 13,5 % der Seiten

Das sind keine Randprobleme für technische Spezialisten. Das sind die absoluten Grundlagen – und sie werden auf den meisten Websites schlicht ignoriert.

Info
Deutsche Websites schneiden im internationalen Vergleich überdurchschnittlich ab: Seiten mit lang="de" haben im Schnitt 46,9 Fehler – rund 16 % unter dem globalen Durchschnitt. Das ist kein Grund zur Selbstzufriedenheit, aber ein Hinweis, dass sorgfältigere Entwicklungspraktiken messbar wirken.

Warum es schlechter wird: Komplexität und Vibe Coding

WebAIM benennt die Ursache klar: Seiten werden schneller komplexer, als Accessibility mitgedacht wird. Die durchschnittliche Seitengröße ist in nur einem Jahr um 22,5 % gestiegen – auf 1.437 HTML-Elemente. Zum Vergleich: 2019 waren es 782.

Ein weiterer Faktor, den der Bericht explizit nennt: KI-gestützte Entwicklung – „Vibe Coding". Wer Code von KI generieren lässt und ihn nicht auf Barrierefreiheit prüft, produziert schnell viele Seiten mit denselben Grundfehlern in großem Maßstab.

Auch ARIA hilft nicht so, wie es sollte: Seiten mit ARIA-Attributen haben im Schnitt 17 Fehler mehr als Seiten ohne ARIA – weil mehr Komplexität mehr Fehlerquellen bedeutet.

Tipp
Zwei kostenlose Tools für den schnellen Einstieg: WAVE analysiert jede URL direkt im Browser. Lighthouse in den Chrome DevTools liefert einen Accessibility-Score mit konkreten Hinweisen – beides in fünf Minuten nutzbar.

Was das für deine Website bedeutet

Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz macht WCAG-Konformität für viele Websites in Deutschland ab 2025 verbindlich. Wer jetzt anfängt, hat einen klaren Vorteil – und tut gleichzeitig etwas für die rund 13 Millionen Menschen mit Behinderungen in Deutschland, die auf zugängliche Websites angewiesen sind.

Die gute Nachricht: Die häufigsten Fehler sind behebbar. Kontraste prüfen, Alt-Texte ergänzen, Formularfelder beschriften – das ist kein Großprojekt, sondern eine Frage der Priorisierung.

Den vollständigen Report gibt es bei WebAIM: webaim.org/projects/million