Ich fange mal mit einer Zahl an, die mich wirklich überrascht hat: Es gibt heute mindestens 10.852 große, öffentlich bekannte Rechenzentren in 174 Ländern. Und das ist nicht das Problem. Das Problem ist, dass weitere 7.250 neue Projekte geplant sind – zwei Drittel davon in Nordamerika.
Die Green Web Foundation hat im April 2026 ihren ersten „State of the Fossil-Free Internet"-Bericht veröffentlicht. Der Untertitel sagt alles: „The Dirty Data Centre Edition".
KI treibt den Energiehunger ins Extreme
Was den aktuellen Boom von früheren Wachstumsphasen unterscheidet: Die neuen Rechenzentren für generative KI sind nicht nur mehr, sie sind auch deutlich größer und energiehungriger. Sogenannte Hyperscale-Rechenzentren – davon gibt es mindestens 1.297 weltweit, dreimal so viele wie noch vor sieben Jahren – können so viel Strom und Wasser verbrauchen wie ganze Städte.
Ein konkretes Beispiel aus dem Bericht: Metas geplantes Rechenzentrum „Hyperion" in Louisiana soll mehr als 10 Milliarden Dollar kosten und von drei neuen Gaskraftwerken versorgt werden. Der Jahresverbrauch könnte dem von Los Angeles nahekommen. Das Gelände wäre etwa ein Fünftel so groß wie Manhattan.
In den USA stammt inzwischen mehr als die Hälfte des erwarteten Energiemehrbedarfs aus Rechenzentren. In Europa steigt ihr Anteil am Gesamtstromverbrauch von derzeit 2 % auf voraussichtlich 5 % bis 2030.
Grüne Versprechen, steigende Emissionen
Alle drei Unternehmen haben ambitionierte Klimaziele angekündigt. Google will bis 2030 netto null erreichen, Microsoft will bis 2030 sogar „carbon negative" sein. Die tatsächlichen Emissionen aber steigen – deutlich schneller, als erneuerbare Energie eingekauft werden kann.
Ein Teil des Problems: Die Unternehmen kaufen sogenannte „unbundled certificates" – Zertifikate, die Ökostrom bescheinigen, ohne dass dieser tatsächlich zu dem Zeitpunkt und an dem Ort genutzt wird, wo der Strom verbraucht wird. Das ist schwer nachzuweisenes Greenwashing, weil die Transparenz fehlt.
Was wir tun können
Der Bericht skizziert drei Handlungsfelder: Energiebedarf senken, Energie fossilfrei machen, Tech demokratisieren. Für uns als Website-Betreiber und Entwickler bedeutet das vor allem: beim Einsatz von KI-Tools bewusster werden. Nicht jeder Anwendungsfall braucht ein großes generatives Modell – traditionelle KI und kleinere, feinabgestimmte Modelle verbrauchen einen Bruchteil der Energie.
Und beim Hosting: Die Green Web Foundation betreibt ein Verzeichnis geprüfter grüner Hoster. Wer dort noch nicht nachgeschaut hat, sollte das tun.
Den vollständigen Bericht – mit Datenvisualisierungen, über 140 Quellenangaben und konkreten Handlungsempfehlungen – gibt es kostenlos bei der Green Web Foundation: fossilfree.greenweb.org/2026
