Was kostet ein Rechenzentrum? Frag in Irland nach

360 Euro. So viel haben irische Haushalte zwischen 2015 und 2023 im Schnitt mehr für Strom gezahlt – wegen Rechenzentren. Kumulativ entzog der Sektor 715 Millionen Euro aus den Haushalten des Landes. Nicht als direkte Abgabe, sondern still und leise, versteckt im Großhandelspreis.

Der Mechanismus ist simpel: Rechenzentren verbrauchen konstant und rund um die Uhr Strom – unabhängig vom Bedarf, unabhängig von Erneuerbaren im Netz. 2024 fraßen sie 22 Prozent des irischen Gesamtstromverbrauchs – mehr als alle städtischen Haushalte der Insel zusammen. Wenn der Wind nicht weht, muss Gas einspringen. Gas ist teuer, volatil, und je öfter es als Preissetzer im Markt wirkt, desto teurer wird Strom für alle.

Deutschland: Noch nicht Irland – aber der Weg ist sichtbar

Ich will ehrlich sein: Deutschland ist heute nicht in der Situation Irlands. Rechenzentren machen hierzulande aktuell wenige Prozent des nationalen Stromverbrauchs aus – gemessen am Gesamtnetz von rund 437 Terawattstunden im Jahr 2025 kein dominierender Faktor.

Aber es gibt eine versteckte Subvention, die kaum jemand kennt. Energieintensive Großkunden – darunter Rechenzentren – zahlen in Deutschland reduzierte Netzentgelte. Die entstehenden Kosten werden per Umlage auf alle anderen Verbraucher verteilt. 2026 sind das 1,56 Cent pro Kilowattstunde – auf jeder deutschen Stromrechnung. Klein, aber vorhanden: Die Subventionierung läuft bereits.

Dazu kommt der Ausbau. Die Europäische Kommission will die Rechenzentrumskapazität in Europa bis 2030 verdreifachen. Frankfurt ist bereits Europas größter Datenknotenpunkt. Dass Anwohner in Maintal, Groß-Gerau und Bad Vilbel gerade lautstark gegen neue Anlagen protestieren, bekommt vor dem irischen Hintergrund eine neue Dimension: Sie kämpfen vielleicht nicht nur gegen Lärm und Flächenverbrauch, sondern auch gegen künftige Strompreise.

Was Datensparsamkeit wirklich bringt

Ich sage nicht: Lösch deine E-Mails und deine Stromrechnung sinkt. Das wäre unehrlich. Der Hebel ist systemisch, nicht individuell.

Aber systemische Effekte entstehen durch aggregiertes Verhalten. 80 Prozent der gespeicherten Daten in Unternehmen werden laut IBM nie wieder abgerufen. Veritas Technologies hat berechnet, dass allein 2020 dieser Dark Data weltweit 5,8 Millionen Tonnen CO₂ verursachte. Das Umweltbundesamt beziffert den Speicheraufwand für Online-Daten auf 105 bis 153 Kilogramm CO₂ pro Terabyte pro Jahr.

Wenn Unternehmen Datenmüll löschen, sinkt der Speicherbedarf. Wenn der Speicherbedarf sinkt, brauchen wir weniger Rechenzentren. Wenn wir weniger Rechenzentren brauchen, verringert sich der Druck auf das Stromnetz. Das ist keine Utopie – das ist Physik.

Tipp
Inventarisiere den Datenspeicher deines Unternehmens: Wie viel davon wurde in den letzten zwei Jahren nicht mehr angerührt? Alles was älter als drei Jahre ist und nie abgerufen wurde, ist ein Kandidat zum Löschen. Das Umweltbundesamt rechnet mit 105–153 kg CO₂ pro Terabyte und Jahr für Online-Speicher – jedes gelöschte Terabyte zählt.

Quellen: The Cost of Data Centres – Friends of the Earth Ireland · Data-centre energy demand adds hundreds of euro to home electricity bills – Irish Times · As Europe bets on AI and data centres, Ireland shows the risk – Beyond Fossil Fuels