5 Datenformate für den digitalen Friedhof

Solofolge

Zwei Jahre nach der Erstausstrahlung habe ich meine eigenen Wünsche überprüft: WebP und AVIF liegen inzwischen bei über 95 Prozent globaler Unterstützung, LinkedIn kann endlich WebP und Photoshop beherrscht AVIF nativ. Nur ein Format hängt trotz aller Ankündigungen weiter am Tropf. Ich ziehe Bilanz, was sich beim digitalen Friedhof der Datenformate seit 2024 wirklich verändert hat.

Für Bilder, Schriften, Audio- und Video-Dateien gibt es inzwischen zahlreiche Formate, die nativ in modernen Browsern unterstützt werden. Doch brauchen wir einige alte Formate heute überhaupt noch? Oder sollten sie durch moderne und datensparsamere ersetzt werden, die teilweise auch mehr Funktionen bieten? In dieser Folge stelle ich 5 Formate vor, die auf neuen Webseiten nicht mehr verwendet werden sollten. Aber auch auf bestehenden kann ein Ersatz Sinn machen für schnellere Ladezeiten.

Shownotes:

Meine Wünsche von 2024 sind eingetroffen, schneller als erwartet

Zwei Jahre sind seit der Erstausstrahlung vergangen, und ich muss zugeben: Die Realität hat mich überholt. WebP liegt laut caniuse.com inzwischen bei 96,82 Prozent globaler Unterstützung, AVIF bei 95,36 Prozent. Beide Formate sind damit heute so kompatibel wie JPEG selbst. Das Kompatibilitätsargument, das ich 2024 schon für ein Scheinargument gehalten habe, lässt sich also mit noch härteren Zahlen entkräften als damals.

Info
Korrektur zur Erstausstrahlung: 2024 habe ich empfohlen, AVIF nur für das LCP-Element einzusetzen, weil die Unterstützung noch zu lückenhaft war. Bei 95,36 Prozent globaler Abdeckung würde ich diese Einschränkung heute nicht mehr treffen.

Auch zwei konkrete Wünsche aus der Folge sind eingetroffen. LinkedIn unterstützt seit Dezember 2024 WebP beim Teilen von Links, AVIF fehlt dort zwar noch, aber die praktischste Hürde für Unternehmensseiten ist gefallen. Und Photoshop, das ich damals noch als Softwarelücke genannt habe, beherrscht seit Version 26.8 aus dem Sommer 2025 AVIF und sogar JPEG XL nativ. Wer heute noch mit fehlender Software oder Kompatibilität als Argument bei JPEG bleibt, hat schlicht nicht aktualisiert, weder die Software noch die eigene Einschätzung.

JPEG XL zeigt, wie schwer ein Formatwechsel wirklich ist

Nicht jeder Wunsch ist aufgegangen. JPEG XL, das ich mir 2024 als kommendes Apple-Format vorgestellt habe, kommt laut caniuse.com gerade einmal auf 14,63 Prozent globale Unterstützung. Safari unterstützt es seit Version 17 nur teilweise, Chrome hat den Decoder zwar wieder eingebaut, aber standardmäßig deaktiviert, und Firefox verzichtet weiterhin komplett darauf. Ein Format, das sich bei drei der vier großen Browser nur über einen Schalter in den Entwicklereinstellungen erreichen lässt, ist für den produktiven Einsatz noch nicht reif, ganz unabhängig davon, wie gut sein Kompressionsalgorithmus ist.

Tipp
Bevor Du ein neues Format einführst, wirf einen Blick auf caniuse.com und prüfe Deine eigenen Logfiles. Erst wenn beides für Dein Publikum passt, lohnt sich der Umstieg, sonst brauchst Du ohnehin einen Fallback.

Was diese zwei Jahre eigentlich zeigen: Der Formatwechsel bei Bildern war nie eine Frage der Technik, sondern der Trägheit. Sobald die großen Plattformen und Werkzeuge nachziehen, kippt die Kompatibilitätsfrage von einem echten Hindernis zu einer reinen Gewohnheitsfrage. Bei den Schriftformaten gilt das längst: WOFF2 kommt laut caniuse.com auf 97,02 Prozent, EOT, TTF und OTF haben dort nichts mehr zu suchen. Bei GIF und ICO bleibt meine Empfehlung von 2024 unverändert, allerdings mit einer Ergänzung: Die konsequenteste Reduktion ist nicht das modernere Format, sondern die Frage, ob Du das Icon, die Animation oder das Bild überhaupt brauchst. Suffizienz schlägt Effizienz, auch zwei Jahre später noch.