Videos selbst hosten: SD als Standard, Laden erst per Klick

Ein eingebettetes YouTube-Video ist der bequemste Weg, ein Video auf die eigene Website zu bringen. Und einer der teuersten: Schon beim Seitenaufruf lädt der Player Skripte und baut Verbindungen zu Google auf, auch wenn niemand auf Play klickt. Für meine Keynote auf der Presseseite gehe ich deshalb einen anderen Weg. Bevor jemand das Video startet, lädt die Seite dafür genau ein Vorschaubild: 33 KB im WebP-Format. Sonst nichts.

Die Voreinstellung entscheidet

Die meisten Menschen schauen ein Video in der Qualität, in der es startet. YouTube wählt sie automatisch, und bei schneller Leitung landet man nach meiner Erfahrung oft in HD. Mein Player startet dagegen in SD. Wer mehr Schärfe möchte, wechselt per Klick im Player auf HD oder Full HD.

Was das ausmacht, zeigt die Keynote mit 8:16 Minuten Laufzeit:

QualitätAV1H.264 (Fallback)
SD11,5 MB18,5 MB
HD18 MB30 MB
Full HD31 MB101 MB

Wer die Keynote in SD mit AV1 schaut, lädt knapp 1,4 MB pro Minute. In Full HD mit H.264 wäre es fast neunmal so viel. Bei einem Vortrag, in dem vor allem ich spreche, bringt die höhere Auflösung kaum zusätzlichen Nutzen.

Zwei Codecs, ein Werkzeug

AV1 ist ein moderner, lizenzfreier Video-Codec, der bei vergleichbarer Qualität deutlich kleinere Dateien erzeugt als das ältere H.264. Nicht jedes Gerät kann AV1 abspielen. Deshalb liegt jede Qualitätsstufe zusätzlich als H.264-Datei bereit, die der Browser nur abruft, wenn er mit AV1 nichts anfangen kann. Beide Varianten stecken im MP4-Format, das praktisch jeder Browser kennt. Ich gehe davon aus, dass die Fallback-Dateien selten bis nie gebraucht werden.

Tipp
Alle Varianten erzeuge ich aus dem Originalvideo mit ffmpeg, einem kostenlosen Werkzeug für die Kommandozeile. Ein Befehl pro Qualitätsstufe und Codec, danach liegen die Dateien fertig auf dem Server. Wenn Du ffmpeg noch nicht kennst: Lass Dir die passenden Befehle von einer KI Schritt für Schritt erklären.

Untertitel für alle

Seit dem 16. Oktober 2026 hat die Keynote Untertitel. Hörgeschädigte Menschen können den Vortrag so verfolgen, und alle anderen auch dann, wenn sie den Ton gerade nicht einschalten können, etwa im Zug oder im Großraumbüro. Grundlage ist ein Transkript, das ich mit Castmagic erstelle. Die Untertitel selbst sind eine einfache Textdatei, die neben dem Video auf dem Server liegt.

Kein Banner, keine Werbung, keine Ablenkung

Das Video liegt auf meinem eigenen Server, der Player setzt keine Cookies, und es gehen keine Daten an Dritte. Deshalb brauche ich dafür weder Cookie-Banner noch Zwei-Klick-Lösung. Dazu kommt etwas, das in Datenschutzdebatten oft untergeht: Vor meinem Video läuft keine Werbung, und am Ende schlägt kein Algorithmus das nächste Video vor. Wer meine Keynote schaut, bleibt bei meiner Keynote.

Achtung
Selbst hosten hat Grenzen. Der Datenverkehr läuft über Deinen eigenen Server, es gibt kein adaptives Streaming, das die Qualität an schwankende Verbindungen anpasst, und die Reichweite von YouTube fehlt. Mein YouTube-Kanal bleibt deshalb vorerst zusätzlich bestehen. Für Videos, die selten abgerufen werden, wie eine Keynote auf einer Presseseite, reicht eigenes Hosting aber völlig aus.

Was Du heute tun kannst

Öffne eine Seite mit eingebettetem YouTube-Video, starte die Entwicklertools Deines Browsers und schau in den Netzwerk-Tab, ohne das Video anzuklicken. Zähle die Anfragen und die Datenmenge. Dann mach dasselbe auf meiner Presseseite. Für die meisten Videos auf Unternehmenswebsites reichen ein Vorschaubild, eine SD-Datei und ein Klick.

Die nachhaltigste Video-Implementierung ist die, die erst lädt, wenn jemand wirklich zuschauen will.


Quellen: Meine Keynote auf der Presseseite · FFmpeg · W3C Web Sustainability Guidelines