FritzBox-DNS-Filter: Albtraum für das Online-Marketing?

Ein Adblocker, den niemand installieren muss

Neun Prozent. So viele DNS-Anfragen hat der neue Filter der FritzBox in einem Test von inside digital innerhalb von fünf Tagen unterdrückt. Jede davon ist eine Verbindung zu einem Werbe- oder Trackingserver, die nie zustande kam. Seit Ende September verteilt FRITZ! das Update auf FRITZ!OS 8.50, zuerst für die FritzBox 7690. Weitere Modelle sollen in den kommenden Wochen folgen.

Im September habe ich den DNS-Filter vorgestellt und gezeigt, wo er beim Fernseher an Grenzen stößt. Jetzt ist er aus dem Labor heraus, und mich interessiert eine andere Frage: Was passiert mit der Werbung auf Webseiten?

Werbenetzwerke trifft es am härtesten

Der Filter unterscheidet nicht zwischen Fernseher und Laptop. Er sperrt Domains, egal welches Gerät fragt. Genau darauf baut die Display-Werbung auf: Ad-Server, Werbebörsen, Retargeting-Dienste und Tracking-Pixel kommen fast immer von fremden Domains und stehen deshalb auf den großen Sperrlisten. inside digital hat die Liste OISD „big“ mit rund 237.000 Domains eingebunden. Klassische Werbebanner verschwanden zuverlässig.

Für das Online-Marketing ist das der eigentliche Einschnitt. Einen Browser-Adblocker installieren nur Menschen, die ihn wollen. Den Router-Filter schaltet eine Person ein, und dann gilt er für die ganze Familie oder das ganze Büro. Mit den Bannern fallen Conversion-Pixel und Analyse-Tags weg. Kampagnen erreichen weniger Menschen, und die Messung bekommt Löcher, die im Dashboard niemand sieht.

Info
Die FritzBox zeigt nur, wie viele Anfragen sie blockiert hat, nicht welche. Funktioniert eine Seite nicht mehr, hilft nur Ausprobieren.

Medienseiten und Pay or OK: Werbung weg, Artikel oft auch

Auf großen Nachrichtenseiten ist der Filter kein stiller Helfer. Im Test waren Bild, B.Z. und einige Technikmagazine nicht mehr lesbar. Statt des Artikels erschien die Bitte, den Adblocker abzuschalten. Viele Verlage prüfen, ob ihre Werbeskripte geladen wurden. Ob der Blocker im Browser oder im Router sitzt, ist ihnen egal. Es gibt sogar fertige Skripte, die gezielt DNS-Blocker erkennen.

Bei Seiten mit Pay or OK erwarte ich zwei Fälle. Klickst Du auf OK, bleiben die Werbeskripte trotzdem gesperrt, und die Seite fordert Dich zum Abschalten oder zum Abo auf. Liegt dagegen ein Teil des Consent-Banners auf einer gesperrten Domain, lässt sich das Banner gar nicht bedienen. Genau davon berichten Pi-hole-Nutzer. Mit einem Pur-Abo ändert sich kaum etwas, weil dort ohnehin keine Werbung lädt.

Eine Ausnahme für die Nachrichtenseite selbst hilft übrigens nicht. Gesperrt sind ja die Domains der Werbedienstleister. Gibst Du die frei, ist die Werbung auf allen Seiten zurück, die dieselben Dienste nutzen.

Wer auf Drittanbieter verzichtet, verliert nichts

Für Website-Betreiber steckt darin eine klare Botschaft. Ein DNS-Filter kann nur sperren, was von fremden Domains kommt. Wer seine Statistik selbst hostet, wie ich mit Matomo auf meiner eigenen Domain, Schriften lokal ausliefert und auf Werbenetzwerke verzichtet, dessen Seite sieht mit und ohne Filter gleich aus. Das ist Suffizienz in ihrer praktischsten Form: Anfragen, die gar nicht erst entstehen, kann auch niemand blockieren.

Die Werbebranche wird reagieren, etwa indem sie Werbung und Messung über die Domain des Verlags ausliefert. Das Wettrüsten hat gerade erst begonnen.

Tipp
Prüf Deine eigene Website: Öffne die Entwicklertools Deines Browsers, Reiter Netzwerk, und lade die Seite neu. Jede fremde Domain in der Liste ist ein Kandidat für eine Sperrliste.

Ein Grund für einen neuen Router?

Nicht jede Box bekommt den Filter. Laut inside digital erhält offenbar nicht jedes Modell mit FRITZ!OS 8.50 auch diese Funktion. Wer ohnehin über einen neuen Router nachdenkt, hat damit ein Argument. Im Heimnetz und im kleinen Büro senden Fernseher, Drucker, Kameras und Apps laufend Daten an Tracking-Dienste. Einen Adblocker kannst Du darauf nicht installieren. Der Router ist die einzige Stelle, an der Du diese Wanzen bremsen kannst.

Ich habe im Büro eine FritzBox 7590. Für sie gibt es 8.50 bisher nur als Laborversion, die reguläre Version steht noch aus. Sobald sie da ist, teste ich, wie sich die großen Nachrichtenseiten mit Pay or OK verhalten, und berichte hier. Natürlich sollte man das mit Bedacht machen, denn manche kleineren Webseiten werden ohne Werbeeinnahmen aus solchen Netzwerken nicht mehr betrieben werden können.

Weniger nervige Werbung im Netz ist ein Gewinn. Wer Werbung, Messung und Consent an fremde Domains auslagert, hat sein Geschäftsmodell auf eine Leitung gebaut, die ab jetzt jeder moderne Router kappen kann.


Quellen: inside digital: FritzOS 8.50 – Dieses neue FritzBox-Feature hat nicht nur Vorteile · t3n: Fritzbox als Werbeblocker · t3n: FritzOS 8.50 in der Beta · FRITZ!: DNS-Filter in FRITZ!Box einrichten · Pi-hole-Forum: Consent-Banner und DNS-Blocker · ad-blockguard: Erkennung von DNS-Blockern · Mein Artikel vom September