Podcast selbst hosten: Opus, Hugo und kein Abo mehr

1,39 GB: So viel Audio lag für meinen Podcast „Web, But Green!“ bei Podigee. Heute hört man dieselben 82 Folgen im Player auf meiner Website mit 0,42 GB. Das ist knapp ein Drittel. Gleichzeitig habe ich das Abo gekündigt. Feed und Audiodateien liegen jetzt auf meinem eigenen Server.

Warum ich gekündigt habe

Podigee hat den Preis kürzlich auf 19 Euro im Monat erhöht, also 228 Euro im Jahr. Gleichzeitig wurde die Leistung kleiner: Ältere Statistiken sind nicht mehr abrufbar. Mein Podcast pausiert gerade, ich hätte also jeden Monat für ein Archiv bezahlt, das sich nicht mehr ändert.

Jetzt laufen Feed und Audio auf meinem Server mit, der ohnehin läuft. Ein zusätzlicher Tarif fällt dafür nicht an. Und die Zugriffe werte ich selbst in den Logdateien aus. Wie lange ich diese Zahlen aufbewahre, entscheide ich, nicht ein Anbieter mit neuem Preismodell.

Ein Feed aus einer einzigen Datei

Meine Website baue ich mit Hugo, einem Generator für statische Seiten. Alle Angaben zu den Folgen stehen in einer einzigen Textdatei: Titel, Beschreibung, Laufzeit, Dateigrößen. Daraus erzeugt Hugo bei jedem Bau den Podcast-Feed, die Folgenseiten und den Player. Doppelte Datenpflege gibt es nicht mehr.

Der Feed selbst ist nichts Geheimnisvolles. Er ist eine XML-Datei nach dem offenen RSS-Standard. Apple Podcasts, Spotify und jede andere App lesen ihn genauso, egal ob er bei einem Hoster liegt oder bei mir. Genau das meine ich mit digitaler Souveränität: Mein Podcast hängt an einer Adresse, die mir gehört. Und neue Folgen kann ich einfach selbst veröffentlichen.

Tipp
Beim Umzug musst Du den Plattformen die neue Feed-Adresse mitteilen. Am sichersten trägst Du sie direkt in Apple Podcasts Connect und in Spotify for Creators ein. Leitet Dein alter Hoster den Feed weiter, achte auf eine dauerhafte Weiterleitung mit dem Statuscode 301. Eine 302 gilt nur als vorübergehend.

Weniger Daten pro Folge

Vor dem Umzug habe ich alle Dateien mit ffmpeg neu kodiert, einem kostenlosen Werkzeug für die Kommandozeile. Die MP3s haben jetzt 64 kbit/s. Allein das hat das Archiv von 1,39 auf 0,82 GB verkleinert, ein Minus von 41 Prozent.

Zusätzlich liegt jede Folge im Format Opus mit 32 kbit/s bereit. Opus ist ein offener, lizenzfreier Audio-Codec, der für die Übertragung von Sprache und Musik im Netz entwickelt wurde. Alle 82 Folgen zusammen brauchen damit nur noch 0,42 GB, rund 70 Prozent weniger als bei Podigee. Für eine durchschnittliche Folge von 21 Minuten heißt das: früher etwa 17 MB, heute 5,1 MB.

Im Player auf meiner Website ist Opus deshalb der Standard. Wer lieber MP3 hört, wechselt mit einem Klick, und der Browser merkt sich die Wahl. Kann ein Browser kein Opus abspielen, bekommt er automatisch die MP3. Geladen wird ohnehin erst, wenn jemand auf Play drückt. Als Überschlagsrechnung: Pro 1.000 Abrufe im Player spart Opus rund 5 GB gegenüber meiner neuen MP3.

Achtung
Podcast-Apps holen weiterhin die MP3 aus dem Feed, weil nicht jede App Opus abspielt. Die Ersparnis durch Opus wirkt also nur im Player auf der Website. Und selbst hosten heißt auch, selbst aufzupassen: Bei mir hat das nächtliche Deploy-Skript anfangs den Audio-Ordner gelöscht, weil er nicht von Hugo stammt. Eine Zeile im Skript hat das behoben.

Was noch fehlt

Eine Lücke bleibt: Transkripte. Apple Podcasts und Spotify erzeugen inzwischen automatisch Transkripte, aber nur in ihren eigenen Apps. Auf meiner Website gibt es den gesprochenen Text noch nicht. Das steht auf meiner Liste, auch wenn 28 Stunden Audio eine Menge Arbeit sind.

Was Du heute tun kannst

Schau in Deinen Podcast-Hoster: Was zahlst Du im Monat, und was bekommst Du dafür? Prüf dann die Bitrate Deiner Folgen. Liegt sie bei 128 kbit/s oder höher, obwohl fast nur gesprochen wird, lohnt sich ein neuer Durchlauf mit ffmpeg. Ich nutze 64 kbit/s für MP3 und 32 kbit/s für Opus.

Ein Podcast-Archiv braucht kein Abo, sondern eine Textdatei und einen Server, der ohnehin läuft.


Quellen: Mein Podcast „Web, But Green!“ · Opus Interactive Audio Codec · FFmpeg · Apple: RSS-Feed-URL ändern · Macwelt: Apple-Transkripte in iOS 17.4 · hifi.de: Spotify führt automatische Transkripte ein