Fünf Checklisten nach der Aktionswoche
Die CDR-Initiative hat nach dem Digitalen Datenputz 2026 fünf Checklisten veröffentlicht: E-Mails, Clouds und Laufwerke, nachhaltiges Arbeiten, Datenschutz und digitale Entlastung. Ich habe alle fünf gelesen. Die Tipps sind solide, praxisnah und für Teams sofort nutzbar.
Am stärksten finde ich die Liste zu Datenschutz und Sicherheit. Alte Bewerbungsunterlagen, Passwörter in Tabellen, Scans von Ausweisen, öffentliche Cloud-Links, die niemand mehr braucht: Hier ist Löschen tatsächlich die beste Maßnahme. Jede Datei, die nicht mehr existiert, kann auch nicht mehr abfließen.
Trotzdem legen die Listen ihren Schwerpunkt dorthin, wo der Klimahebel eher klein ist.
Ruhende Daten sind nicht das Hauptproblem
Der größte Teil der Tipps zielt auf Daten, die herumliegen: alte Mails, Duplikate, abgeschlossene Projektordner, der Papierkorb. Für Übersicht und Datenschutz ist das richtig. Für den Energiebedarf ist eine Datei, die niemand anfasst, aber vergleichsweise genügsam.
Aufwand entsteht vor allem, wenn Daten sich bewegen oder verarbeitet werden. Ein Ordner, der auf fünf Geräte synchronisiert wird. Jede Änderung, die in mehrere Backups wandert. Die Videokonferenz, bei der alle Kameras laufen. Der Newsletter, der jede Woche an Tausende Postfächer geht. Wie groß der Unterschied zwischen ruhenden und bewegten Daten genau ist, hängt stark vom System und vom Rechenweg ab. Belastbare Pauschalwerte gibt es dafür nicht, die Richtung ist aber klar.
Die Checklisten kennen diese Datenflüsse durchaus. Kamera aus bei Vorträgen, geringere Videoauflösung, Newsletter abbestellen, große Dateien komprimieren, bevor sie in die Cloud synchronisiert werden. Nur stehen diese Punkte verstreut zwischen den Aufräumtipps. Ich würde die Reihenfolge umdrehen: zuerst abdrehen, was fließt, dann aufräumen, was liegt.
Abdrehen vor Aufräumen
Konkret heißt das für Dich:
- Synchronisation: Lade Dateien aus der Cloud nur bei Bedarf herunter, statt komplette Ordner auf jedes Gerät zu spiegeln. Die meisten Sync-Programme bieten das als Einstellung an.
- Anhänge: Ein Link statt eines Anhangs verhindert, dass dieselbe Datei in jedem Postfach liegt und dort überall mitgesichert wird.
- Video: Kamera aus als Standard, nicht als Ausnahme.
- Abos: Jeder abbestellte Newsletter stoppt einen Datenfluss dauerhaft. Eine gelöschte Ausgabe stoppt nichts.
Einen Tipp würde ich streichen: Suchmaschinen, die Bäume pflanzen. Das ist Kompensation, keine Vermeidung. An der Suchanfrage selbst ändert es nichts.
KI steht drin, aber das Wichtigste fehlt
KI fehlt in den Checklisten übrigens nicht. Checkliste 3 hat einen eigenen Abschnitt dazu, und die Tipps sind richtig: KI nur dort einsetzen, wo sie echten Mehrwert bringt, für einfache Fragen eine Suchmaschine nehmen, lokale Modelle bevorzugen. Lokal ist dabei der eigentliche Suffizienz-Tipp. Was auf dem eigenen Gerät läuft, schickt keine Daten ins Rechenzentrum.
Was fehlt, ist die KI, die niemand bewusst aufruft. Viele Mailprogramme, Office-Pakete und Videokonferenz-Tools haben inzwischen KI-Funktionen eingebaut, die automatisch Mails zusammenfassen, Meetings mitschreiben oder Dokumente auswerten. In den meisten Fällen gehen die Inhalte dafür an ein Rechenzentrum, auch wenn das Ergebnis nie jemand liest. Das ist zugleich eine Energiefrage und eine Datenschutzfrage. Und es gehört genau in eine Datenputz-Aktion. Wie mühsam das Abschalten auf Ebene des Betriebssystems sein kann, habe ich vor Kurzem beschrieben.
Ein aufgeräumtes Postfach ist gut für den Kopf. Für das Klima zählt vor allem, was gar nicht erst unterwegs ist.
Quellen: CDR-Initiative: Fünf Checklisten für den Digitalen Datenputz · IEA: Energy and AI, Executive Summary
