Sind rechtskonforme Webseiten umweltfreundlicher?

In dieser Folge spreche ich mit Elisa Drescher, Juristin, zertifizierte Datenschutzbeauftragte und Co-Gründerin von SCALELINE Datenschutz, über die Verbindung zwischen Rechtskonformität und digitaler Nachhaltigkeit. Wir reden über Cookie-Banner, Green-Hosting-Siegel, Google Fonts und darüber, wie schnell man als Website-Betreiber in rechtliche Grauzonen gerät.
Shownotes:
Cookies werden 30 Jahre alt – Grund zum Feiern?
Das erste Cookie wurde 1994 im Netscape-Browser gesetzt, ganz ohne offizielle Web-Spezifikation. Heute, 30 Jahre später, frage ich mich mit Elisa: Ist das ein Grund zum Feiern oder zum Sorgen? Ihre Antwort als Datenschutzjuristin ist differenziert: Jede Technologie ist so gut oder schlecht wie ihr Einsatz. Problematisch wird es erst, wenn Cookie-Banner nur zum Schein rechtskonform aussehen, technisch aber trotzdem Daten sammeln, bevor überhaupt eine Einwilligung vorliegt.
Woran Du unsauberer Cookie-Banner erkennst
Elisa nennt mir drei einfache Warnsignale: ein winziger Hinweis statt eines echten Bundles, bereits angehakte Marketing-Cookies und sogenanntes Nudging, bei dem der Zustimmen-Button farblich viel positiver gestaltet ist als der Ablehnen-Button. Elisa kennt aus ihrer Praxis eine aktuelle Untersuchung aus Österreich, nach der ein Großteil der untersuchten Online-Shops in genau diesem Sinn nicht sauber ist. Nur eine Minderheit hat ihre Hausaufgaben wirklich gemacht.
Grünes Hosting ohne Nachweis ist Greenwashing
Ein Punkt, der mich in der Beratung regelmäßig beschäftigt: “Green Hosting” ist kein geschützter Begriff, genauso wenig wie “klimaneutral”. Es gab bereits Siegel, die zurückgezogen wurden, weil sie nur auf Selbstauskunft beruhten und schon wenige Prozent Ökostromanteil ausreichten. Elisas und meine gemeinsame Empfehlung: Nutze die Datenbank der Green Web Foundation als ersten Filter und prüfe danach direkt auf der Website Deines Hosters, ob ein echtes, aktuelles Stromzertifikat verlinkt ist.
Google Fonts, YouTube & Co.: jedes eingebundene Element ein Risiko
Schon ein eingebettetes YouTube-Video setzt 15 bis 20 Cookies, auch im erweiterten Datenschutzmodus. Elisas Rat an ihre Kunden: einfach verlinken statt einbetten, das spart Cookies, Datenschutzaufwand und Datenübertragung gleichzeitig. Google Fonts sollten aus Datenschutz- wie aus Nachhaltigkeitssicht lokal eingebunden werden, denn jeder externe Server-Request ist Übertragungsvolumen, das nicht sein müsste. Wie ernst das werden kann, zeigt ein Fall aus Elisas Praxis: Ein Kunde konnte die eingebundenen Google Fonts aus seinem WordPress-Theme technisch nicht entfernen und hat seine Website deshalb vorübergehend offline genommen.
Weniger speichern ist immer nachhaltiger
Am Ende schließt sich für mich der Kreis zwischen Recht und Umwelt genau an dieser Stelle: Was nicht gespeichert ist, kostet weder Strom noch Speicherplatz. Die DSGVO verlangt mit dem Recht auf Vergessenwerden ohnehin ein gutes Löschkonzept, und das ist gleichzeitig eine der einfachsten Nachhaltigkeitsmaßnahmen überhaupt. Mein Tipp für heute: Geh Deinen Cookie-Banner einmal kritisch durch, bevor es teurer wird als eine kurze Beratung.