Mehr Ökostrom nutzen (Impuls 01/24)

Ob zu Hause, unterwegs, im Unternehmen oder beim Nutzen von Webseiten und Online-Services - überall können wir mehr Ökostrom nutzen, wenn wir nachhaltigere Alternativen kennen oder bereit sind, Anbieter zu wechseln. Das geht alles ohne Verzicht, aber wir brauchen ein anderes Mindset bei unseren Online-Aktivitäten. In dieser Episode gibt Dir der CO₂-Doc 3 Impulse, wie Du das erreichen kannst.
Shownotes:
Strom fließt an drei Stellen
Wenn wir über den Stromverbrauch des Internets reden, denken die meisten an Rechenzentren. Das ist aber nur eine von drei Stellen. Die Daten müssen außerdem durch das Netz zu Deinem Gerät, und Dein Gerät braucht selbst Strom. Dazu kommen Herstellung und Entsorgung. Beim Ökostrom gibt es deshalb zwei Ebenen: Die eine liegt bei Dir zu Hause, die andere bei den Diensten, die Du nutzt.
Bei Dir selbst anfangen
Der einfachste Schritt ist so naheliegend, dass er oft übersehen wird: ein Ökostromtarif. Dann laufen Router, Laptop und das Laden Deines Smartphones automatisch mit grünem Strom, und das Gerät nimmt diesen Vorteil mit, wenn Du unterwegs bist.
Wer kann, erzeugt selbst. Unsere Balkon-Solaranlage liefert an guten Tagen ein bis zwei Kilowattstunden Strom. Für das Laden mehrerer Smartphones reicht das locker.
Wenn beides nicht geht, bleibt der Ausgleich über Klimaschutzprojekte, etwa für Moore, Hecken oder Aufforstung. Hier bin ich bewusst zurückhaltend. Eine Kompensation macht keine einzige Kilowattstunde grüner, sie verschiebt nur die Rechnung. Und längst nicht jedes Projekt hält, was es verspricht.
Bei den Diensten genau hinschauen
Die zweite Ebene ist spannender, weil Du sie kaum siehst. Deine Website, Dein Mailanbieter, Deine Cloud, Videokonferenzen, Canva, Slack: Alles läuft auf Servern, und Du weißt nicht, mit welchem Strom. Das lässt sich ändern.
Auf Siegel solltest Du Dich dabei nicht verlassen. Die meisten Nachhaltigkeitssiegel für Websites waren aus meiner Sicht schon immer reines Greenwashing. In der Folge nenne ich noch web4nature, an dem ich selbst mitgearbeitet habe, als eine der wenigen Ausnahmen. Inzwischen haben wir es eingestellt: Seit dem 27. September 2026 sind in der EU nur noch Siegel zulässig, die staatlich festgelegt sind oder auf einer unabhängigen Zertifizierung beruhen.
Das Tool ist nicht perfekt. Wenn es keinen Nachweis findet, heißt das nicht automatisch, dass die Seite nicht grün gehostet ist. Es heißt nur, dass der Anbieter es nicht belegt hat. Genau dann lohnt sich eine Nachfrage.
Nachfragen wirkt
Ich frage oft direkt nach. Ein veganes Restaurant, dessen Website mit Kohlestrom läuft? Das passt nicht zusammen, und die meisten Betreiber wissen es schlicht nicht. Viele wissen nicht einmal, wie es um ihre eigene Website steht. Eine freundliche Frage verblüfft mehr als jeder Vortrag.
Teste heute drei Websites, die Du regelmäßig nutzt, und frag bei einer davon nach.
Grüner Strom im Netz entsteht nicht durch Siegel, sondern durch Menschen, die nachfragen.