Dein Gerät ist nur die Spitze des Eisbergs
Das Smartphone in Deiner Hand ist der einzige Teil des Internets, den Du jeden Tag siehst. Es ist aber auch der kleinste. Darunter liegen Glasfasern, Netzknoten und Hallen voller Server, die rund um die Uhr laufen, gekühlt werden und Strom brauchen. Weil wir diesen Teil nie zu Gesicht bekommen, fühlt sich das Internet an wie etwas, das einfach da ist. Ohne Gewicht, ohne Ort, ohne Kosten.
Am Freitag, 6. November 2026, kannst Du Dir diesen unsichtbaren Teil ansehen. Zum Tag des offenen Rechenzentrums (TdoRZ) öffnen laut heise 22 Rechenzentren in 12 Städten ihre Türen. Veranstalter ist die German Datacenter Association (GDA), die den Aktionstag seit 2023 organisiert. Die Teilnahme ist kostenlos, Du musst Dich aber über tdorz.de um einen Platz bewerben. Viele Führungen sind schon ausgebucht. Stand 2. Oktober gab es noch freie Termine in Hamburg, Hannover und Nürnberg-Fürth.
Was ich bei Hetzner gelernt habe
Ich war im September 2024 im Hetzner-Rechenzentrum in Falkenstein. Davon erzähle ich in Folge 49 meines Podcasts. Drei Dinge sind mir hängen geblieben.
Datenschutz ist dort etwas Handfestes. Er beginnt am Zaun mit Zugangskontrollen und endet beim Schredder: Ausgemusterte Festplatten werden vernichtet, damit keine Kundendaten das Gelände verlassen.
Hardware lebt länger, als Du denkst. Hetzner betreibt Server, die bis zu 15 Jahre alt sind. Täglich werden in Falkenstein 600 bis 700 Maschinen außer Betrieb genommen. Sie werden zerlegt, viele Bauteile werden weiterverwendet.
Das Rechenzentrum spürt, was wir tun. Hetzner kommt auf einen PUE-Wert zwischen 1,10 und 1,16. Trotzdem zeigt die Stromkurve zu jeder vollen Stunde eine Spitze. Der Grund sind Cronjobs von Kunden, die ihre Backups aus Gewohnheit auf runde Uhrzeiten legen. Dieser Moment hat meinen Blick am stärksten verändert. Hinter jedem Klick steht eine Maschine, die darauf reagiert.
Frag bei Deinem Hoster nach
Die Liste beim TdoRZ besteht vor allem aus großen Colocation-Anbietern und Forschungsrechenzentren. Dein eigener Hoster ist vermutlich nicht dabei. Frag ihn trotzdem, ob Du einmal vorbeikommen kannst. Manche Hoster laden ihre Kunden zu eigenen Veranstaltungen ein, so wie Hetzner damals. Und selbst wenn die Antwort Nein lautet, hast Du gezeigt, dass Dich interessiert, wo Deine Daten liegen.
Der Dat-O-Mat: netter Einstieg mit Schwächen
Auf der TdoRZ-Website gibt es den Dat-O-Mat, einen Test mit 11 Alltagsfragen. Er zeigt Dir, ob Du eher analog oder digital lebst, und erklärt zu jeder Antwort, wie viele Daten dabei fließen. Das ist ein guter Anstoß, gerade für Leute, die sich noch nie gefragt haben, was ein Videocall im Hintergrund auslöst. Besonders gefällt mir, dass er immer auch die Variante ohne Rechenzentrum zeigt: das Buch, die CD, den Anruf beim Vater.
An einer Stelle liegt der Test aber daneben. Er behauptet, die Mediathek sei sparsamer als ein Streamingdienst, weil sie nicht in Echtzeit liefern müsse. Beides ist Abruf auf Anfrage, technisch gibt es da keinen Unterschied. Außerdem rechnet der Test nur mit Datenmengen. Der Energiebedarf der Netze wächst aber nicht im gleichen Verhältnis wie das Datenvolumen. Ein Teil davon fällt an, ob Daten fließen oder nicht. Nimm die Zahlen also als grobe Orientierung, nicht als Bilanz.
Eine kleine Ironie zum Schluss: Die Karte mit den teilnehmenden Standorten siehst Du auf tdorz.de erst, wenn Du Marketing-Cookies zustimmst. Die Liste der Rechenzentren findest Du zum Glück auch ohne.
Was bleibt
Wer einmal zwischen den Racks stand, sieht sein Smartphone anders. Nicht als Endpunkt, sondern als Fernbedienung für eine Infrastruktur, die bei jeder Anfrage anspringt. Genau das macht den Besuch so wertvoll: Er zeigt, warum die sparsamste Anfrage die ist, die gar nicht erst gestellt wird.
Quelle: heise online: Offene Rechenzentren: Viele Führungen am 6. November schon ausgebucht
