Mein Besuch im Hetzner-Rechenzentrum Falkenstein

Solofolge

Rund 400 Leute durften einen Tag lang hinter die Zäune des Hetzner-Rechenzentrums in Falkenstein. Die wichtigsten Erkenntnisse steckten nicht in der neuesten Hardware, sondern in einem halb leeren Vortragssaal. Und eine davon setzt Du mit einer Minute Arbeit um.

Wir alle nutzen täglich das Internet. Aber die Wenigsten (mich eingeschlossen) haben jemals ein Rechenzentrum von innen gesehen, in dem die ganzen Daten liegen, die wir so generieren. Im Rahmen eines Kundenevents von Hetzner hatte ich im September die seltene Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. In dieser Episode schildere ich Dir meine Eindrücke.

Shownotes:

Der volle Saal und der halbe Saal

Im September 2024 durften rund 400 Leute einen Tag lang ins Rechenzentrum, alle Zahlen in diesem Text stammen von diesem Besuch. Beim Vortrag über neue Serverhardware war der Raum gut gefüllt. Als danach die Nachhaltigkeitsbeauftragte sprach, hatte sich der Saal gefühlt zur Hälfte geleert. Das kenne ich von fast jeder Konferenz: Beim Thema Nachhaltigkeit sitzt man in kleiner Runde. Dabei steckten gerade in diesem Vortrag die Punkte, an denen Du als Kunde selbst etwas bewegen kannst.

Was der PUE-Wert verrät und was nicht

Hetzner liegt mit seinen Rechenzentren bei einem PUE-Wert zwischen 1,10 und 1,16, der Durchschnitt in Deutschland bei etwa 1,6. Übersetzt heißt das, als grobe Überschlagsrechnung: Bei 1,6 fließen auf jede Kilowattstunde für die Server weitere 0,6 Kilowattstunden in Kühlung, USV und Gebäudetechnik. Bei 1,1 sind es nur noch 0,1. Der Overhead ist damit rund sechsmal kleiner. Möglich macht das unter anderem die Außenluftkühlung, die in Falkenstein 98 Prozent der Kühlung übernimmt, ohne Wasserverbrauch und ohne Kältemittel.

Nur: Der PUE-Wert misst, wie effizient das Gebäude die Server versorgt. Ob die Server etwas Sinnvolles rechnen, misst er nicht. Ein Backup, das niemand braucht, läuft in einem Rechenzentrum mit 1,1 genauso unnötig wie in einem mit 1,6. Die Frage, ob eine Rechenlast überhaupt sein muss, kann Dir kein Rechenzentrum abnehmen.

Info
Korrektur zur Folge: Im Audio spreche ich mehrfach von Falkenberg. Gemeint ist das Rechenzentrum in Falkenstein im Vogtland. Außerdem habe ich den PUE-Wert etwas umständlich erklärt. Richtig ist: PUE ist der gesamte Strombedarf des Rechenzentrums geteilt durch den Strombedarf der IT. Ein Wert von 1,0 wäre das theoretische Ideal, das in der Praxis nie erreicht wird.

Zwei Hebel, die bei Dir liegen

Der erste Hebel hat mich am meisten überrascht. Im Stromverbrauch der Rechenzentren zeigt sich zu jeder vollen Stunde eine Spitze, etwas schwächer zur halben und zur Viertelstunde. Das sind Cronjobs von Kunden wie Dir und mir: Backups, Seitengenerierung, Crawls. Wir legen sie aus Gewohnheit auf runde Uhrzeiten, und das Rechenzentrum muss diese Lastspitzen abfangen.

Tipp
Verschiebe Deine Cronjobs auf krumme Minuten, wenn es nicht auf die exakte Uhrzeit ankommt. Statt 0 6 * * * also zum Beispiel 11 6 * * * für 6:11 Uhr. Das kostet Dich eine Minute Arbeit.

Der zweite Hebel: Nicht jede Anwendung braucht die neueste Hardware. Hetzner betreibt Server, die bis zu 15 Jahre alt sind, und vermittelt zurückgegebene Maschinen über eine Serverbörse weiter. Von den rund 300.000 Servern in Falkenstein werden täglich 600 bis 700 außer Betrieb genommen. Sie landen nicht im Schredder, sondern werden zerlegt. Bauteile werden wiederverwendet oder sortenrein verkauft, nur die Festplatten werden aus Datenschutzgründen vernichtet. Für eine statische Website oder einen kleinen Mailserver reicht ein gebrauchter Server locker. Der Aufwand für seine Herstellung ist längst angefallen.

Die Daten gibt es, man muss nur fragen

Am Rande habe ich den Softwareleiter gefragt, ob Hetzner mir den Stromverbrauch meines Servers anzeigen kann. Erst ein überraschter Blick, dann die Antwort: Die Daten haben wir eigentlich alle. Genau das ist der Punkt. Hoster machen solche Werte zugänglich, wenn Kunden danach fragen. Große Kunden brauchen sie spätestens für ihren Nachhaltigkeitsbericht.

Frag Deinen Hoster also noch heute, ob er Dir den Stromverbrauch Deines Servers nennen kann. Jede Nachfrage macht die nächste Antwort wahrscheinlicher.

Das effizienteste Rechenzentrum nützt wenig, wenn wir es mit Arbeit füllen, die niemand braucht.