Digital Detox als Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit

Wir diskutieren, wie wir durch bewussten Umgang mit sozialen Medien und digitalen Geräten zu mehr Nachhaltigkeit beitragen können. Lisa teilt spannende Tipps für das persönliche Digital Detox, ihre Erfahrungen mit digitalem Minimalismus und wertvolle Einblicke, wie Unternehmen ihre Mitarbeiter besser schützen und für mehr Ruhezeiten sorgen können.
Shownotes:
Achtsamkeit statt Verzicht
Digital Detox klingt nach Verzicht: Handy weg, alle Geräte aus, ein Wochenende ohne alles. Lisa Lan Anja Hutterer ordnet das Thema anders ein. Sie ist Social-Media-Strategin, Dozentin und Speakerin, also jemand, der beruflich mitten in den Plattformen steckt. Für sie ist Digital Detox nur ein Teil eines größeren Themas: digitale Achtsamkeit. Es geht nicht darum, Geräte zu verteufeln, sondern einen bewussten Umgang mit ihnen zu finden.
Ihr erster Detox kam nach einem Job in einer Social-Media-Agentur. Sie löschte alle Apps, ließ nur einen Messenger übrig und schaute einmal am Abend hinein. Die überraschendste Erfahrung: wieder Langeweile zu spüren. Und zu merken, wie der Daumen nach etwas zum Klicken sucht, notfalls nach der Fernbedienung.
Die App-Tour
Ein Muster, das Lisa aus ihren Vorträgen kennt, fand ich besonders treffend: die App-Tour. Erst der Messenger, dann Instagram, dann LinkedIn, dann TikTok. Wer durch ist, kann nach 20 Minuten eigentlich wieder von vorn anfangen. Dieser unbewusste Umgang ist das eigentliche Problem, nicht die einzelne App.
Ich gehe radikaler vor. Ich entscheide sehr bewusst, welche Apps und Plattformen ich überhaupt in mein Leben lasse. Außer LinkedIn nutze ich kaum soziale Netzwerke, und ich habe noch nie in meinem Leben eine WhatsApp-Nachricht verschickt. Lisa hat einen pragmatischeren Weg gefunden: Sie ist aus allen Gruppenchats ausgetreten, die für sie nicht wirklich wichtig sind, und tritt keinen neuen mehr bei.
Jeder Account brennt wie Licht im Keller
Im Gespräch kam ein Aspekt dazu, der beim Thema Digital Detox oft fehlt: der Strom. Jeder Account, den wir nicht mehr nutzen, liegt weiter auf einem Server, rund um die Uhr, das ganze Jahr. Ich vergleiche das gern mit dem Licht im Keller, das brennen bleibt, obwohl man nur einmal kurz etwas holen wollte. Für Lisa war das neu, und so geht es den meisten. Wer einen alten Account löscht, kann sich vorher seine Daten schicken lassen. Viele staunen dann, wie viele Gigabyte da über die Jahre zusammengekommen sind.
Unternehmen in der Pflicht
Besonders wichtig fand ich den Teil über Unternehmen. Lisa erlebt in ihrem Umfeld fast schon digitales Burnout: Menschen, die von morgens bis abends in Meetings sitzen, Dutzende Mails am Tag beantworten und abends noch in Gruppenchats erreichbar sein sollen. Mitarbeitende sind eine Ressource, die ein Unternehmen schonen sollte.
Dafür braucht es Regeln. In manchen Unternehmen werden Mails von Vorgesetzten nach 18 Uhr erst am nächsten Morgen zugestellt. Ich habe mit meinen Entwicklern eine dreistufige Skala vereinbart: irgendwann erledigen, beim nächsten Arbeitsbeginn erledigen, oder es brennt wirklich. Lisa sieht vor allem die Vorgesetzten am Hebel, das Thema anzugehen, bevor das Team ausgebrannt ist.
Lisas Abschlussfrage nehme ich gern mit: Wann bist Du das letzte Mal ohne Handy aus dem Haus gegangen?
Wer bewusst offline geht, gewinnt mehr als Ruhe, er gewinnt Aufmerksamkeit zurück.