Valider Code ist klimafreundlicher Code

Code-Hygiene für HTML und CSS spielt heute fast nirgendwo mehr eine Rolle. Jens Oliver Meiert, Autor der aktuellen Google Fehlerseite, Code Minimalist und CSS-Künstler findet diese Entwicklung auch bedenklich. Denn valider Code spart Kosten, hilft bei der Erstellung barrierefreier Webseiten und führt zu einem geringeren Stromverbrauch.
Shownotes:
Zwei Jahre, keine einzige fehlerfreie Seite
Jens Oliver Meiert erhebt jedes Jahr denselben Datensatz: Er nimmt sich die 100 populärsten Websites vor und prüft, ob deren HTML und CSS validieren. In den beiden Jahren vor unserem Gespräch kam keine einzige davon fehlerfrei durch. Nicht eine. Das sind, wie er trocken anmerkt, ein paar der bestbezahlten Kollegen unserer Branche.
Ich habe vor der Aufnahme selbst den Validator auf die Google-Startseite losgelassen und 132 Fehler gezählt. Auf einer Seite, die im Wesentlichen aus einem Logo, einem Eingabefeld und zwei Schaltflächen besteht. Ausgerechnet das Unternehmen, das uns über PageSpeed Insights täglich Hausaufgaben erteilt.
Valide heißt nicht nachhaltig. Sparsam heißt aber valide
Der Titel dieser Folge ist verkürzt, und das gehört gesagt: Ein 4 MB großes Hero-Bild in einem perfekt validen Dokument bleibt ein 4 MB großes Hero-Bild. Validität misst keine Bytes. Jens Oliver differenziert das im Gespräch selbst für die Barrierefreiheit: Beide Themen haben strukturell erst einmal nichts miteinander zu tun, sie überlappen nur an einzelnen Punkten, etwa beim fehlenden alt-Attribut.
Umgekehrt trägt der Satz sehr wohl. Wer seinen Code so weit runterbricht, dass jedes Byte eine Begründung hat, landet fast zwangsläufig bei validem Markup, weil Fehler beim Aufräumen als Erstes auffallen. Ich habe bei unseren Google-Sitemaps allein durch das Weglassen aller Zeilenumbrüche rund 600 Kilobyte eingespart, und das CSS von analytik.news auf 20 Kilobyte gedrückt, indem ich Doppeldeklarationen entfernt habe. In beiden Fällen war Validität nicht das Ziel, sondern das Nebenprodukt.
Validität ist deshalb keine Ursache von Nachhaltigkeit, sondern ihr Nachweis: der billigste automatisierbare Beleg dafür, dass überhaupt jemand hingeschaut hat. Und noch etwas kommt hinzu, das im Gespräch nur angedeutet blieb. HTML ist fehlertolerant, und Jens Oliver hat recht, wenn er das ein Feature nennt. Aber diese Toleranz ist nicht kostenlos. Die Reparatur passiert nicht einmalig beim Deployment, sondern bei jedem einzelnen Aufruf im Parser jedes einzelnen Endgeräts. Ein Fehler wird nicht einmal behoben, sondern millionenfach.
Der Anreiz, den Validität nie hatte
Jens Oliver nennt es tragisch, und er hat recht: Für Validität gibt es aus Geschäftssicht kaum Argumente. Kein Kunde zahlt dafür, kein Tool erzwingt sie, es bleibt der Selbstanspruch des Entwicklers. Genau hier hat sich seit der Erstausstrahlung etwas verschoben. Nachhaltigkeit und Barrierefreiheit liefern das Argument nach, das Validität allein nie hatte, und sie liefern es an Menschen, die sich für Doctype-Deklarationen nicht interessieren.
Dein erster Schritt heute
Fang nicht damit an, alles zu reparieren. Fang damit an, die Zahl zu kennen.
Und dann die eigentlich interessantere Frage: Wie viel von diesem Code müsste überhaupt existieren? Der Validator zeigt Dir Fehler in dem, was Du ausgeliefert hast. Er zeigt Dir nicht, was Du gar nicht erst hättest ausliefern müssen.
Der sauberste Code ist der, den ich nie geschrieben habe. Der zweitsauberste ist der, den ein Validator ohne Beanstandung durchlässt.