Die nerdige Jubiläumsfolge 42

Solofolge

Nach 42 Folgen habe ich Bilanz gezogen: über 100 Stunden Arbeit, zwölf Interviews, null Bewertungen und ein verfehltes Hörerziel. Warum ich heute glaube, dass ich damals die falsche Kennzahl gewählt hatte, und was das mit Suffizienz zu tun hat.

1215 Minuten Sendezeit, 12 Interviews und deutlich mehr als 100 Stunden investierte Zeit sind nur ein paar Zahlen nach 42 Podcast-Folgen seit dem 9. November 2023. Aber was hat er mir, dem Thema und euch gebracht? Wie geht es weiter - bzw. geht es überhaupt weiter? Meine durchaus reflektierten und vielleicht überraschenden Gedanken und Einsichten möchte ich in dieser sehr persönlichen Ausgabe mit Dir teilen.

Shownotes:

Über 100 Stunden Arbeit für ein verfehltes Ziel

Ich hatte mir zum Start ein einziges Ziel gesetzt: 100 regelmäßige Hörer. Nach 42 Folgen, zwölf Interviews und deutlich mehr als 100 investierten Stunden hatte genau eine Folge diese Marke erreicht, nämlich die erste. Bewertungen auf den Podcast-Plattformen: null. Aufträge, die sich eindeutig auf den Podcast zurückführen lassen: praktisch keine.

Diese Folge war der Moment, in dem ich das offen ausgesprochen habe. Eingerahmt von zwei Zitaten, die sich widersprechen: Steve Jobs, der den Verrückten zutraut, die Welt zu verändern, und Eckart von Hirschhausen mit dem Satz „Es ist schwer, ehrenamtlich die Welt zu retten, wenn andere sie hauptberuflich zerstören.“ Zwischen diesen beiden Polen bewegt sich jedes Nebenprojekt mit Sendungsbewusstsein.

Die Kennzahl war falsch gewählt

Was die Hörerzahl nicht misst: Ich habe für jedes Interview das Buch meines Gastes gelesen. Ich habe gelernt, wie man aufnimmt, schneidet, transkribiert und Formate entwickelt. Ich werde als Podcaster anders wahrgenommen als als Buchautor, obwohl das Buch mehr Arbeit war. Und ein Drittel der Hörer kam über YouTube, obwohl es ein reiner Audio-Podcast ist.

Genau hier liegt mein Fehler von damals. Ich habe ein Nebenprodukt zur Hauptkennzahl gemacht. In meiner Beratung sage ich Kunden ständig, dass sie sich vor jeder Optimierung fragen müssen, ob sie überhaupt das Richtige messen. Auf mein eigenes Format hatte ich diese Frage nicht angewendet.

Suffizienz gilt auch für die eigene Reichweite

Und noch eine Rechnung habe ich damals nicht aufgemacht. Eine Folge von 29 Minuten wiegt als MP3 je nach Bitrate rund 20 bis 30 MB. Bei 100 Hörern fließen also gut 3 GB durchs Netz. Mein wöchentlicher Newsletter bei analytik.news geht an 25.000 Menschen und liegt bei wenigen Dutzend Kilobyte pro Ausgabe, macht knapp 1,3 GB. Das ist eine Überschlagsrechnung, keine Messung. Aber die Größenordnung sitzt: Der Newsletter erreicht das 250-Fache an Menschen und benötigt dafür weniger als die Hälfte der Daten.

Achtung
Das ist kein Argument gegen Podcasts. Es ist ein Argument dagegen, Formate zu addieren, ohne sie je wieder infrage zu stellen. Suffizienz endet nicht beim Hero-Bild. Sie fängt bei der Frage an, ob dieses Format überhaupt das richtige Werkzeug für diese Botschaft ist. Das sparsamste Medium ist das, für das ich mich bewusst nicht entschieden habe.

Was aus der Frage geworden ist

Info
Nachtrag zur Erstausstrahlung vom 22. August 2024: Die Folge endete mit der offenen Frage, wie es weitergeht. Die Antwort lautet: Es ging weiter, bis Folge 82. Danach habe ich den Podcast pausiert und die Energie in diese Webseite, den Newsletter, das Lexikon und meine Kolumne in der Website Boosting gesteckt. Rückblickend war das keine Kapitulation, sondern genau die Entscheidung, die diese Folge schon vorbereitet hat.

Wenn Du selbst ein Format betreibst, das Dich mehr Zeit kostet, als es zurückgibt, dann nimm Dir eine Stunde und schreib auf, was es Dir tatsächlich gebracht hat, jenseits der Zahl, die Du am Anfang aufgeschrieben hast. Meistens steht da mehr, als Du erwartest. Manchmal auch weniger, und dann ist das Aufhören die ehrlichere Form von Nachhaltigkeit.

Ein Format zu beenden ist kein Scheitern. Es ist die einzige Optimierung, die hundert Prozent spart.