Der CO₂-Doc prüft www.google.de

Website-Audit

Die Google-Startseite bekommt im Website Carbon Calculator ein A und ist sauberer als 84 Prozent aller Seiten. Trotzdem stecken darin rund 20 Kilobyte, die niemand vermissen würde. Bei Milliarden Aufrufen im Monat werden daraus dreistellige Tonnenwerte.

Betrachtet man die sehr aufgeräumte Startseite von Google, dann kann es doch eigentlich kaum Optimierungspotential geben? Weit gefehlt! Durch einfache technische Maßnahmen ließen sich mehrere Tonnen überflüssige CO₂-Emissionen einsparen - und zwar täglich! Ohne, dass die Seite anders aussieht! Wie das durch ein paar simple Updates in wenigen Minuten zu erreichen wäre, erkläre ich in dieser Folge.

Shownotes:

Ein A, das nichts über die Wirkung aussagt

Der Website Carbon Calculator gibt der Google-Startseite ein A und bescheinigt ihr, sauberer zu sein als 84 Prozent aller Seiten weltweit. Damit wäre der Fall für die meisten erledigt. Für mich fängt er da erst an.

Denn ein Rating bewertet einen einzelnen Seitenaufruf. Es bewertet nicht, wie oft dieser Aufruf stattfindet. Nach den Semrush-Zahlen vom Juni 2024 kam google.de auf 3,6 Milliarden Besuche im Monat, weltweit waren es 130 Milliarden. Mit der Faustformel der Green Web Foundation, nach der ein Gigabyte Datentransfer rund 360 Gramm CO₂ entspricht, wird daraus eine unbequeme Rechnung: Ein einziges eingespartes Kilobyte auf dieser Seite bedeutet 1,3 Tonnen weniger für Deutschland und 47 Tonnen weniger weltweit. Pro Monat.

20 Kilobyte, die niemand vermissen würde

Ich habe mir angesehen, was ohne jede sichtbare Änderung wegfallen könnte. Das Favicon liegt im ICO-Format aus den 90er Jahren und wiegt 5,4 Kilobyte. Als PNG8 gespeichert sind es 312 Byte. Das Logo wird in 272 Pixel Breite dargestellt, ausgeliefert wird eine Datei mit 584 Pixeln und einem Farbraum von 16,7 Millionen Farben, für ein Motiv mit vier Farben. Optimiert bleiben von 13,5 Kilobyte noch 1,7 übrig. Dazu Brotli statt gzip für CSS und JavaScript, was Google für das HTML bereits nutzt.

Zusammen rund 20 Kilobyte. Nach obiger Rechnung sind das 26 Tonnen für Deutschland und 940 Tonnen weltweit, jeden Monat. Das ungenutzte JavaScript, das Googles eigenes PageSpeed-Werkzeug mit 298 Kilobyte beziffert, ist da noch gar nicht mitgezählt. Und die animierten Doodles, die als GIF rund 290 Kilobyte wiegen und als MP4 oder WebM auf unter 70 kämen, ebenfalls nicht.

Was sich seit 2024 geändert hat, und was nicht

Info
Nachtrag zur Erstausstrahlung vom 29. August 2024: Das Audit betraf ausdrücklich nur die Startseite, nicht die Ergebnisseiten. Genau deshalb gilt es bis heute nahezu unverändert. Die KI-Zusammenfassungen, die seither dazugekommen sind, erscheinen auf den SERPs, nicht auf google.de selbst. Auch meine damalige Bemerkung zum Barrierefreiheitsstärkungsgesetz hat sich erledigt: Die Frist ist am 28. Juni 2025 abgelaufen.

Wenn der Verbrauch nur den Ort wechselt

Man könnte einwenden, dass Zusammenfassungen bei wichtigen Suchbegriffen nichts Neues sind. Das stimmt. Der Unterschied liegt nicht im Format, sondern im Zeitpunkt der Berechnung. Ein Snippet wird einmal aus einem Index extrahiert und danach ausgeliefert. Eine generierte Antwort entsteht bei der Anfrage.

Achtung
Damit verschiebt sich der Energiebedarf von der Übertragung in die Berechnung, vom Netz ins Rechenzentrum. Belastbare öffentliche Zahlen dazu gibt es nicht. Aber eine Verschiebung ist keine Einsparung. Wer nur noch übertragene Bytes misst, verliert genau in dem Moment die Sicht auf den Verbrauch, in dem dieser den Ort wechselt.

Nimm Dir fünf Minuten für Deine eigene Seite: Liegt Dein Favicon noch als ICO vor? Und wie breit ist Dein Logo als Datei, verglichen mit der Breite, in der es tatsächlich angezeigt wird? Beides sind Ein-Minuten-Korrekturen. Multipliziere die Differenz dann mit Deinen monatlichen Seitenaufrufen.

Der Hebel einer Optimierung steckt nie in der Datei, sondern in der Zahl der Menschen, die sie herunterladen.