Der CO₂-Doc prüft www.bing.de

Website-Audit

Bing hat etwas, das Google fehlt: ein perfekt komprimiertes Startbild und ein modernes Favicon. Trotzdem landet die Startseite nur bei Rating D, und wer scrollt, lädt schnell über 10 Megabyte. Ich zeige, wo die Daten wirklich herkommen und warum die beste Optimierung hier gar keine Optimierung ist.

Der Markenkern von Bing ist das tolle Foto auf der Startseite. Das ist auch sehr gut optimiert, aber an anderer Stelle gibt es noch viel Verbesserungspotential, um überflüssige Daten und damit CO₂-Emissionen einzusparen. Bei 7 Millionen Visits pro Tag reden wir da mehrere Tonnen pro Tag! Wie das möglich wäre, zeige ich in diesem Audit.

Shownotes:

Ein Foto, das schon perfekt ist

Ausgerechnet Microsoft hat mich bei diesem Audit positiv überrascht. Das große Tagesbild auf bing.de, der eigentliche Markenkern der Suchmaschine, liegt als WebP vor und ist so gut komprimiert, dass ich es weder mit Compress or Die noch als AVIF kleiner bekommen habe. Keine externen Schriften, HTML und JavaScript ordentlich komprimiert, und beim Favicon ist Bing sogar weiter als Google: PNG statt des veralteten ICO-Formats, das ausgerechnet von Microsoft stammt.

Trotzdem landet die Startseite im Website Carbon Calculator nur bei D. 1,8 Megabyte beim ersten Aufruf, 4,3 Megabyte nach dem Cookie-Consent, und wer scrollt, ist schnell bei 10 Megabyte und mehr. Die Werte stammen aus meinem Audit von 2024, und weil Bing jeden Tag ein neues Bild zeigt, schwankt das Volumen ohnehin. Das Muster dahinter bleibt aber gleich: Das Problem ist nicht das, was Du siehst, sondern das, was darunter kommt.

Der Nachrichtenstrom unter dem Suchschlitz

Unter dem Foto blendet Bing einen endlosen Strom an Nachrichten ein. Die Bilder dort sind PNG und JPEG statt WebP, oft falsch skaliert, und Lazy Loading scheint zu fehlen. Jedes hat rund 50 KB, ich konnte sie ohne sichtbaren Qualitätsverlust auf 12 KB bringen, also etwa 75 Prozent weniger. PageSpeed Insights sieht auf dem Desktop allein bei modernen Bildformaten 839 KB Einsparpotenzial, dazu 137 KB ungenutztes CSS. Mobil fällt die Seite sogar durch, weil ausgerechnet der Nachrichten-Slider zum LCP-Element wird und nicht das Tagesbild.

Was heißt das in CO₂? Bei rund 7 Millionen Visits pro Tag entspricht jedes eingesparte Kilobyte etwa 2,5 Kilogramm CO₂ täglich, gerechnet mit dem globalen Mittelwert von 360 Gramm pro Gigabyte und ohne Cache. Meine Überschlagsrechnung für die 839 KB aus PageSpeed: gut 2 Tonnen CO₂ pro Tag, nur durch andere Bildformate.

Tipp
Öffne auf Deiner eigenen Startseite die Browserkonsole, scrolle einmal bis ganz nach unten und vergleiche das Datenvolumen mit dem ersten Aufruf. Der Unterschied zeigt Dir, wie viel Deine Seite für Inhalte lädt, die kaum jemand ansieht.

Warum Optimieren hier nur die zweitbeste Lösung ist

Die Bildoptimierung wäre der naheliegende Schritt. Ich würde aber früher ansetzen: Braucht eine Suchmaschinen-Startseite überhaupt einen Nachrichtenstrom? Ich behaupte, 90 bis 95 Prozent der Menschen wollen bei Bing einfach nur etwas suchen. Mich erinnert das an Altavista in den 90ern, wo neben dem Suchschlitz tausend andere Dinge standen. Ein eigener Link zu den Nachrichten oder ein Nachladen erst auf ausdrücklichen Wunsch würde mehr sparen als jede Kompression. Die sparsamste Datei ist die, die nie ausgeliefert wird.

Das gleiche Muster sehe ich beim Hosting. Microsoft setzt bei Azure vor allem auf Kompensation statt auf direkt bezogenen Ökostrom. Für mich ist das nur die zweitbeste Art des Hostings, denn Reduktion ist immer besser als Kompensation. Wer seine Startseite locker um die Hälfte verschlanken könnte, sollte das tun, bevor er sich grün rechnet.

Ich habe noch keine Seite gesehen, meine eigene eingeschlossen, die sich nicht weiter optimieren ließe. Schau Dir heute an, welches Element unterhalb des sichtbaren Bereichs Deiner Startseite Du einfach streichen könntest. Denn wer Kilobytes einsparen kann, aber lieber kompensiert, hat Nachhaltigkeit mit Buchhaltung verwechselt.