10 Fragen von ChatGPT an Dr. Torsten Beyer

Interview

Für Folge 50 habe ich die Rollen getauscht: ChatGPT hat sich zehn Fragen an mich ausgedacht, vorgelesen von einer synthetischen Stimme. Die Fragen waren erstaunlich gut, ein erfundener Fachbegriff war trotzdem dabei. Und ein Ratschlag aus dieser Folge hat sich inzwischen selbst erfüllt.

KI Tools werden immer besser. Aber können Sie auch schlaue Fragen für ein Interview stellen? Mit 2 einfachen Prompts habe ich es getestet - und war überrascht von der Qualität und Aktualität der Fragen. Um das Ganze realistischer zu machen, lasse ich die Fragen von einem Sprachassistenten vorlesen. Ein spannendes Experiment oder bald Realität?

Shownotes:

Ein Ratschlag, der sich selbst erfüllt hat

In dieser Folge erzähle ich von einem Satz meines Podcast-Mentors Gordon Schönwälder: Mach einfach 50 Folgen, und danach fängst Du von vorne an und bringst Updates. Damals habe ich darüber geschmunzelt. Heute hörst Du diese Folge genau so, als Wiederveröffentlichung. Gordon hatte also recht, wenn auch anders, als er es damals gemeint hat: Statt neue Folgen zu produzieren, bekommen die bestehenden eine zweite Chance. Auch das ist eine Form von Suffizienz.

Die KI als Interviewerin

Für die 50. Folge habe ich ein Experiment gemacht. Mit nur zwei Prompts habe ich ChatGPT gebeten, sich zehn Fragen an mich auszudenken, so als wäre die KI Gastgeberin meines eigenen Podcasts. Vorgelesen hat sie eine synthetische Stimme. Das Ergebnis hat mich überrascht. Die Fragen hatten verschiedene Ebenen: persönliche Motivation, konkrete Tipps, Politik, internationale Zusammenarbeit, Zukunft.

Ganz ohne Fehler ging es nicht. In ihrer Beschreibung meines Podcasts erfand die KI etwa den Begriff „digitale Dissuffizienz“. Klingt fachlich, gibt es aber nicht. Ein gutes Beispiel dafür, warum KI-Ergebnisse immer jemanden brauchen, der sie prüft.

Die Fragen, die bleiben

Einige meiner Antworten von damals würde ich heute genauso geben. Auf die Frage nach meiner Motivation lautet die Antwort immer noch: Als Chemiker habe ich gelernt, Verantwortung für die Folgen dessen zu übernehmen, was ich herstelle. Die Chemie ist nicht schuld, wenn Kleidung nach dreimal Tragen weggeworfen wird. Genauso ist nicht das Internet schuld, sondern die Art, wie wir es nutzen.

Und die größte Herausforderung bleibt der Rebound-Effekt. Jede Effizienzsteigerung wird von noch mehr Nutzung aufgefressen. Seit es Smartphones gibt, fotografieren wir ein Vielfaches dessen, was wir früher auf Film gebannt haben, und all diese Fotos liegen irgendwo auf einem Server. Effizienz allein bringt uns nicht weiter. Wir müssen lernen, Daten so wertzuschätzen wie Wasser, Strom oder Lebensmittel.

Tipp
Eine Antwort aus der Folge kannst Du sofort umsetzen: Geh die Apps auf Deinem Smartphone durch und lösche alle, die Du seit drei Monaten nicht geöffnet hast. Jede ungenutzte App lädt trotzdem regelmäßig Updates herunter.

Was sich seither getan hat

Info
Aktualisierung: In der Folge spreche ich vom Barrierefreiheitsstärkungsgesetz, das im Jahr darauf kommen sollte. Es gilt inzwischen seit dem 28. Juni 2025 und verpflichtet viele Unternehmen, ihre digitalen Angebote barrierefrei zu gestalten. Schlanker, sauberer Code hilft dabei übrigens doppelt: bei der Barrierefreiheit und beim Datenvolumen.

Bleibt die Frage, die das Experiment selbst aufwirft: Brauchte ich für diese Folge wirklich eine KI? Ehrlich gesagt nicht. Ich hätte mir die Fragen auch selbst ausdenken oder Hörerinnen und Hörer fragen können. Aber gerade deshalb ist das Experiment lehrreich. KI ist ein Werkzeug, das Rechenleistung und Strom kostet. Sie sollte dort zum Einsatz kommen, wo sie einen echten Mehrwert bringt, nicht überall dort, wo es gerade geht.

Bevor Du das nächste Mal eine KI fragst, frag Dich kurz selbst, ob Du die Antwort nicht schon kennst.

Die klügste Frage stellt nicht die KI, sondern der Mensch, der überlegt, ob er sie überhaupt braucht.